Er hilft den Jägern der Nacht

Ehrensache! Engagiert in Westsachsen. Heute: Heiko Goldberg, Fledermausexperte in der Nabu-Gruppe Kirchberg.

Kirchberg.

Ein bisschen stolz ist Heiko Goldberg schon auf seinen neuen Helfer: einen Detektor, der Rufe von Fledermäusen aufzeichnet. Stückpreis: 1860 Euro. Ein stattlicher Preis. Doch das Gerät kann mehr als Menschen vermögen. Denn die Rufe der Nachtschwärmer sind für das menschliche Ohr zumeist nicht vernehmbar. "Nur wenn sie balzen, sind die Männchen zu hören, die Kinder nur, wenn sie nach den Müttern rufen", weiß Goldberg.

Der 42-Jährige ist nach Informationen des Landratsamtes einer von vier ehrenamtlichen Fledermausspezialisten im Landkreis. Der Wilkau-Haßlauer ist zuständig für das Gebiet südlich der Autobahn 72. Wie wird man eigentlich Fledermausschützer? Goldberg lacht. "Ich wollte schon immer was im Naturschutz machen", sagt er. Tiere in Wald und Feld haben ihn schon als Kind auf Spaziergängen mit den Eltern fasziniert. 2012 ging er zu den Kirchberger Natur- und Heimatfreunden im Naturschutzbund, hilft seither bei der Wiesenmahd und Nistkästenkontrollen. Vereinsvorsitzender Wolfgang Prehl schätzt Goldberg: "Egal was zu tun ist, er ist immer für den Verein da. Er ist sich für keine Arbeit zu schade, hilft überall mit."


Das besondere Interesse für Fledermäuse kam mit der Zeit. Vereinsmitglied Klaus Krahn habe seine Aufmerksamkeit auf die insektenfressenden Säugetiere gelenkt. In Deutschland sind alle Arten besonders und streng geschützt.

Die wohl bekannteste Fledermausart, die Hufeisennase, die beim Bau der Dresdner Waldschlösschenbrücke zu Berühmtheit gelangte, gibt es Goldberg zufolge nicht im Landkreis. Wohl aber die Zweifarbfledermaus, die sich gern an Gebäuden niederlässt, und den Abendsegler, der Baumhöhlen bewohnt. "Immer mehr Quartiere werden durch Eingriffe des Menschen zerstört", sagt Goldberg, der seine Aufgabe darin sieht, die Bevölkerung für ein Miteinander zu sensibilisieren. "Fledermäuse richten keinen Schaden an," beteuert er. Wer Fledermäuse unterm Dach, unter Fassaden, Schiefern, Schornsteinen oder im Winter in Kellern oder Holzstapeln hat, sollte sie schützen helfen. Das geht beispielsweise, indem man Quartierpate wird, wirbt Goldberg für ein neues Projekt.

Wer eine Sanierung plant, sollte vorher daran denken, dass die Tiere Ausweichquartiere benötigen. "Die Kästen, die jetzt nach Sanierungsende am Kirchberger Meisterhaus angebracht werden, kommen zu spät. Fledermäuse bauen sich selbst keine Nester, sind also auf Vorhandenes angewiesen", gibt der ehrenamtliche Naturschützer des Landkreises zu bedenken. Gefreut haben ihn die Fledermauskästen im Tierpark Hirschfeld, der vor zwei Jahren an den Lagerhallen und am Wisentgehege bereits Unterkünfte für die Jäger der Nacht anbringen ließ.

Zu Goldbergs Aufgaben zählt, die Winterquartiere der Fledermäuse zu kontrollieren. Eines der größten befindet sich im Engländerstolln in Langenweißbach. Aktuell leben dort sieben Tiere. Goldberg entdeckte in dem ehemaligen Bergwerk schon Große Mausohren, Braune Langohren, Wasserfledermäuse, Mopsfledermäuse, einmal konnte sogar eine Nordfledermaus nachgewiesen werden.

Der Wilkau-Haßlauer weiß, dass es mehr als vier Naturschützer braucht, um die fliegenden Säugetiere vorm Aussterben zu retten. Regelmäßig versucht er daher, junge Menschen für seine Arbeit zu faszinieren. Er veranstaltet Fledermausnächte in Rödlitz, Batnights am Kleinen Filzteich, mit Wilkau-Haßlauer Schülern hat er vor kurzem zur Schulabschlussfeier Fledermauskästen gebaut. Das handwerkliche Geschick eines Bautischlers kommt ihm dabei zugute. Wem diese Gabe nicht gegeben ist - "Fledermauskästen gibt es aber auch im Handel", sagt Goldberg.

Wie viel Zeit der Single den Jägern der Nacht widmet, vermag er nicht zu sagen. "Da kommt einiges zusammen. In Giegengrün haben wir mal bis Mitternacht gewartet, dass die Tiere ausfliegen", sagt er lachend, schließt aber aus, dass das so bleibt, wenn er erst eine Familie gegründet hat. Immerhin ist er auch Vorstandsmitglied der Michaelis-Kirchgemeinde Wilkau-Haßlau.

In seinem Haus hat er einen Fledermausraum eingerichtet, in dem er Fundtiere hochzupäppeln versucht. "Die Überlebenschancen für Tiere mit offenem Bruch oder anderen Verletzungen sind relativ gering, auch Babys sind kaum durchzubringen", sagt er. Eine Zweifarbfledermaus, die an einem Klebeband eines Hauses festhing, konnte er hochpäppeln. "Sie brachte nur noch neun Gramm auf die Waage, bei uns würde man magersüchtig dazu sagen." Er fütterte sie mit Heimchen und Mehlwürmern und entließ sie nach zwei Wochen mit 11,5 Gramm wieder in die Freiheit.


15 Arten im Landkreis

Von den 21 in Sachsen bekannten Fledermausarten kommen nach Angaben der Unteren Naturschutzbehörde 15 im Landkreis vor. Die Jäger der Nacht sehen mit den Ohren, fliegen mit den Händen und schlafen mit dem Kopf nach unten.

Heiko Goldberg, der 155 Quartiere betreut, rät, die Tiere immer mit Handschuhen anzufassen, für den Transport genüge ein Karton mit einem Tuch. Wer Quartierpate werden möchte, findet alle Infos im Internet.

www.fledermausschutz-sachsen.de

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