Ergotherapeuten klagen über Ungleichheit

Zwei Verbandsmitglieder bitten Bundestagsmitglied Alexander Krauß um Hilfe, um die Zukunft ihrer Branche zu retten.

Kirchberg/Wilkau-Haßlau.

Kerstin Hamm war Radiologieassistentin, Mandy Forkel Köchin. Vor gut 20 Jahren drückten beide gemeinsam noch einmal die Schulbank, um Ergotherapeuten zu werden. Heute haben die beiden Chefinnen ein 14-Mitarbeiter-Unternehmen mit Praxen in Kirchberg und Wilkau-Haßlau. "Es ist ein wunderbarer Beruf", schwärmt die 51-jährige Hamm und beteuert, den Wechsel nie bereut zu haben. Doch wird der Job immer schwieriger.

Ergotherapeut - früher ein Beruf, für den Interessenten Schlange standen. Heute suchen viele Praxen Nachwuchskräfte. Hamm und Forkel, beide über Westsachsen hinaus engagiert, haben einige Ursachen ausgemacht, an denen sie kaum etwas ändern können.

Kerstin Hamm, Vorsitzende der sächsischen Landesgruppe des Deutschen Verbandes der Ergotherapeuten, und Mandy Forkel, Vorsitzende des Bundesfachausschusses für Selbstständige, hatten sich am Dienstag CDU-Bundestagsmitglied Alexander Krauß eingeladen. Krauß, Mitglied im Ausschuss für Gesundheit des Deutschen Bundestages, erfuhr, dass laut Bundesarbeitsagentur ein Ergotherapeut in Sachsen im Durchschnitt 1912 Euro im Monat verdient. Ist er im Nachbarland Bayern beschäftigt, bekommt er rund 2700 Euro. "Wir versuchen, unsere Mitarbeiter, von denen viele Teilzeit arbeiten, zu halten, indem wir Tankgutscheine drauf packen oder auch die Kindergartenbeiträge zahlen", sagt Kerstin Hamm. Dennoch musste sie gute Leute ziehen lassen, die finanziell einfach besser gestellt sein wollten.

Unbedingt abgeschafft, so die Chefinnen, gehört das Schulgeld. Vielerorts bilden nur Privatschulen die Ergotherapeuten aus. Mandy Forkel zufolge werden für die dreijährige Ausbildung monatlich im Durchschnitt 100 Euro fällig. "Damit können wir mit keiner Lehrstelle für den ersten Arbeitsmarkt konkurrieren", konstatiert Kerstin Hamm.

Hamm und Forkel zufolge geht die Ungleichheit allerdings bei den Zahlungen der Krankenkassen weiter, wo beispielsweise die AOK in Bayern für eine Behandlungsstunde gut 4 Euro mehr zahle als die AOK Sachsen (41,50 Euro). "Ein Ost-West-Ausgleich wäre da ebenso wichtig", so die 53-jährige Forkel und ergänzt: "Ohne Hilfe aus der Politik wird das nichts."

Ergotherapeuten helfen beispielsweise Schlaganfallpatienten dabei, Hirn und Hand zu koordinieren, sie leiten Kinder zu mehr Lern- und Merkfähigkeit oder auch Aufmerksamkeit an, helfen Verunfallten bei der Rückkehr in den Alltag. Dabei wünschten sie sich mehr Freiräume, um nicht immer erst auf Rezept eines Arztes tätig werden zu können. Es gebe bereits Ärzte, die die fachliche Meinung der Ergotherapeuten vorab abfragen, aber das sind wenige.

Alexander Krauß animierte die beiden, über den Verband einen Modellversuch auszuarbeiten und anzuregen. "Ich unterstütze das gern," sagte der Bundestagsabgeordnete. Bezüglich der Schulgeldproblematik ist er gar der Meinung, dass die Azubis eine Ausbildungsvergütung bekommen müssten.

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