Erinnerungen ohne Groll

Seit 65 Jahren kommen ehemalige Pestalozzi- schüler in Werdau zusammen, um sich über eine schwere, aber auch lustige Zeit in ihrem Leben auszutauschen.

Werdau.

In der Erinnerung ist manches schöner als es eigentlich war. Diesen Satz können die Frauen und Männer sicherlich unterschreiben, die sich am Wochenende zum Klassentreffen im Hotel "Friesen" versammelten und dafür aus ganz Deutschland anreisten. Und das sage und schreibe zum 65. Mal.

"Wir haben 1951 die damalige Pestalozzischule verlassen", sagte Isa Bauer. Die heute 79-Jährige kommt jedes Jahr mit ihrem Auto von Nürnberg in die Pleißestadt, um mit Schulkameraden Erinnerungen und Anekdoten auszutauschen. "Wir waren freche Mädchen", meinte sie lachend und amüsierte sich mit Helga Schumann aus Gera darüber, wie sich mal ein ungeliebter Lehrer statt auf den Stuhl in eine Waschschüssel setzte, die ihm die Mädels untergeschoben hatten. "Wir haben jedes Jahr unseren Spaß, wenn wir uns sehen, auch wenn wir halt immer weniger werden."

Wenn es auch schwere Zeiten waren, die Schüler der "Pesta" - heute das Alexander-von-Humboldt-Gymnasium - denken ohne Groll an ihre Schulzeit und die Lehrer zurück. Viele Väter waren im Krieg geblieben oder noch in Gefangenschaft. Die Mütter mussten den Lebensunterhalt verdienen, sodass die Kinder oft sich selbst überlassen waren. Schularbeiten wurden abends bei Kerzenlicht gemacht, da man tagsüber ja draußen herumtoben musste. "Auf die weiterführende Oberschule zu gehen, war ein Privileg. 75 Prozent der künftigen Schüler mussten aus einer Arbeiter- und Bauernfamilie kommen. Der Rest durften Angestellte und die sogenannte Intelligenz sein", erinnerten sich Woldemar Schwabe und Manfred Platzer. Das trieb seltsame Blüten, sodass Schüler "delegiert" wurden, die eigentlich überhaupt nicht auf die Oberschule wollten, deren Eltern aber die Quote erfüllten.

Ein Geheimnis der ehemaligen "Pesta" blieb an diesem sonnigen Nachmittag aber weiterhin ungeklärt. Links an der Fassade befand sich einst ein Spruch. Wie der lautete, daran konnte sich keiner der ehemaligen Schüler erinnern. Nur daran, dass der Eingang rechts für Mädchen und links für Jungen war und die Klassen natürlich streng getrennt unterrichtet wurden.

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