Erste Mähdrescher im Ernte-Einsatz

Den Landwirten machen nicht nur Wetterkapriolen zu schaffen, sondern auch Wildtiere, Umweltsünder und die Bürokratie.

Lauterbach.

Planmäßig hat das Agrarunternehmen Lauenhain, das seinen Sitz in Lauterbach hat, den Erntebeginn starten können. Anfang der 29. Kalenderwoche waren die ersten Mähdrescher zum Abernten der Gerste im Einsatz. "Die Getreidebestände haben sich trotz des fehlenden Grundwassers durchschnittlich gut entwickelt", betonte Markus Wawrik, der stellvertretende Vorsitzende des Agrarunternehmens und zugleich verantwortlich für die Abteilung Pflanzenbau.

Kürzlich hat man die zweite Silorunde mit Grassilage eingebracht. "Man kann zwar mit dem Ertrag immer noch zufrieden sein, aber die Ertragsmengen, wie wir sie noch vor drei, vier Jahren hatten, sind in weite Ferne gerückt. Auch das ist auf das Fehlen des Grundwassers zurückzuführen", erklärte Wawrik.

Nachdem im vergangenen Jahr die Getreide- und Rapspreise nicht befriedigend waren, zeichnet sich für 2020 eine leicht steigende Tendenz ab. "Die Preisentwicklung bei der Milch ist jedoch nicht zufriedenstellend", so Jürgen Sander, der Vorstandsvorsitzende des Agarunternehmens. Im Juni ist der Auszahlungspreis für Milch um 3,4 Cent/kg auf 30,5 Cent gefallen. Bereits 2019 war der Milchpreis nicht kostendeckend. Der Tiefpunkt scheint erreicht, eine leichte Erholung ist in Sicht. Coronabedingt war der Italien-Export fast zum Erliegen gekommen. Über 60 Prozent Marktanteil der vier großen Supermärkte und Discounter und stetige Konzentration des Handels und der Verarbeitungsbetriebe stehen dem Wunsch der Gesellschaft nach Umgestaltung der Landwirtschaft im Weg.

Den Preisverfall bei landwirtschaftlichen Produkten konnte man aus Erlösen der 2012 in Betrieb gegangenen Biogasanlage etwas abfedern. "Zudem konnten wir seit der Inbetriebnahme dieser Anlage jährlich Ausgaben für Heizöl in Höhe von 50.000 bis 70.000 Euro einsparen", so Jürgen Sander. "Außerdem ist der Gärrest pflanzenverträglicher und geruchsfreundlicher."

Trotz fehlender Niederschläge im Winter waren alle Herbstaussaaten gut über den Winter gekommen. Unter der Frühjahrstrockenheit und der kurzen Frostperiode im April litten besonders circa 200 Hektar Gerste. Man rechnet mit Einbußen von 25 bis 30 Prozent. In anderen Gerste- Beständen hatte man etwas mehr Glück - dort fiel zum richtigen Zeitpunkt etwas Regen. Auch bei der Rapsernte wird man nicht die Vorjahreserträge erzielen können, da die Nachtfröste ebenfalls Schäden hinterlassen haben. Was die Frühjahrsaussaat betrifft, muss man mit Mindermengen bei den Erträgen rechnen. Ein noch nie da gewesenes Problem hatte man auf einem Feld mit Mais. Dort bediente sich über mehrere Tage intensiv eine große Schaar Krähen, sodass circa 40 Hektar Mais nachgelegt werden mussten. Auch erste Rotten von Wildschweinen waren in heranwachsenden Beständen aktiv. Aufgrund der milden Witterung in den Wintermonaten gab es eine große Mäusepopulation. Die Nager richten immense Schäden an, unter anderem beim Feldgras. Wildes Ablagern von Müll, Autoreifen und alten Möbeln ruft zusätzlichen Ärger hervor.


Neues Lager für Gärreste

Kopfzerbrechen bereitet den Landwirten die eine oder andere gesetzliche Vorgabe. So wurden die Ausbringzeiten für organischen Dünger, im Volksmund Gülle genannt, immens verkürzt. Deshalb arbeitet das Agrarunternehmen mit einem Dienstleister zusammen, der mittels Schlauchtechnik die Gülle bodenschonend ausbringt. Um der Düngeverordnung gerecht zu werden, wird in Kürze ein neues Gärrestlager für 400.000 Euro fertig gestellt. Damit wird die vorgeschriebene Lagerkapazität für Gülle um 1,5 Monate verlängert. (rwa)

00 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.