Es gibt Neues aus der Häschenschule

In einer Sonderausstellung erinnert Kirchberg an Albert Sixtus. Zahlreiche Leihgaben hat der Großneffe des berühmten Autoren beigesteuert.

Kirchberg.

Die Kirchbergerin Anja Roocke ist überzeugt: Albert Sixtus, der Autor der "Häschenschule", war ein sehr kreativer, verspielter, lebensfreudiger Mensch. Sie hat mit Zeitzeugen und Schülern gesprochen, im Internet recherchiert und einige seiner Briefe lesen dürfen. "Er galt als grandios, ein wunderbarer Pädagoge, viele haben von ihm geschwärmt", sagte sie zur Eröffnung der mittlerweile dritten Albert-Sixtus-Ausstellung in Kirchberg.

Aus Anlass des Internationalen Museumstages wurde diese am Sonntag im Meisterhaus eröffnet. In Zwickau lockten die Priesterhäuser, Domhofgalerie, Robert-Schumann-Haus, Kunstsammlungen und August-Horch-Museum mit Mitmachaktionen, Tanz, neuen Ausstellungen und Museumskino. Die Kirchberger setzten in ihrem Museum auf Märchenhaftes.


Die Idee zur Häschenschule kam Sixtus in der Nacht vom 30. April zum 1. Mai 1922 in der Bahnhofstraße 59. Sein Sohn Wolfgang war drei Jahre alt und liebte Märchen und Spiele mit Häschen. Sixtus schlüpfte in die Rolle des furchterregenden Rotfuchses. Eines Nachts schrieb er auf, was sie spielten. Um Mitternacht hatte er das seltene Gefühl: "Diesmal ist dir wirklich etwas gelungen", zitierte Anja Roocke aus einem seiner Briefe.

"Die Häschenschule", deren erste Auflage im Spätsommer 1924 erschien, wurde in viele Sprachen übersetzt: sogar ins Japanische, wie in der Ausstellung zu sehen ist. Sichtbar wird, wie man allmählich Abstand von der Prügelstrafe nahm: Die ersten Illustrationen von Fritz Koch-Gotha zeigen den Hasen-Lehrer mit Stock, später tauchte der nicht mehr auf.

Ein Brief aus dem Jahr 1944 verrät, wie Sixtus unter den Nazis litt. Er hoffte auf Frieden und freies Atmen. Seine Feuerburg-Trilogie wurde von den Nazis kassiert, Bücher unter anderen Namen veröffentlicht, das Manuskript "Das Geheimnis des Riesenhügels" gar entwendet, so Roocke. Wie sehr Sixtus seinen Sohn Wolfgang liebte, wird in einem Gedicht deutlich, das er noch 1948 für ihn schrieb. Er sollte es zu seiner Rückkehr aus dem Krieg bekommen, fand Roocke heraus. Der Sohn hat es bis heute nicht lesen können, er gilt als verschollen.

Ulrich Knebel, Großneffe des Autors, der auf seinem Dachboden veröffentlichte und unveröffentlichte Sixtus-Manuskripte fand, hat die Ausstellung mit zahlreichen Leihgaben bereichert. Nach seinen Aussagen gibt es ab Herbst einen dritten Band der Häschenschule, eine Wintergeschichte. Der Verlag Thienemann-Esslinger bringt das Buch heraus. Knebel freut das. Es gebe noch viele Geschichten, die es wert wären. Die Originale, die er verwahrt, sind teils in bedauernswertem Zustand. Er würde sich freuen, fände sich jemand, der die Restaurierung übernimmt.

Albert Sixtus (geboren 1892 in Hainichen, gestorben 1960 in Jena) trat im April 1915 eine Stelle an der Realschule in Kirchberg an. Die Borbergstadt ehrt Sixtus, der allein bis 1937 44 Bilderbücher, drei Märchenbücher, zehn Märchenspiele und etliche Gedichte schrieb, schon lange. 2012 wurde eine Straße nach ihm benannt. Seit 2013 bekommt jeder Abc-Schütze die "Häschenschule" geschenkt. In diesem Jahr war zu Ostern erstmals eine Häschenschule auf dem Altmarkt zu sehen. Am früheren Wohnhaus des Literaten in Kirchberg erinnert eine Gedenktafel an den berühmten Autor

Die Ausstellung läuft bis 30. Juni.

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