Ferienfahrt für Kinder fällt nach 27 Jahren erstmals aus

In der Gemeinde Fraureuth wird mit einer Tradition gebrochen, die es so in der Art in Deutschland wohl kein zweites Mal gibt. Warum?

Fraureuth.

Schlechte Nachricht für alle Kinder und Jugendlichen in der Gemeinde Fraureuth: Die alljährliche kostenlose dreitägige Fahrt in den Herbstferien für 22 junge Fraureuther fällt in diesem Jahr nach 27 Jahren erstmals aus. Die gute Nachricht: Im kommenden Jahr findet die Reise wieder statt.

Als Grund nannte der Bürgermeister von Fraureuth, Matthias Topitsch (CDU), zur Ratssitzung die Null-Zins-Politik bei den Banken. Die Fahrt wurde bisher mit Geldern aus der Erich-Glowatzky-Stiftung finanziert. "Die Zinserträge lassen die Finanzierung nicht mehr zu", sagt Topitsch. Rund 12.000 Euro kostet die Ferienfahrt. Hinzu kommen noch einmal circa 7000 Euro für die Finanzierung der Rentnerweihnachtsfeier, die ebenfalls mit Geldern aus der Stiftung bezahlt wird. "Deshalb haben wir uns entschlossen die beiden Veranstaltungen im jährlichen Wechsel durchzuführen. In diesem Jahr findet die Weihnachtsfeier statt, im kommenden Jahr die Ferienfahrt", erklärte der Bürgermeister den Gemeinderäten, die die Vorgehensweise zur Kenntnis nahmen. Sie hätten dagegen auch kein Veto einlegen können. Die Entscheidung, wie mit dem Vermögen umgegangen wird, obliegt den Mitgliedern der Stiftung.


Ideengeber der Ferienfahrt war Erich Glowatzky. Der Mäzen erblickte 1909 in der Gemeinde das Licht der Welt, wanderte als junger Mann nach Australien aus und gründete dort ein erfolgreiches Unternehmen. Den Kontakt zu seinem Geburtsort hielt er aufrecht, intensivierte die Beziehungen nach dem Mauerfall. Bei seinen Besuchen in Fraureuth lag Erich Glowatzky das Wohl der jungen Leute besonders am Herzen. Im Alter von 83 Jahren rief der Australier die Ferienaktion ins Leben. Noch im selben Jahr, 1992, fuhren erstmals 22 Mädchen und Jungen aus Fraureuth für 14 Tage nach Wesenburg in Mecklenburg-Vorpommern und verbrachten dort gemeinsam einen erholsamen Aufenthalt. Noch zu Lebzeiten gründete der Geschäftsmann eine Stiftung mit dem Anliegen, auch nach seinem Tod die Ferienaktion fortzusetzen. Der Mäzen starb 1999 im Alter von 90 Jahren. Nachdem das Ferienlager schloss, musste ein neues Ziel gesucht werden. Fünf Jahre lang fuhren die Kinder dann in das Disneyland. Nach der Finanzkrise und Rückgang der Zinsen musste sich die Stiftung ein preisgünstigeres Ziel suchen. Die Wahl fiel auf den Heide-Park Soltau. Finanziert wird neben der Fahrt auch ein Taschengeld. Bisher nahmen mehr als 500 Kinder an der Fahrt teil.

Bewertung des Artikels: Ø 5 Sterne bei 1 Bewertung
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.

    Lesen Sie auch
    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...