Fußballer kämpfen um Punkte und Wasser

Auf dem Sportplatz in Neukirchen steht schwere Technik. Damit wird auf die Trockenheit in den Sommermonaten reagiert.

Neukirchen.

Neben Punkten und Toren kämpfen die Fußballer von der SG Traktor Neukirchen auch um Wasser. Sie benötigen das kühle Nass für die Bewässerung ihres harten und an einigen Stellen verbrannten Rasenplatzes. Mitarbeiter einer Spezialfirma haben in dieser Woche mit der Brunnen-Bohrung begonnen - mit dem erhofften Erfolg. "Das Grundwasser, auf welches wir zurückgreifen dürfen, befindet sich in einer Tiefe von rund 40 Metern. Uns ist ein Stein vom Herzen gefallen", sagt Fußball-Abteilungsleiter Michael Popp.

Die Folgen der Trockenheit bekommen - neben Landwirten und Hobbygärtnern - auch immer mehr Sportvereine in Westsachsen zu spüren. Das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie geht aufgrund einer Analyse davon aus, dass zwischen November 2017 und Dezember 2019 wegen der heißen Witterung sachsenweit rund 335 Liter Niederschlag pro Quadratmeter fehlen. Das entspricht ungefähr einem halben mittleren Jahresniederschlag im Freistaat. Mit Blick auf diese Entwicklung unterstreicht Michael Popp: "Die Sanierung von Rasenplätzen macht nur Sinn, wenn im Anschluss auch eine regelmäßige Bewässerung möglich ist."

Das Ziel soll in Neukirchen in mehreren Etappen erreicht werden. Zunächst galt die Konzentration der Brunnen-Bohrung. In den nächsten Wochen sollen ein Behälter mit einem Fassungsvermögen von rund 25.000 Liter Wasser, eine Sprinkleranlage und die Pumpentechnik angeschafft werden. Als Standort für den Wassertank ist das Gelände des ehemaligen Schiedelbades neben dem Sportplatz vorgesehen. Der Finanzbedarf für den ersten Bauabschnitt, der in diesem Jahr realisiert werden soll, wird auf rund 40.000 Euro geschätzt. Das Vorhaben wird mit Zuschüssen vom Freistaat (20.000 Euro) und der Gemeinde (1000 Euro) unterstützt. Im Frühjahr 2021 soll die Erneuerung des Rasenplatzes folgen. Für diesen zweiten Bauabschnitt werden noch einmal 10.000 Euro benötigt. Die Zahlen hat der Verein mitgeteilt.

Die Traktor-Verantwortlichen werden in den nächsten Monaten zu mehreren Arbeitseinsätzen aufrufen. "Ich bin überzeugt, dass die Mitglieder mitziehen", sagt Michael Popp. Rund 300 Kinder, Jugendliche und Erwachsene gehören zur Sportgemeinschaft. In früheren Jahren konnte in Neukirchen für die Bewässerung des Rasenplatzes eine Versorgungsleitung zwischen der Koberbachtalsperre und Crimmitschau angezapft und auf Wasser aus dem Schiedelbad zurückgegriffen werden.

Auf den anderen großen Sportanlagen in der Pleiße-Region gibt es aktuell keinen Wassernotstand. Der FC Crimmitschau profitiert von einem Wasser-Entnahmebauwerk neben der Pleiße. Die Anlage wurde 2018 bei der rund 1,1 Millionen Euro teuren Sanierung des Sportstadions geschaffen. "Ohne eine regelmäßige Bewässerung vertrocknet der Platz", sagt FC-Vereinschef Mike Schnabel. Der FC Sachsen 90 Werdau greift für die Bewässerung des Spielfeldes im Stadion am Landwehrgrund auf Wasser aus den in der Nachbarschaft befindlichen Teichen zurück. Die Details stimmten die Verantwortlichen mit Stadt und Anglern ab.

Auf einem Großteil der Rasenplätze im Landkreis Zwickau finden die Kicker - trotz der Trockenheit - gute Bedingungen vor. "Die Vereine, die auf einen Teich oder einen Brunnen zurückgreifen können, haben da natürlich einen Vorteil", sagt Lutz Seidel, Vorsitzender des Spielausschusses im Fußball-Kreisverband. Er berichtet auch von kreativen Lösungen. "Ein Verein hat in trockenen Perioden durch die Unterstützung der Feuerwehr das Wasser auf den Platz gebracht", sagt Lutz Seidel. Mit einer gepflegten Sportanlage, zu welcher ein Rasenplatz mit einem satten Grün gehört, können die Vereine laut Seidel auch bei der Suche nach Neuzugängen punkten: "Das ist ein Argument, um Spieler zu halten oder für einen Wechsel zu begeistern."

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