Geflügelhof lässt Sommerloch hinter sich

Der Betrieb in Schönberg modernisiert und schafft neue Maschinen an. Roster, Wurst und Fleisch von Masthähnchen sind ein zweites Standbein des Eierproduzenten geworden. Es gibt aber auch eine schlechte Nachricht.

Schönberg.

Noch sind gut vier Monate Zeit, doch auf dem Geflügelhof Weber in Schönberg haben die Vorbereitungen für das Weihnachtsgeschäft längst begonnen. Im Juli wurden 3500 Gänse eingestallt, die bis Dezember heranwachsen sollen. Allerdings hat Jürgen Weber dieses Jahr ein Problem: das Futter. "Es steht ja kein Gras draußen, und beim Mais ist nicht viel zu erwarten", berichtet der Firmenchef. Normalerweise kann der Hof mit 50Tonnen Mais planen, diesmal werden es wegen der Trockenheit wohl nur 20. Weber wird seinen Tieren Kraftfutter zufüttern müssen, was mit zusätzlichen Kosten verbunden ist. Für ihn steht fest: Die Gänse werden 2018 teurer. Um wie viel, steht noch nicht fest. Es werde aber nicht dramatisch, versichert er.

Nach einem üblichen "Sommerloch" hofft Weber, dass die Geschäfte nach der Ferienzeit nun wieder anziehen. Wie jedes Jahr musste der Familienbetrieb mit 25 festen Mitarbeitern, der sein Geld in erster Linie mit dem Verkauf von Eiern verdient, in den letzten Wochen einen Teil der Hühnereier als Aufschlagware an Industriebetriebe liefern - zu Preisen, die nicht kostendeckend seien. "Wenn es warm ist, werden weniger Eier gegessen, zudem sind viele Leute im Urlaub", erklärt der Seniorchef, der den Betrieb zusammen mit seinen beiden Söhnen führt.

Bis zu 74.000 Legehennen hat der Betrieb im Bestand - wenn alles voll ist. Mehr als 85 Prozent der Tiere werden im Freiland gehalten, der Rest ist Bodenhaltung. Die Eier werden weitgehend an Endverbraucher verkauft - im eigenen Hofladen, über Einzelhändler und Wochenmärkte, aber auch in den Filialen von Edeka, Simmel und Rewe in Teilen Sachsens und Thüringens.

Seit Januar 2017 wird hier wie auch in anderen Farmen in Sachsen auf das Kürzen der Schnäbel bei Küken verzichtet.

Damit die Tiere nicht aufeinander losgehen, hat Weber Pick-Steine aufgestellt, zudem lässt sich die Stallbeleuchtung in Anti-Stress-Modus dimmen. "Wichtig ist vor allem aber das Futterregime", erklärt er. Deshalb bekommen die Tiere rohfaserreiches Futter wie Luzerne, damit sie mehr Zeit beim Fressen verbringen. Das Prinzip: "Wenn die Tiere länger mit Fressen beschäftigt sind, können sie sich weniger an die Wäsche gehen", erklärt Weber. Das Schwierige sei dabei, andere wichtige Rohstoffe wie Eiweiß und Aminosäuren im Futter unterzubringen. Er hofft darauf, dass die Züchtung noch verbessert werde. Insgesamt aber ist der Landwirt zufrieden: Das funktioniere. "Wir sind auf einem ganz guten Weg, das ist größtenteils praktikabel."

Gut hat sich nach seinen Worten der Hofladen in Schönberg entwickelt - trotz seiner Lage. Er sei ja schon abgelegen, da komme niemand einfach so vorbei. Eigentlich sollte er dieses Jahr vergrößert werden, doch das Projekt wurde verschoben. Vorrang hat derzeit eine andere Baustelle: Die Webers investieren etwa eine halbe Million Euro in den Umbau von Schlachthaus und Fleischverarbeitung, dabei werden auch neue Maschinen angeschafft, etwa eine neue Verpackungsanlage. Bis zum alljährlichen Gänsemarkt am 3. November soll alles fertig und an dem Tag auch zu besichtigen sein.

Das Fleisch und die eigenen Wurstprodukte, bei denen kein anderes Fleisch außer jenes vom Geflügel zum Einsatz kommt, haben sich zu einem zweiten Standbein der Firma entwickelt. "Es ist eine stabile, gute Ergänzung unserer Produkte", sagt Seniorchef Weber. Der Hof setzt bei seinen Masthähnchen auf eine langsam wachsende, französische Rasse namens Cobb-Sasso, die 70 Tage im Stall steht. Bei den sonst üblichen schnell wachsenden Rassen seien es 30 Tage. Etwa 400 Tiere werden pro Woche geschlachtet. Die Produktion sei überschaubar. Sehr gut verkauften sich die Roster. Für den Bierschinken und die Jagdwurst habe man sogar schon einen Preis bekommen. Und auch aus einem anderen Grund möchte Weber auf die Verarbeitung nicht mehr verzichten: Heute kauften nur die wenigsten ein ganzes Huhn. Auch bei den Gänsen werde inzwischen ein Fünftel als geteilte Ware verkauft - Brust, Keule, Gänseklein. "Vor zehn Jahren gab es so etwas nicht. Aber der Trend geht dahin. Und wenn es der Kunde will, ist es so."

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