Geistige Nahrung gibt's nun vor allem online

Während die Bibliotheken auf die elektronischen Medien verweisen, trotzen die Buchhändler der Coronakrise mit Lieferservice und telefonischer Beratung.

Landkreis.

Die Zwickauer Concordia-Buchhandlung hat zwar geschlossen. "Bücher können aber telefonisch, per Whatsapp oder online bestellt werden", sagte Geschäftsleiter Richard Hoffmann. Dann gehe alles per Post auf die Reise. "Das eine oder andere Buch legen wir in Zwickau auch selbst vor die Tür - mit Rechnung. Das Geld kann dann überwiesen werden."

Ähnlich geht auch Silvia Hengmith vom Buchladen am Meeraner Markt vor, die sogar einen Zusatzdienst für die Schmökerfreunde anbietet. Gegen eine Servicegebühr bringt die Buchhändlerin während ihrer Auslieferungstour kleine Mengen Lebensmittel vom benachbarten Simmel-Markt mit. "Aber maximal fünf Artikel", schränkte Hengmith ein, die ihre Situation als existenzgefährend bezeichnet. Schon kurz vor der angeordnenten Schließung der sogenannten nicht systemrelevanten Geschäfte sei ihr Umsatzu um 85 Prozent eingebrochen. Dabei komme die Coronakrise zum denkbar ungünstigen Zeitpunkt. "Februar und März kommen traditionell die Neuerscheinungen auf den Markt. Davon habe ich auch eine ganze Reihe gekauft", sagte Hengmith, die immer noch froh ist, dass vor der Schließung des Ladens die Glauchauer Bibliothek einen Großteil davon erworben hat. Derweil setzt Buchhändlerin Hengmith große Hoffnungen in die Politik und unbürokratische finanzielle Unterstützung. Auch Andrea Jacob von der Klis'schen Buchhandlung in Hohenstein-Ernstthal setzt auf diese rasche Hilfe. "Ich musste schon meine Mitarbeiterin in Kurzarbeit schicken."

Neben den Buchhandlungen wurden vor wenigen Tagen auch die Büchereien dicht gemacht. Wie Kristin Bäßler vom Deutschen Bibliotheksverband mitteilte, stehen den angemeldeten Kunden zahlreiche elektronische Medien wie beispielsweise E-Books, digitale Zeitschriften und Zeitungen, E-Learning-Formate sowie Online-Datenbanken bereit. Um auch bisher noch nicht angemeldeten Bürgern die Nutzung dieser Dienste zu ermöglichen, bieten laut Bäßler einige Bibliotheken an, sich online anzumelden. "Bei uns ist das leider nicht möglich", sagte die Glauchauer Biblioteksleiterin Birgit Jacob. Dafür seien alle Rückgabetermine automatisch bis zum 30. April verlängert worden. Niemand müsse Medien per Post zurückschicken. Um jedoch die Onlinebibliothek nutzen zu können, müsse die Jahresgebühr bereits entrichtet sein. Dazu und zu anderen Fragen ist das Team um Birgit Jacob telefonisch erreichbar. Auch die Zwickauer Stadtbibliothek verweist auf ihre Online-Angebote sowie auf ihren Streamingportal "Filmfriend". Die Rückgabe entliehener Medien ist eigenen Angaben nach über den Außenrückgabeautomaten möglich.


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