Glaserei sorgt in Kapelle für Durchblick

Das 110 Jahre alte Bauwerk auf dem Werdauer Friedhof wird dieses Jahr saniert. Eine Firma aus Ruppertsgrün restauriert die Fenster. Für das Unternehmen ist das ein außergewöhnlicher Auftrag.

Werdau.

Glasermeister Gert Kullik aus Ruppertsgrün hat das erste Metallfenster aus der Kapelle des Werdauer Friedhofes restauriert. Nachdem Vertreter des Landesamtes für Denkmalschutz aus Dresden und aus der Stadt vorgestern das Werk begutachtet hatten, gab es grünes Licht für die Restaurierung und Neuanfertigung von 98 weiteren Fenstern, die das 110 Jahre alte Gebäude auf dem Waldfriedhof zieren. Das im romanischen Stil gehaltene und im Ziegelrohbau errichtete Haus, das zu den schönsten seiner Art in ganz Sachsen gehört, soll in diesem Jahr für knapp eine halbe Million Euro teilsaniert werden. Davon kommen allein 200.000 Euro aus dem Denkmalschutz-Sonderprogramm des Bundes, weitere 100.175 Euro stellt die Denkmalschutzbehörde des Freistaates bereit - einer der Gründe für die Stippvisite der Denkmalschützer in Werdau.

"So ein Auftrag ist nicht alltäglich und zugleich eine Herausforderung für jede Glaserei", sagt Firmeninhaber Gert Kullik. Möglich macht die Realisierung erst eine umfangreiche Leistungspalette, welche die Ruppertsgrüner Firma anbietet. "Wir haben im Unternehmen unter anderem Glaser, Tischler, Metallbaumeister und Maurer beschäftigt. Deren Können ist für die Abarbeitung des Auftrages in der Friedhofskapelle notwendig. Ein Unternehmen in unserer Branche muss heutzutage mehr leisten und anbieten als reine Glasereiarbeiten", sagt der 50-Jährige. Der Ausbau der Fenster und die anschließende Restaurierung in der "Alten Glaserei" erfolgen in Etappen, sodass die Kapelle auch während der Arbeiten für Trauer- feiern genutzt werden kann.

Der gebürtige Werdauer hat ursprünglich Zerspanungsfacharbeiter mit Abitur im Kfz-Werk "Ernst Grube" gelernt. Mit den politischen Veränderungen in den 1990er-Jahren vollzog auch Gert Kullik seinen persönlichen beruflichen Umbruch und wechselte von der Metall- in die Holz- und Glasverarbeitung als Produktionsleiter einer Fensterbaufirma. 1999 legte er die Meisterprüfung als Glaser ab und wagte ein Jahr später den Schritt in die Selbstständigkeit am jetzigen Standort. "Das sanierungsbedürftigeWohn- und Geschäftshaus haben wir nach der Wende gekauft, komplett modernisiert, die Werkstatt eingerichtet und immer wieder erweitert", sagt der Geschäftsmann.

Heute zählt das Unternehmen acht Mitarbeiter und hat sich in der Region längst einen Namen gemacht. Mitgewirkt haben die Beschäftigten der "Alten Glaserei" in den zurückliegenden Jahren unter anderem an der Modernisierung des Herrenhauses und des Gemeindeamtes in Fraureuth sowie an der Restaurierung der durch ein Feuer zerstörten Villa der Volkssolidarität in Werdau.

von Rollläden und die Rekonstruktion von alten Möbeln und Bleiglasfenstern.

Dem Zuschlag für die Restau- rierung der Fenster in der Fried- hofskapelle ging eine aufwendige Arbeit voraus. "Wir haben bereits vor mehr als zwei Jahren für die Stadt Werdau einen umfangreichen Katalog erstellt, der die Sanierung der Fenster und Türen beinhaltet." Die vorhandenen 99 Fenster ha- ben nicht nur verschiedene For- men wie Rund- und Stichbogenfenster, sondern noch dazu auch unterschiedliche Maße. Einige der Fenster sind neben den farbigen Bleiglasarbeiten zusätzlich mit Glasmalereien zu versehen. Somit ist fast jedes Fenster anders und ein Einzelstück.

Erstellt wurde dieser Katalog aus reiner Liebe zur Kapelle auf dem Werdauer Waldfriedhof. "Das Bauwerk fasziniert mich schon seit Jahren. Zu dem Zeitpunkt stand noch nicht fest, ob die Stadt Fördermittel für die Sanierung der Kapelle erhält. Ebenso war damals noch nicht klar, ob wir im Zuge des Ausschreibungsverfahrens auch den Zuschlag erhalten", blickt Gert Kullik zurück. Umso größer ist nun die Freude, das Vorhaben auch umsetzen zu können. Bis der Auftrag erledigt ist, wird es bis in den Spätherbst hinein dauern.

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