Grüne Berufe einen Tag lang im Fokus

Jugendliche der Fachschule für Landwirtschaft Zwickau werben in Blankenhain für ihren Beruf. Für den Gastgeber, das ortsansässige Agrarunternehmen und die Bildungseinrichtung eine Premiere.

Blankenhain.

Den Umgang mit jungen Leuten ist Frank Schlegel aus seinem Berufsalltag gewohnt. Der 51-Jährige ist in der Agrargenossenschaft Blankenhain seit mehr als zehn Jahren für die Ausbildung des Nachwuchses verantwortlich. In dem Unternehmen hat er einst selbst Agrotechniker gelernt und ihm bis heute die Treue gehalten. Doch so viele junge Menschen wie am Samstagvormittag trotz wechselhaften Wetters das etwas abseits von der Ortschaft gelegene Firmengelände bevölkerten, ließen die Herzen des Landwirtes und seines Teams hören schlagen.

Die Agrargenossenschaft war Gastgeber für einen Aktionstag, der von der Fachschule für Landwirtschaft in Zwickau organisiert worden ist. Den Hut dafür hatten die Jugendlichen der Klasse "Staatlich geprüfter Wirtschafter in der Landwirtschaft Jahrgang 2016" auf. Die stellten an mehreren Ständen, aufgebaut im Hof des Agrarunternehmens, die Berufe Landwirt, Tierwirt, Pferdewirt, Landmaschinenmechatroniker sowie Fachkraft Agrarservice vor. Über mangelndes Interesse konnten sie nicht klagen.

Zufriedene Gesichter auch bei den Organisatoren von der Fachschule, die seit 1990 rund 350 junge Landwirte zum Wirtschafter qualifizierten. "Bisher waren wir an Oberschulen in der Region unterwegs, um dort die grünen Berufe vorzustellen. Dass wir nun damit direkt in ein Agrarunternehmen gehen und uns zugleich an der Aktion der offenen Unternehmen im Landkreis beteiligen, ist für uns Neuland", sagt Anke Keller von der Fachschule.

Zu den jungen Landwirten, die die Fragen der Mädchen und Jungen beantworteten, gehörten unter anderem Laura Liebold und Johannes Borchert. Die beiden jungen Leute arbeiten in der Agrargenossenschaft Blankenhain und qualifizieren sich an der Fachschule in Zwickau weiter. Laura Liebold hat erst im Juli des Vorjahres ihre Ausbildung zur Landwirtin mit Bestnoten abgeschlossen und liebt ihren Beruf über alles. Das auch den Jugendlichen rüberzubringen, war für die 20-Jährige eine Leichtigkeit.

"Wir freuen uns, dass wir für den Aktionstag ausgewählt worden sind und auch Werbung für unsere Branche machen können", sagte Frank Schlegel. Junge Menschen für einen Beruf in der Landwirtschaft zu begeistern, wird nach Aussagen des Fachmannes immer schwieriger. "Das sah vor 15, 20 Jahren noch ganz anders aus." Dabei gehört das Agrarunternehmen zu den besten Ausbildungsbetrieben in den grünen Berufen bundesweit und wurde dafür 2015 in der Kategorie 2 (Betriebe mit 20 bis 50 Angestellten) mit Silber geehrt. Für Joachim Piehler, seit 1982 Chef des Landwirtschaftsbetriebes, eine ganz besondere Auszeichnung, auch wenn er darum nicht viel Aufhebens macht. "Wir bilden im Betrieb seit 1954 Lehrlinge aus. Zu DDR-Zeiten waren wir im Kreis Werdau für die Ausbildung aller Lehrlinge in einem landwirtschaftlichen Beruf zuständig", blickt der 62-Jährige zurück. Heute stellt das Unternehmen pro Jahr im Durchschnitt zwei Lehrlinge ein, aktuell sind vier im Betrieb beschäftigt.


Aktion findet Anklang

Sören Börnig aus Wüstenbrand (13): "Ich bin zwar erst in der 7. Klasse, trotzdem suche ich schon nach einem Ausbildungsplatz. Den will ich in der Landwirtschaft haben. Am liebsten mit Technik. Allerdings hätte ich mir einen geführten Rundgang, wie er bei einer ähnlichen Aktion im Agrarhof Gospersgrün angeboten wurde, gewünscht."

Anna Heine aus Crimmitschau (14): "Wenn es klappt, gehe ich nach der Schule in die Richtung Tierärztin. Deswegen war für mich hier das Berufsbild Tierwirt und die Haltung der Tiere sehr interessant. "

Robin Heise aus Crimmitschau (12): "Meine Mutti ist Tierwirtin. Deshalb ist für mich die Landwirtschaft kein neues Thema. Ich mag aber eher den Umgang mit den großen Maschinen oder der Technik und kann mir schon vorstellen, später einmal hier oder in einem anderen Agrarbetrieb zu arbeiten."

Leon Münn aus Neukirchen (13): "Ich werde in der 8. Klasse ab November hier in der Agrargenossenschaft ein Praktikum machen. Die Landwirtschaft interessiert mich schon lange, auch weil meine Familie in diesem Bereich arbeitet. Trotzdem wollte ich den Aktionstag nutzen und mir die verschiedenen Bereiche noch einmal anschauen. Ich finde das sehr interessant."

Mehr als 170 Unternehmen haben sich im Landkreis Zwickau bis zum Samstag hinter die Kulissen schauen lassen. Neben privaten Firmen stellten sich auch Polizeidienststellen, Drogeriemärkte, Bäckereien, Krankenhäuser, Agrarunternehmen, Stadtverwaltungen und Schulen den künftigen Auszubildenden vor.

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