Harlekine erzählen keine Märchen mehr

Das Kinder- und Jugendtheater wird kurz vor seinem 50-jährigen Bestehen aufgelöst. Dennoch müssen die kleinen Crimmitschauer auf ihre Geschichte im Advent nicht verzichten.

Crimmitschau.

Jetzt ist es offiziell: Die Harlekine wird es nicht mehr geben. Nachdem der Verein in den zurückliegenden beiden Jahren bereits auf die Aufführung eines Weihnachtsmärchens im Crimmitschauer Theater verzichtet hatte, gab die Vereinsführung nun die Auflösung des Ensembles und damit auch das Ende des traditionsreichen Vereins bekannt. "Der Schritt ist uns sehr schwer gefallen", sagte am Montag die Vereinsvorsitzende Steffi Kraft. Sie begründete die Entscheidung mit gesundheitlichen Problemen. Das Kinder- und Jugendtheater würde im Februar sein 50-jähriges Bestehen begehen. Steffi Kraft gehört seit der Gründung dazu. Damals war sie elf Jahre alt.

"Wir haben in den zurückliegenden Monaten nach einer Lösung gesucht, wie der Verein beziehungsweise das Ensemble in unserem Sinne fortbestehen kann. Eine Lösung haben wir nicht gefunden", bedauert Kraft. Von der bevorstehenden Auflösung des Vereins wurden die Theaterleitung und die Stadtverwaltung bereits informiert.


Eine Entscheidung, die Tilo Ferstl, künstlerischer Leiter des Theaters, bedauert. Er war zwischen 1990 und 1997 schon einmal Chef des Musentempels in der Stadt und hat 1993 dem Ensemble bei der Neuformierung Schützenhilfe geleistet. Am 1. Februar 1994 begannen die Harlekine als eingetragener Verein mit ihrer Arbeit. Seitdem studierten die rund 50 Mitglieder, die dem Laienensemble insgesamt angehörten, alljährlich ein Weihnachtsmärchen ein. Das Stück wurde in der Adventszeit bis zu neunmal aufgeführt. Rund 3500 kleine und große Zuschauer wollten die Inszenierungen sehen. Damit zählte das Ensemble mehr Besucher als manch professionelle Theater mit ihren Stücken für Kinder in der Weihnachtszeit. Das letzte Märchen, das die Harlekine einstudierten, war 2016 die Geschichte der "Schneekönigin". Seitdem pausierte das Ensemble. EinGroßteil der Mitstreiter hat bereits nach und nach den Verein verlassen.

2017 und 2018 sprangen die Burattinos, ein Kinder- und Jugendtheater aus Stollberg, ein, sodass die jungen Crimmitschauer nicht auf ihr Weihnachtsmärchen verzichten mussten. Allerdings unterschieden sich die Inszenierungen in ihrer Präsentation von denen der Harlekine. "Wir sind Burattino für den Einsatz sehr dankbar. Bei dem Ensemble handelt es sich aber um ein Tourneetheater, dessen Bühnenbilder und Ausstattung eher etwas schlicht ausgefallen sind. Das ist bedingt durch den Charakter des Ensembles. Die Harlekine verfügen im Haus über einen breiten Fundus an Ausstattungsgegenständen und auch Kleidung. Was fehlte, wurde vom Theater Plauen/Zwickau ausgeliehen", sagt Ferstl.

Doch auch in diesem Jahr müssen die Crimmitschauer nicht auf ihr Weihnachtsmärchen verzichten. Den Part übernimmt im Dezember das Ensemble der Fairytale Factory (Märchenfabrik) Halle. Das Team gastiert am 10. und 11. Dezember mit dem Märchen-Musical "Der kleine Muck" in Crimmitschau. "Das ist eine ganz neue Form. Wir werden sehen, wie das bei den Besuchern ankommt", sagt der künstlerische Leiter des Theaters.

Geht es nach Tilo Ferstl, so soll es künftig wieder ein Ensemble in der Stadt geben, das an die Traditionen der Harlekine anknüpft. "Ein erster Schritt dazu ist bereits getan. Wir haben seit Anfang des Jahres wieder eine kleine Truppe im Haus, die sich unter fachlicher Anleitung von Tilo Nöbel und von Annegret Thalwitzer mit dem Thema Theater befasst und sich jeweils montags trifft. Dafür werden noch Interessenten gesucht, die sich bei uns melden können", sagt Tilo Ferstl.

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