Hartz IV: Knapp 80 Prozent finden neuen Job

Gesundheitliche Probleme verhindern bei vielen Langzeitarbeitslosen den Wiedereinstieg in einen Job. Beim Familien- und Gesundheitstag bot das Jobcenter Zwickau Unterstützung. an.

Zwickau/Werdau.

Jobs zu finden, scheint derzeit gar nicht so schwer zu sein. Gleich nach dem Eingang ins Jobcenter werden Arbeitsplätze angeboten: Erzieherin in Werdau beispielsweise, Verkäuferin in Zwickau, Hausdame in einem familiengeführten Hotel zwischen Erzgebirgsvorland und Vogtland oder Friseurin in Hohenstein-Ernstthal. Voraussetzung für diese Jobs ist allerdings eine gute Gesundheit. Doch damit haben offenbar viele Kunden des Jobcenters Probleme. Katrin beispielsweise. Die junge Frau heißt nicht wirklich so, doch ihre Situa- tion entspricht der vieler Hartz-IV-Empfänger.

Als gelernte Verkäuferin hatte sie rasch Rückenschmerzen, die sich im Lauf der Jahre verstärkten. Durch eine lange Arbeitslosigkeit kann sie zudem Stress nicht mehr so gut verarbeiten und befindet sich deshalb in einer Therapie. Auf jeden Fall aber will sie arbeiten und Geld verdienen. Jetzt erhält sie 460 Euro vom Amt. Nach einer einjährigen Ausbildung zur Yogalehrerin hat sie nach eigener Aussage schon jetzt eine feste Anstellung in Zwickau in Aussicht.

Damit sie in wenigen Tagen damit beginnen kann, fehlt noch ein vom Jobcenter ausgestellter Bildungsgutschein. "Mir werden Steine in den Weg gelegt", sagt die 31-Jährige. Die Mitarbeiterinnen des Jobcenters wollen das so auf den ersten Blick nicht bestätigen, sind mit dem konkreten Fall aber auch nicht vertraut. Die gesundheitliche Eignung für eine Weiterbildung und einen neuen Job sei auf jeden Fall Voraussetzung für den Bildungsgutschein. Sie wissen jedoch, dass es beim Einstieg in den Job nach langer Arbeitslosigkeit verschiedene Probleme geben kann. "Arbeitslosigkeit ist ein Gesundheitsrisiko, und gesundheitliche Einschränkungen erschweren die Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt", sagt Nadine Friedemann, stellvertretende Bereichsleiterin Markt und Integration.

So fällt es beispielsweise schwer, früh aufzustehen und einen strukturierten Tag zu beginnen. Das Selbstvertrauen ist gering, das Stresslevel steigt dementsprechend schnell sehr hoch, kleine Probleme werden zu unüberwindbaren Hürden für die Betroffenen. Oft- mals gibt es zudem familiäre Probleme. "Auf Jobangebote werden unsere Mitarbeiter oft umgehend mit starken Beschwerden oder Krankheiten konfrontiert, die den in Aussicht gestellten Job un- möglich machen", sagt Dana Kießling, Beauftragte für Chancen- gleichheit im Jobcenter. Mit solchen Verhaltensmustern kommen nicht nur Erwachsene, sondern auch Jugendliche. Oftmals seien Eltern bereits langjährige Hartz-IV-Bezieher und kein Vorbild für den Nachwuchs.

Deshalb bietet das Jobcenter Kurse für Motivation, Stressbewältigung oder gesunde Ernährung als Unterstützung an. Die Teilnahme ist freiwillig. Viele Angebote dazu gab es auch zum Familien- und Gesundheitstag am Mittwoch. Dazu wurden etwa 800 Einladungen an Hartz-IV-Empfänger verschickt. Sie konnten unter anderem einen Körperanalyse-Check und Sehtest absolvieren, sich von Experten zu familiären Krisen beraten lassen und über die Rechte als Verbraucher informieren. Die vielfältige Förderung zeigt Wirkung: Knapp 80 Prozent der Jobcenter-Kunden kommen in den ersten Arbeitsmarkt. Sie können auch danach von der neu geschaffenen Abteilung Nachbetreuung unterstützt werden.


Arbeitsmarktbilanz

In der Region Zwickau waren Ende Juli 7906 Menschen arbeitslos - 52,6 Prozent Männer und 47,4 Prozent Frauen.

Für über 55-Jährige ist es oft schwierig, einen Job zu finden. Ihr Anteil beträgt 29,7 Prozent. Mehr als ein Jahr ohne Job und damit Langzeitarbeitslose sind davon 36,6 Prozent.

15.767 Menschen haben sich bei der Agentur als arbeitssuchend gemeldet.

Ihnen stehen 2453 freie Stellen gegenüber. Allein im Juli waren 681 Arbeitsplätze dazugekommen. Insgesamt wurden von den Arbeitgebern in diesem Jahr 4621 Arbeitsangebote an die Agentur gemeldet.

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