Idee: Stadtarchiv statt Schocken

Die SPD denkt laut über eine Umgestaltung in der Innenstadt nach. Dazu müsste Zwickau aber viel Geld in die Hand nehmen.

Zwickau.

Geht es nach Jens Heinzig, dann sollte die Stadt zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Mindestens. "Ich könnte mir vorstellen, dass wir das Schocken-Kaufhaus kaufen und abreißen. An die Stelle könnten wir dann das neue Stadtarchiv bauen", sagte jetzt der Vorsitzende der SPD-Fraktion im Stadtrat.

Beides käme dem Stadtbild zugute: Die offenbar unverkäufliche Immobilie würde verschwinden, und das dringend benötigte Archiv würde doch endlich gebaut. Denn das Vorhaben - eigentlich angesiedelt in der Nähe des August-Horch-Museusems - wurde mangels Geld zurückgestellt. Nun holt die SPD es wieder hervor. Heinzig steht mit seiner Ansicht nicht allein da. Landtagsabgeordneter und Fraktionskollege Mario Pecher findet die Idee auch gut. Er sagt: "Wenn man das Erbe der Familie Schocken respektiert, kann man doch über alles reden."

Zuerst jedoch müsste man über Geld reden -und zwar mit dem Stadtrat, denn der entscheidet letztlich über solche Ausgaben. Für einen symbolischen Euro, das bestätigt Wirtschaftsförderin Sandra Hempel, geht der Bau mit Sicherheit nicht weg. Ohne eine Summe zu nennen, machte sie deutlich, dass sich die Erben vom Verkauf noch einiges erwarten. Auch was einen Abriss angeht, teilt sie den Optimismus der Sozialdemokraten nicht. "Kaufen wäre eine Möglichkeit, Abriss eher nicht. Unter anderem die Fassade ist denkmalgeschützt." Während Pecher auf eine Auskunft setzt, nach der man die Bausubstanz vor dem Abriss nur ordentlich dokumentieren müsse, ist Hempel da skeptisch. Vorstellbar ist für sie allenfalls, das Gebäude zu entkernen, sodass fast nur die Fassade erhalten bleibt. Beim Rathaus hat das auch funktioniert - war aber keine billige Lösung.

Fest steht, dass das Schocken-Gebäude im derzeitigen Zustand nicht als Archiv geeignet ist: So viel Gewicht hält die Bausubstanz nicht aus. "Das wurde bereits geprüft, als die Stadt nach einem geeigneten Standort für ihr Archiv gesucht hat", sagt Hempel. Den Vorzug bekam damals eine Fläche in Pölbitz, auf der ein ganz neues Gebäude entstehen sollte.

Stünde das Archiv mitten in der Stadt, käme auch wieder Leben in einen bislang toten Punkt. Allerdings dürften dann nicht nur Papiere in dem Neubau untergebracht sein. Heinzig hält es für denkbar, dass in den unteren Etagen Geschäfte einziehen, während das Archiv weiter oben eine Heimstatt findet. Um dies zu finanzieren, hält Pecher ein Modell für sinnvoll, wie es die Stadt auch schon beim Bau der Stadthalle praktiziert hat: "Dann brauchen wir einen Investor, der das Archiv baut." Die Stadt würde sich dann in dem Gebäude einmieten und damit dafür sorgen, dass es zu einem Teil ausgelastet ist.

Das könnte, da sind sich Heinzig und Pecher einig, nicht nur ein derzeit weitgehend leer stehendes Gebäude mit Leben füllen, sondern sich auch positiv auf die gesamte Innenstadt auswirken. "Wir müssen davon wegkommen, alles zu Tode zu prüfen", sagt Pecher und möchte gern Taten sehen. "Dann können wir auch darauf hoffen, dass das eine das andere nach sich zieht."

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