IFA-Treffen: Macher legt letzten Gang ein

Oldtimerfans aus ganz Deutschland geben sich seit Freitag in Werdau ein Stelldichein. Für den Gründer und Cheforganisator ist es das letzte IFA-Treffen. Er geht in wenigen Monaten in Rente.

Werdau.

Hans-Jürgen Beier macht es sich in einer der Holzhütten auf dem Festgelände des IFA-Oldtimertreffens gemütlich und genießt für wenige Augenblicke die Ruhe vor dem Trubel, der rund um ihn auf der Westtrasse herrscht. "Jetzt läuft alles", sagt der Organisator der Großveranstaltung. Doch da klingelt auch schon wieder das Handy. Ein Aussteller, der mit seinem Oldtimer unangemeldet angereist ist, benötigt für sein Fahrzeug noch eine Startnummer und einen Stellplatz. Für Hans-Jürgen Beier keine Überraschung. "Da ist jedes Jahr so."

Er verlässt seinen Rückzugsort, dreht eine Runde über das Gelände und grüßt die Aussteller. Man kennt sich. Die meisten Gäste sitzen gemütlich bei einem Bier zusammen, winken kurz und genießen das Flair. Das Ganze wirkt wie ein Familientreffen. Beier ist zufrieden und denkt zurück an die Anfänge. "Wir hatten 1998 im Museum eine Ausstellung zum Jubiläum 100 Jahre industrieller Fahrzeugbau in Werdau organisiert. Dabei entstand die Idee, die Schau durch ein paar Oldtimer aus Werdauer Produktion zu bereichern", blickt Beier zurück. Das sich damals 78 Oldtimerfreunde mit ihren historischen Fahrzeugen nach Werdau begaben, überraschte Beier. Zur Schau gestellt wurden die H 6, S 4000 und G 5 auf dem ehemaligen Gelände des Kfz-Werkes. "Das Betriebsgelände war 1998 noch in weiten Teilen vorhanden und machte die Schau zu etwas Besonderem. Noch einmal kehrten die Fahrzeuge an den Ort zurück, an dem sie einst produziert wurden. So etwas gab es sonst nirgendwo", sagt Beier.


Die Idee kam bestens an. Ein Großteil der Aussteller wünschte sich eine Fortsetzung. "So entstand das IFA-Oldtimertreffen." Zehn Jahre lang gaben sich alljährlich am ersten Mai-Wochenende auf dem Gelände des Kfz-Werkes die Oldtimerfreunde ein Stelldichein. Die Zahl der Teilnehmer wuchs von Jahr zu Jahr, ebenso die Zahl der Besucher. "2007 waren schon etliche Gebäude des Kfz-Werkes abgerissen und auf dem ehemaligen Betriebsgelände mit dem Bau der Westtrasse begonnen worden. Wir mussten nach einer Ersatzfläche Ausschau halten."

Gefunden wurde die Ersatzfläche im Gewerbegebiet Steinpleis. Was gut gedacht war, erwies sich 2008 als Reinfall. "An dem Wochenende regnete es wie aus Kannen. Etliche Fahrzeuge versanken im schlammigen Boden. Andere Teilnehmer mussten wir auf den Parkplatz des heutigen Kauflandes in Steinpleis schicken. Es war für alle Beteiligten eine Katastrophe", erinnert sich Beier. Die Folge: Verärgerte Aussteller, enttäuschte Besucher. Was tun? Mit der Veranstaltung aufhören? Die benötigte Ausstellungsfläche von zwei Hektar in dem Gewerbegebiet zu befestigen, hätte einen sechsstelligen Geldbetrag gekostet. Den für eine einmal im Jahr stattfindende dreitätige Veranstaltung auszugeben, war die Kommune nicht bereit.

Also kehrte das IFA-Oldtimertreffen 2009 wieder an den alten Standort zurück. "Wir hatten damals Glück. Die Westtrasse auf Werdauer Flur, von der ein Teilstück durch das Gelände des ehemaligen Kfz-Werkes verlief, war fertig, aber noch nicht freigegeben. "Für uns waren das beste Bedingungen. Wir hatten ausreichend Platz", blickt Beier zurück. Doch im ersten Jahr nach der Rückkehr auf die Westtrasse blieb ein Großteil der Aussteller fern, ebenso gingen die Besucherzahlen zurück. "Die Erinnerungen an den Flop in Steinpleis hatten viele Oldtimertreffen noch nicht verkraftet." In den Folgejahren gingen die Zahlen wieder nach oben, mauserte sich das IFA-Oldtimertreffen zur größten Veranstaltung seiner Art in ganz Deutschland. Doch auch in den Jahren nach der Rückkehr der Veranstaltung auf die Westtrasse stand die Zukunft mehrfach auf der Kippe. Auslöser waren Querelen zwischen der Stadt als Veranstalter und dem Wirtschaftsministerium in Dresden, in dessen Zuständigkeit die Staatsstraße fällt. Die Behörde forderte die Stadt auf, eine Ersatzfläche zu suchen. Dafür gewährte das Ministerium eine Schonfrist von fünf Jahren. "Die Ungewissheit war schrecklich. Keiner wusste, was im darauffolgenden Jahr sein wird", sagt Beier. Aussteller und Besucher schrieben an den Landtag eine Petition und erhielten Unterstützung von mehreren Landtagsabgeordneten. Im Vorjahr lenkte das Ministerium ein. Die Stadt darf die Westtrasse weiterhin als Veranstaltungsort für das Treffen nutzen. "Das gibt uns nun Planungssicherheit für die nächsten Jahre", sagt Beier.

Für ihn ist das 22. IFA-Oldtimertreffen jedoch das letzte. Beier geht im kommenden Frühjahr in Pension, kurz vor der 23. Auflage der Veranstaltung. Wer die organisieren wird, ist derzeit noch unklar. "Ich denke, das wird mein Nachfolger machen", sagt Beier. Der steht allerdings noch nicht fest. "Das ist momentan auch nicht so wichtig. Viel wichtiger ist, dass das Oldtimertreffen weiter geht. Es ist die beste Werbung für die Stadt" sagt Beier. Dass er dazu einen Betrag geleistet hat, freut ihn. "Aber das war ich nicht allein, sondern ein ganzes Team und etliche Helfer", sagt Beier bescheiden.

Da klingelt auch schon wieder das Telefon. Dieses Mal geht er ran und verschwindet im Getümmel auf dem Festgelände. Noch hat er keine Zeit, über seinen Abschied nachzudenken. Die Veranstaltung dauert noch bis Sonntag und klingt erst 13 Uhr mit dem Korso aus. Danach beginnt das große Aufräumen. Am Montag wird Hans-Jürgen Beier der Alltag wieder einholen. Im Museum, seinem eigentlichen Arbeitsplatz, warten die nächsten Aufgaben auf ihn.

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