Im Landkreis Zwickau fehlen rund 600 Bewerber

Mehr als tausend junge Leute haben vergangene Woche in der Region Zwickau ihre Berufsausbildung begonnen. Viele von ihnen sind jedoch nicht gut vorbereitet.

Im Landkreis Zwickau fehlen rund 600 Bewerber

Für Sie berichtet: Ramona Nagel

Von 1620 Bewerbern haben zum Beginn des neuen Ausbildungsjahres 1193 eine Lehre begonnen. Bei der IHK wurden dabei mehr als 700 neue Lehrverträge unterzeichnet. Das sind zwar 22 weniger als im Vorjahreszeitraum. Doch Gabriele Hecker, IHK-Geschäftsführerin für Aus- und Weiterbildung, sieht das nur als Momentaufnahme. Nach wie vor können sich die jungen Frauen und Männer bewerben.

Die große Abrechnung folgt zum 30. September. "Wir sind optimistisch, dass wir das Vorjahresergebnis erreichen", meint Hecker. Laut Bundesagentur für Arbeit gibt es im Bereich Zwickau noch mehr als 600 freie Stellen. Auf jeden Bewerber kommen damit rechnerisch 1,5 Stellen. Einige Unternehmen werden ihre Stellen jedoch nicht besetzen können. "Im ländlichen Raum gibt es so gut wie keine Bewerber." Zudem gehen Lehrlinge zunehmend unmotiviert in die Ausbildung. "Trotz Berufsvorbereitung wissen Berufsanfänger oft nur sehr wenig über ihren Ausbildungsberuf. Das ist traurig, denn es wird sehr viel für die Jugend gemacht", meint Hecker.

Wer dann nach einiger Zeit feststellt, dass der gewählte Beruf nicht der richtige ist, bricht die Lehre ab. Bundesweit wird von etwa 25 Prozent gesprochen, bei der IHK Chemnitz sind es elf Prozent. Sie wechseln zumeist in einen anderen Beruf und gehen der dualen Berufsausbildung nicht verloren. Für die Unternehmen ist es im laufenden Berufs- und Ausbildungsjahr allerdings schwierig, einen neuen Lehrling zu finden.

Bei der Handwerkskammer beginnen in der Region Zwickau mehr als 300 Lehrlinge ihre Ausbildung. Nach einer Zeit mit jährlich immer weniger Lehrverträgen gibt es im gesamten Kammerbezirk nun im vierten Jahr in Folge wieder mehr Berufsanfänger. Der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Chemnitz, Martin Winkelströter, nennt dafür einen Grund: "Die Betriebe und auch die Kammer haben ihre Aktivitäten noch einmal verstärkt und werben intensiv in den Schulen."

Anfangs nur auf Mittelschulen fokussiert, werden mittlerweile auch Gymnasien einbezogen. Die Handwerkskammer bietet Gymnasiasten sogar eine spezielle Berufs- und Karrierechance, die junge Leute dauerhaft im Handwerk halten soll. Denn der Trend nach höheren Bildungsabschlüssen ist nach wie vor ungebrochen. Mehr als die Hälfte aller Schüler und Schülerinnen macht Abitur. Damit ist aber oftmals ein Automatismus verbunden, danach studieren zu müssen. Den wollen die Handwerker mit ihren Angeboten durchbrechen.

Kommentar: Neue Freiheit

Die Situation auf dem Ausbildungsmarkt hat sich gedreht. Lange Zeit konnten sich die Unternehmen die besten Bewerber aussuchen. Jetzt suchen sich die Schulabgänger die Firmen mit den besten Konditionen und Entwicklungschancen aus. Und sie stellen Ansprüche. Das ist Marktwirtschaft und kein Grund zum Jammern. Leider wird dabei auch deutlich, dass es den jungen Leuten an Motivation mangelt.

Anders als ihre Eltern haben sie durch Praktika viele Möglichkeiten, sich auszuprobieren. Eine Flut von Informationen im Internet bringt zudem Berufe, Betriebe und Chancen näher. Viele sind dennoch unvorbereitet. Notfalls gibt es nach einem Jahr einen neuen Anlauf. Das ist eine neue Freiheit, die den Unternehmen schadet. Sie verlieren Zeit und im schlimmsten Fall Konkurrenzfähigkeit. Die Arbeitsbedingungen weiter zu verbessern, ist ihre einzige Chance.

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