Im Schloss öffnet Käseschule

Der Mitteldeutsche Käse- und Spezialitätenmarkt lockte am Wochenende Tausende in das Landwirtschaftsmuseum. Wer wollte, konnte seinen eigenen Käse herstellen. Ein "Freie Presse"-Redakteur hat es probiert.

Blankenhain.

Peer Salden kennt sich mit Käse aus. Gemeinsam mit seiner Frau betreibt der Vogtländer in Berga beruflich eine Schafskäserei. Seine Produkte wurden schon mehrfach ausgezeichnet, so unter anderem 2009 als "Bester deutscher Schafschnittkäse". Auf seinem Hof befindet sich auch eine Käseschule. In der vermittelt Salden an Interessenten sein Wissen. Am Wochenende gehörte der 35-Jährige zu den Teilnehmern des Mitteldeutschen Käsemarktes auf Schloss Blankenhain und öffnete dort für zwei Tage eine "Außenstelle" seiner Käseschule.

"Wir stellen heute einen Frischkäse aus Kuhmilch mit Kräutern her", erläuterte er den Kursteilnehmern, zu dem auch ich gehörte. 45 Minuten sollte das Ganze dauern. Ist das zu schaffen? Klar, sagt der "Lehrer". Er hat dabei ein bisschen gemogelt, um den Herstellungsprozess zu beschleunigen. "Die Rohmilch, die wir für den Käse benötigen, habe ich schon gestern von einem Bio-Bauernhof besorgt und bereits in einem großen Topf auf 32 Grad erhitzt", sagte der Experte. Nach den einführenden Worten erhielt jedes teilnehmende Paar die benötigten Utensilien und 1,5 Liter Milch in einen Topf. "Das reicht für jeweils zwei kleine Käse", versprach Peer Salden. Anschließend fügte jeder Schüler mit Hilfe einer Spritze 20 Milliliter verdünnte Milchsäurebakterien hinzu. "Dabei kräftig rühren", lautete die klare Ansage. Es folgte auf die gleiche Weise noch die Zugabe von Lab. Das ganze Gemisch wurde dann auf 40 Grad erhitzt. "Rühren nicht vergessen." Doch was ist Lab und welche Funktion hat es? Das wollte ich vom Experten wissen. "Tierisches Lab ist ein Gemisch aus verschiedenen Enzymen, das natürlicherweise in der Magenschleimhaut junger Kälber und anderer Wiederkäuer vorkommt. Die speziellen Enzyme spalten das Milcheiweiß, sodass die Milch eindickt", erklärte Salden. Für mich eine neue Erkenntnis. Der Inhalt in meinem Topf wurde langsam zu einem festen Brei und erinnerte mich ein bisschen an Pudding oder Joghurt. "Den Prozess nennt man Vorkäsen." Wieder etwas gelernt!

Die nächste Aufgabe: Den Inhalt im Topf mit einem Messer längs und quer schneiden, sodass kleine Würfel entstehen. Peer Salden bezeichnete es als Käsebruch. Das Ganze vorsichtig rühren. "Es entstehen dabei kleine Klümpchen, und die Molke setzt sich ab." Ich rühre und rühre. Der Inhalt im Topf macht keinen appetitlichen Eindruck. Aber irgendwie lässt sich der Käse erahnen. "Jetzt füllen wir den Inhalt in die kleinen Formen", sagte Peer Salden. Die zur Verfügung gestellten Herzformen sehen aus wie ein Sieb. Die Molke fließt durch die Löcher. Die Masse wird mit einem Löffel festgedrückt. "Noch auf beiden Seiten Salz drauf und Kräuter, dann ist der Käse fertig." Lecker sieht er aus. Ob er auch schmeckt? Das Ergebnis der Probe: Köstlich! Experiment gelungen. Stolz verpacke ich meinen kleinen Käse in einer Dose, die Peer Salden jeden Teilnehmer kostenlos zur Verfügung stellt. "Den Käse möglichst noch heute verspeisen" gibt der Experte seinen "Schülern" als Tipp mit auf den Weg. Ein Teilnehmer wollte zum Schluss noch wissen, wo man Lab oder Milchsäurebakterien beziehungsweise die benötigten Utensilien erhält. "Das gibt es alles im Internet", so der Experte.

Mein Fazit: Es hat Spaß gemacht und ist auch nicht schwer. Dennoch werde ich meinen nächsten Käse wieder im Supermarkt oder beim Fachhändler kaufen.


"Unsererseits steht einer Fortsetzung des Käsemarktes 2020 nichts im Wege"

Der Käsemarkt ist ein Bestandteil des Angebotes im Landwirtschaftsmuseum. Mit dem Chef des Hauses, Jürgen Knauss, sprach Uwe Mühlhausen.

Freie Presse: Sind Sie mit der Resonanz zufrieden?

Jürgen Knauss: Vollauf. An beiden Tagen war das Haus bestens besucht. Ich denke, dass auch die Händler ihre Teilnahme nicht bereut haben. Das Wetter war ideal.

Wird es 2020 wieder einen Käsemarkt im Museum geben?

Die Veranstaltung wird nicht von uns organisiert, sondern von der Agentur Markt-Wert aus Zickra. Mit der arbeiten wir schon viele Jahre sehr gut zusammen. Unsererseits steht einer Fortsetzung nichts im Wege.

War der Käsemarkt die letzte Veranstaltung in diesem Jahr?

Nein. Wir haben am 13. Oktober noch einen Aktionstag auf dem Bauernhof im Programm. Das Motto lautet: Buttern, Backen und Fassdauben schaukeln. Geplant sind dabei auch verschiedene Mitmach-Aktionen.

Wann endet die Saison im Freilichtmuseum?

Bis zum 15. Oktober haben wir noch täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Ab 16. Oktober entfällt der Montag als Öffnungstag, und das Haus schließt bereits 17 Uhr. Vom 16. November bis 15. Dezember öffnen wir nach Voranmeldung für Gruppen.

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