"In Deutschland gibt es rund 6000 Apfelsorten"

Pomologe Kai Geringswald zu seinem Hobby, der Vielfalt und den Lieblingssorten

Langenbernsdorf.

In der Fruchtsaftkelterei Mehlhorn können Interessenten am Samstag ihre Apfelsorten kostenlos bestimmen lassen. Dazu hat sich das Familienunternehmen einen Experten eingeladen. Mit ihm unterhielt sich vorab Uwe Mühlhausen.

Freie Presse: Herr Geringswald, was macht ein Pomologe?

Kai Geringswald: Ein Pomologe ist ins Deutsche übersetzt ein Obstsortenkundler. Der Name kommt aus dem Lateinischen und leitet sich von Pomum, was so viel wie Baumfrucht heißt, ab.

Wie wird man Pomologe? Ist das ein erlernbarer Beruf?

Nein, erlernbar im klassischen Sinne ist das nicht. Dazu gehören Erfahrungen auf dem Gebiet. Ich habe mit 16 Jahren damit angefangen. Mein Opa hatte im Garten Äpfel, und ich wollte mehr darüber wissen. Wo kommen die Sorten her, wie heißen die? So fing alles an. Jetzt übe ich das Hobby eines Pomologen seit mehr als 25 Jahren aus.

Sind Sie Einzelkämpfer oder in einem Verein organisiert?

Es gibt einen deutschlandweiten Verein, der in Sachsen auch eine Landesgruppe hat und rund 50 Mitglieder zählt. Allerdings gibt es in Sachsen nur fünf Pomologen, die auch Apfelsorten bestimmen können. Es gibt zu dem Thema inzwischen aber auch eine Menge Literatur oder Informationen im Internet.

Wie viele Sorten kennen Sie?

Ich kenne 150 Sorten, bei weiteren 400 muss ich nachlesen.

Wie viele Apfelsorten gibt es?

In Deutschland sind es rund 6000, die regional sehr unterschiedlich vorkommen. Das hängt mit den Böden und der Witterung zusammen. Weltweit gibt es rund 20.000 Apfelsorten.

Haben Sie selbst einen Garten?

Ja, der grenzt an unser Haus in Niederdorf an. Dort gedeihen rund 60 Sorten, durch Veredlung teilweise mehrere an einem Baum. Durchschnittlich 40 Sorten kann ich jedes Jahr ernten. In diesem Jahr sind es nur 15, bedingt durch die Witterung. Im Erzgebirge ist das Klima ziemlich rau. Hinzu kommt, dass die Blüten im April Frost abbekommen haben.

Haben Sie auch eine Lieblingssorte?

In Deutschland ist der Elstar die gefragteste Sorte. Ich selbst mag Prinzessin Luise. Die Sorte ist süßsäuerlich, saftig und hat ein feines Aroma. Aber auch Pinova schmeckt lecker.

Was sollten die Interessenten am Samstag mitbringen, wenn Sie ihre Apfelsorte bestimmen lassen wollen?

Zwei, drei Äpfel pro Sorte wären gut. Dann ein paar Informationen, wo der Baum steht und Hinweise zur Bodenbeschaffenheit. Wir geben auch Tipps zum Obstbaumverschnitt oder zur Veredelung.

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