In hölzernen Kästen ging es ins Wasser

Das Crimmitschauer Sahnbad gehört zu den ältesten Bädern Deutschlands. Vor 150 Jahren wurden es eröffnet.

Crimmitschau.

Der Sahn ist ein bewaldetes westliches Nebental der Pleißenaue, dessen Name nichts mit der beliebten Sahne zu tun hat, sondern aus dem slawischen Wort sanowa abgeleitet wird und so viel wie heureich oder grasreich bedeutet. Durch den Sahnwald fließt ein kleines Gewässer, der Sahnbach. Das Wasser machten sich die Menschen schon in früher Zeit zunutze, denn am Ausgang des Sahnwaldes stand eine Mühle, dort wo sich jetzt das Textilmuseum befindet.

In dem versumpften Tal legte man Teiche an, die einmal der Fischzucht dienten und zum anderen der Mühle in der trockenen Jahreszeit Wasser liefern sollten. Zu diesem Zweck baute man einen Stau mit einem Wehr, damit mittels eines Mühlgrabens das Wasser in die etwa 300 Meter entfernte Mühle geleitet wurde und das Mühlrad antrieb. Um 1865 begann man, den Sahnwald zu erschließen.


In diesen Sahnwald zog damals, anfangs zögerlich, ein neues, anderes Leben ein. Menschen wagten sich in das Wasser des unteren Mühlenteiches und versuchten sich sogar mit Bewegungen, die sie den Fröschen abgeschaut hatten, über Wasser zu halten. Das war schon bedenklich, und die Obrigkeit warf argwöhnisch ein Auge darauf, hatten sich doch diese eigenartigen Leute bis auf ihre Unterwäsche entkleidet und man konnte ungeniert die Konturen ihrer Figur erblicken. Da musste natürlich streng darauf geachtet werden, dass nicht etwa Männlein und Weiblein zusammen ..., nein, das war unmöglich, das durfte nicht sein.

Aber die Zeit war nicht mehr aufzuhalten, und der Samen der revolutionären Bewegung von 1848 begann auch hier auf diesem Gebiet zu keimen und sollte bald Früchte tragen. In Deutschland entstanden nach dem Vorbild von Turnvater Friedrich Ludwig Jahn bürgerliche Turnvereine, die neben Leibesübungen die Bewegung im Freien und im Wasser anstrebten. Die Spaziergänger beobachteten teils mit Skepsis, teils mit Neugier und Interesse das immer stärker werdende Treiben am Badeteich, wie der Mühlenteich mittlerweile genannt wurde. So blieb es nicht aus, dass sich einige mutige Männer, an der Spitze der Bürger Fritz Sonntag, zusammenfanden, mit dem Ziel, eine Männerbadeanstalt zu bauen. Mut gehörte schon dazu, denn dieses Vorhaben dürfte bald das Thema der Kaffeekränzchen der Damen und der sittsamen Gesellschaft gewesen sein.

Am 3. März 1869 bildete sich ein Ausschuss, und dieser Tag kann als das Gründungsdatum des späteren Sahnbades angesehen werden. Durch Verkauf von Anteilen (Aktien) wurde das Baukapital aufgebracht, durch unermüdliche Verhandlungen die erforderlichen Genehmigungen eingeholt und schon am 28. Juni des gleichen Jahres konnte nach Plänen des damaligen Stadtbauinspektors Rudolph, der Baumeister Thomas mit dem Bau beginnen. Damit gehört das Sahnbad zu den ältesten Bädern Deutschlands. Von dieser alten Männerbadeanstalt ist nichts mehr erhalten. Sie stand im Südostteil des Bades. Die Gebäude waren im damaligen Stil aus Holz gebaut und das Badgelände mit Bretterplanken gegen neugierige Blicke abgeschirmt.

Das Schwimmen galt damals noch als eine Kunst, die nur wenige beherrschten, deshalb hatte man für die Nichtschwimmer eine Vorrichtung geschaffen. In den Beckenboden waren Holzpfähle getrieben, und an denen hingen an Ketten hölzerne Kästen, die mittels Gewichten unter Wasser gehalten wurden. So war es möglich, im Teich gefahrlos zu baden, und ohne den Schlamm auf dem Grund aufzuwirbeln. Über die weitere Beschaffenheit dieser Männerbadeanstalt ist nichts mehr bekannt. Die Badeanstalt wurde im Sommer rege genutzt und erfreute sich großer Beliebtheit, deshalb wundert es nicht, wenn die Frauen bald nachdrängten.

Auf Anregung des Crimmitschauer Fabrikanten Otto Grimm bildete sich am 13. Februar 1887 ein Komitee zur Errichtung einer Frauenbadeanstalt. Die Behörden gaben dazu, wenn auch mit geteilter Auffassung, die Genehmigungen. Das Datum der Eröffnung ist nicht bekannt, jedoch dürfte sie im selben Jahr erfolgt sein. Schon 1890 wurde die Frauenbadeanstalt ausgebaut und erweitert. Sie befand sich entgegengesetzt des Männerbades am nordwestlichen Teil des Teiches, etwa 100 Meter entfernt. Die Bauten waren ebenfalls aus Holz errichtet und selbstverständlich mit hohen Bretterplanken umgeben, galt es doch hier ganz besonders, die leicht bekleideten Frauenkörper vor den lüsternen Blicken der Männerwelt zu verbergen. Dass das Personal nur aus Frauen bestehen durfte, versteht sich wohl von selbst.

Nach Auflösung der Aktiengesellschaft, die nie Dividende auszahlte, gingen beide Einrichtungen im Jahre 1922 in den Besitz der Stadt Crimmitschau über. Damit waren auch Mittel für Erweiterungen der Einrichtung vorhanden. Eines Tages brannte ein Teil der Frauenbadeanstalt ab. Ob von bösen Buben gewollt oder ob Zufall, ist nie geklärt worden. Doch das war endlich der Anlass, dass die Bretterplanken fielen und ein neuer Abschnitt begann; das gemeinsame Badevergnügen beider Geschlechter.

Wie bereits erwähnt: Seit 1922 in städtischem Besitz, wurde das Bad ständig ausgebaut und verschönert. Nach Abschluss dieser Maßnahmen, im Jahre 1928, setzte das Crimmitschauer Sahnbad Maßstäbe, die weit über die Grenzen hinaus ihresgleichen suchten. Die Becken speiste man ausschließlich mit dem Wasser des Sahnbaches, bis das Bad 1932 an die Talsperrenleitung der Kober angeschlossen wurde. Das Sahnbad galt in dieser Zeit als das größte und schönste Bad im westsächsischen Raum.


Große Fete zum Sahnbad-Jubiläum steigt am 22. und 23. Juni

Das Badfest steigt am 22. und 23. Juni. Den Auftakt bildet am Samstag der DRK-Junior Cup von 8 bis 14 Uhr, der sich an mehreren Stationen im gesamten Sahnpark dem Thema Erste Hilfe widmet. Von 12 bis 17 Uhr lädt das Textilmuseum Gebr. Pfau zum kreativen Batikdruck und zu Führungen durch das Museum ein. Sportfreunde kommen ab 9 Uhr zum Inlineturnier im Kunsteisstadion auf ihre Kosten.

Die Vorführung eines historischen Filmes zur 150-jährigen Geschichte der Einrichtung findet im Sahnbad statt. Am Nachmittag sind mehrere Schwimmwettkämpfe im großen Becken geplant. Ab 18 Uhr lädt ein DJ zum Tanzen ein. Als besonderes Highlight steht ab 21.30 Uhr das Sommerkino auf dem Programm. Unter freiem Himmel wird die Komödie "Kokowääh" gezeigt.

Der Schiffsmodellsportverein führt am Sonntag, 10.30 Uhr seine Modelle vor. Von 10 bis 16 Uhr werden Kremserfahrten durch den Sahnpark bis zum Textilmuseum Gebr. Pfau sowie von 13 bis 15 Uhr eine E-Bike-Exkursion angeboten. Neben Tauchvorführungen durch den Tauchsportverein ab 11 Uhr im großen Becken, zeigt die Wasserballmannschaft von 13 bis 14 Uhr ihr Können. Wer wissen möchte, was die Wasserwacht alles drauf hat, sollte die Vorführung 14.30 Uhr nicht verpassen. Passend zum Jubiläum werden gegen 15 Uhr Bademodetrends der letzten 150 Jahre bis hin zu aktuellen Modellen präsentiert.

Ab 16 Uhr ist mit dem Besuch von Neptun und seinem Gefolge zu rechnen. Auch am Sonntag sorgt ein DJ mit Discomusik für gute Stimmung.

An beiden Tagen wird es Angebote für Kinder, wie Hüpfburgen, Kinderkarussell und Kinderschminken, geben. Der Eintritt ist frei.

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