In Witwenhaus zieht neues Leben ein

Die Heimatschützer bauen derzeit das Gebäude in ein Bürgerhaus um. Bis Jahresende sollen die Arbeiten im Erdgeschoss abgeschlossen sein.

Frankenhausen.

Noch macht das zum ehemaligen Zisterziensernonnenkloster in Frankenhausen gehörende Witwenhaus optisch keinen einladenden Eindruck, doch spätestens zum Jahresende soll in das Gebäude wieder Leben einziehen. Das an die bereits sanierte und mehr als 600 Jahre alte Klosterschule angrenzende Witwenhaus, welches um 1800 auf alten Fundamenten errichtet wurde, wird derzeit in ein Bürgerhaus umgebaut. Realisiert wird das Vorhaben vom Verein Sächsischer Heimatschutz, dem die beiden Gebäude gehören.

"Die Arbeiten im Inneren des Witwenhauses sind im Rohbau abgeschlossen, jedoch für Außenstehende nicht sichtbar", sagt Vereinschef Lutz Kretzschmar. Das Vorhaben, mit dessen Realisierung bereits vor sechs Jahren begonnen werden sollte, gestaltete sich komplizierter als ursprünglich gedacht. Schuld daran war die Flut 2013. Durch das Hochwasser war die Statik eines Teiles des Witwenhauses aus den Fugen geraten und musste erst wieder hergestellt werden. Drei Zuganker, davon zwei quer und einer längs, geben dem Kreuzgewölbe Halt. Der Ostgiebel musste erneuert werden. Die Folge: Mit dem eigentlichen Projekt Bürgerhaus konnte erst 2017 begonnen werden. Seitdem wurde in einem Teil des Erdgeschosses des Witwenhauses, das zu DDR-Zeiten als Abstellraum für Traktoren genutzt wurde, entkernt und teilweise neue Deckenbalken eingezogen. Der Fußboden im Erdgeschoss der Garage wurde um rund 40 Zentimeter abgetragen, um Barrierefreiheit im gesamten Gebäude herzustellen. Mit dem Absenken des Bodens mussten auch die Fundamente für die notwendigen Stützpfeiler, die das Obergeschoss tragen, erneuert werden.


Von all dem ist nichts mehr zu sehen. Inzwischen sind die meisten Arbeiten in Erdgeschoss, das über eine Nutzfläche von insgesamt 210 Quadratmeter verfügt, abgeschlossen. Zusätzlich eingezogene Trockenbauwände teilen den künftigen Sanitärbereich und die Küche vom Rest der Fläche ab. Der Bürgerraum, mit einer Fläche von rund 138 Quadratmetern, bietet künftig Platz für bis zu maximal 90 Personen. "Genutzt werden soll er sowohl durch die Bürger als auch für vereinsinterne Zwecke, kann aber auch für Familienfeierlichkeiten aller Art gemietet werden", sagt Kretzschmar.

Bis es so weit ist, werden noch einige Monate ins Land ziehen. "In den nächsten Wochen müssen noch die Wände und teilweise die Decke mit Kreuzgewölben verputzt werden. Anschließend erfolgt der Einbau des Fußboden mit Fußbodenheizung. Danach folgen die Fliesenlegerarbeiten in den Wirtschaftsräumen, die Endmontage im Bereich Heizung/Sanitär und abschließend die Malerarbeiten sowie die elektrische Komplettierung", sagt der Vereinschef. Er zeigt sich optimistisch, dass Ende 2019 die Räumlichkeiten genutzt werden können. Die Finanzierung steht. Für den Umbau des Erdgeschosses sind 255.000 Euro eingeplant, von denen der Verein 150.000 Euro aus dem Leader-Programm erhält. Für den Rest müssen die Heimatschützer selbst aufkommen.

Mit dem Umbau des Erdgeschosses sind die Arbeiten jedoch noch nicht abgeschlossen. In Phase zwei soll das Obergeschoss, in dem sich zu DDR-Zeiten schon einmal Wohnungen befanden, in eine Pilgerherberge umgestaltet werden. "Vorgesehen sind vier Doppel- und ein Einzelzimmer mit Sanitärzelle", sagt Kretzschmar. Auch im zweiten Abschnitt soll das Gebäude am Westgiebel, an der sich bis 2007 die zum Kloster gehörende ehemalige Brennerei befand, einen kleinen Anbau erhalten. In das Objekt sollen unter anderem die Technik für die Heizung sowie ein kleines Lager Platz finden. Im 2. Bauabschnitt soll unter anderem auch die Fassade und das Dach erneuert werden damit die Klosterschule und das Witwenhaus optisch eine Einheit bilden. Für die Arbeiten sind noch einmal rund 400.000 Euro erforderlich. Wann mit der Realisierung begonnen wird, macht Kretzschmar abhängig von der erneuten Bereitstellung von Fördermittel. Dabei hofft der Verein wieder auf Unterstützung aus dem Leader-Programm. Ein entsprechender Antrag soll in Kürze gestellt werden.

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