Jeden Tag steht Rechnen auf dem Plan

Ein Werdauer Ingenieurbüro gibt einer jungen Iranerin die Chance für eine Ausbildung zur Bauzeichnerin. Nachdem viele Hürden genommen sind, läuft es ganz gut.

Werdau.

Jeden Tag steht für Batoul Savari Mathematik auf dem Plan. "Rechnen können ist nun mal das A und O in unserem Beruf", sagt Hans-Georg Mittenzwei, Geschäftsführer des gleichnamigen Ingenieurbüros an der Unteren Holzstraße in Werdau. Und da lässt der 53-Jährige keine Luft ran. Auch das Zeichnen von Grundrissen mit der Hand oder dem Computer gehört zum Aufgabenfeld der Auszubildenden aus dem Iran. Im vergangenen Jahr hatte sich Batoul Savari auf eine persönliche Empfehlung eines Bekannten bei der Werdauer Firma vorgestellt, die unter anderem Brandschutzplanung sowie Tragwerks- und Bauplanung für Projekte in ganz Deutschland realisiert . "Wir haben ein dreimonatiges Praktikum vereinbart", sagt der Geschäftsführer.

Und dann ging es erst richtig los. "Keiner wusste so recht, wie es funktioniert, wenn man einen Azubi aus dem Ausland einstellen möchte." Eine große Hilfe beim Überwinden der bürokratischen Hürden sei Karin Müller, Beraterin für berufliche Bildung bei der IHK Chemnitz, gewesen. "Aber auch das Arbeitsamt und das Jobcenter haben mitgezogen", sagt der Ingenieur für Hochbau.

Seit September ist die 36-jährige Iranerin, die seit fast fünf Jahren in Deutschland lebt, nun offiziell Bauzeichner-Lehrling bei dem hiesigen Unternehmen. Sie besucht die Berufsschule in Chemnitz und wird auch dort sehr gut unterstützt. "Die Lehrer fragen mich, ob ich im Unterricht mitkomme und nehmen Rücksicht, wenn ich mal eine Frage nicht gleich auf Anhieb verstehe. Auch die Mitschüler sind alle sehr nett zu mir. Die meisten sind ja wesentlich jünger als ich", freut sich Batoul Savari, die immer Angst hat, dass ihr Deutsch zu schlecht ist. Dabei spricht sie die Sprache schon sehr gut und engagiert sich in ihrer Freizeit auch in der Zwickauer Lutherkirchgemeinde.

Drei Jahre lang dauert die Ausbildung. "Wir werden sehen, was daraus wird", dämpft der Firmenchef etwas die Euphorie über dieses gelungene Beispiel von Integration. Wieso sie unbedingt Bauzeichnerin werden wolle, kann Batoul Savari, die allein in Zwickau lebt, gut auf Deutsch erklären. "Zu sehen, wie ein Gebäude entsteht, ist eine interessante Sache." Was sie an Deutschland schätzt? "Es ist ein Land mit System und großen Zukunftsmöglichkeiten. Hier kann man Erfolg haben, wenn man sich bemüht." Dabei weiß die Iranerin das zehnköpfige Mittenzwei-Team hinter sich. Und wie es der Chef formuliert: "Zimperlich darf man nicht sein. Aus Fehlern, die man selber gemacht hat, lernt man. Und Frau Savari möchte lernen. Sie ist fleißig und hat den Willen, es zu schaffen."

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