Junge Frau findet ihren Traumjob zwischen 30.000 Büchern

In der Stadtbibliothek in Crimmitschau gibt es eine neue Leiterin: Chris Bähr tritt die Nachfolge von Petra Schilling an. Sie fühlt sich zwischen den dicken Wälzern wohl.

Crimmitschau.

Der Duft von frisch geschnittenem Holz und Druckerschwärze ist zu riechen, das Rascheln der Seiten zu hören und der Lesefortschritt durch einen Blick auf das Lesezeichen zu sehen. Dicke Wälzer, die man in die Hand nehmen kann, beleben verschiedene Sinne. Das schätzt Chris Bähr, die lieber in ein herkömmliches Buch als ins Internet schaut. "Ich fühle mich wohl, wenn möglichst viele Bücher um mich herum sind", sagt die 28-Jährige. Sie ist die neue Leiterin der Stadtbibliothek in Crimmitschau. Dort stehen rund 30.000 Medien in den Regalen. Das ist quasi eine Wohlfühloase für Chris Bähr, die in ihrer Freizeit zu Büchern aus verschiedenen Genres greift. Zuletzt hat sie das Buchprojekt "Qualityland" von Marc-Uwe Kling zu Tendenzen der Digitalisierung gelesen. Aktuell liegt ein Liebesroman der amerikanischen Autorin Jessica Bird, die unter dem Pseudonym J.R.Wird schreibt, auf ihrem Tisch. "Ichlese mit Ausnahme von Horrorbüchern eigentlich fast alles", sagt die junge Frau.

Chris Bähr hat ihr Hobby zum Beruf gemacht. Sie stammt aus der Lausitz. In der elften Klasse absolvierte sie ein Praktikum in der Bibliothek in Neugersdorf. Nach dem Abitur folgte die Ausbildung zur Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste in der Bibliothek in Weißwasser. "Ich habe meinen Traumberuf gefunden. Es macht Spaß, über Bücher zu sprechen", sagt Chris Bähr, die sich - der Liebe wegen - für den Umzug von Ost- nach Westsachsen entschieden hat. Seit 2016 arbeitet sie in der Stadtbibliothek in Crimmitschau. Dort war bisher Petra Schilling die Leiterin. Sie ging Ende des vergangenen Jahres in den Ruhestand. Ihre Aufgaben übernahm Chris Bähr, die einschätzt: "Der Wechsel war gut vorbereitet. Petra Schilling gab und gibt mir viele Hinweise, was als Leiterin zu beachten ist."

Auf die Stadtbibliothek in Crimmitschau kommt eine spannende Zeit zu. Und damit wahrscheinlich auch auf Bähr. Die Räumlichkeiten, die momentan im Stadthaus an der Badergasse zur Verfügung stehen, gelten nicht als optimal. Die Gründe: Es geht eng zu. Der Raum, in dem Veranstaltungen stattfinden, wirkt anonym. Deshalb wird schon seit einigen Jahren über Alternativen nachgedacht. Unter anderem steht ein Umzug in das ehemalige Schocken-Kaufhaus, welches saniert werden soll, zur Debatte. Die Weichen dazu müssen im Stadtrat gestellt werden, sagt Oberbürgermeister André Raphael (CDU).

"Ein Umzug wäre reizvoll. Ein größerer Raum, in dem wir Veranstaltungen zwischen den Bücherregalen organisieren könnten, würde neue Möglichkeiten schaffen", sagt Chris Bähr. Erst wenn eine Standort-Entscheidung gefallen ist, soll der Feinschliff am Bibliothekskonzept fortgesetzt werden. "Unser Hauptaugenmerk muss weiter Angeboten für Kinder und Jugendliche gelten", sagt Karin Schiller, die als Fachbereichsleiterin für Kultur, Bildung und Schulen auch die Entwicklung in der Stadtbibliothek im Blick hat. Rund 950 Personen nutzen das Angebot. Knapp ein Drittel davon sind Mädchen und Jungen im Alter von bis zu zwölf Jahren. Mit Vorlesenachmittagen sowie Veranstaltungen für Kindertagesstätten und Grundschulen sollen noch mehr Kinder und Jugendliche für Bücher begeistert werden. Dabei hilft es sicherlich, dass Chris Bähr mit gutem Beispiel vorangeht.


Die bisherige Chefin war seit 1972 in der Stadtbibliothek

Fast ihr gesamtes Berufsleben hat Petra Schilling (Foto) in der Stadtbibliothek in Crimmitschau verbracht. Sie wurde im Dezember 2019 - im Alter von 63 Jahren - in den Ruhestand verabschiedet. Die Crimmitschauerin absolvierte zwischen 1972 und 1975 die Ausbildung zur Bibliotheksfachangestellten. Im Anschluss befand sich für mehr als vier Jahrzehnte ihr Arbeitsplatz in der Bibliothek. Dabei stellte sie auch einen Wandel bei den Wünschen der Leser fest. "Zu DDR-Zeiten waren Fachliteratur und Nachschlagewerke gefragt. Die Informationen gibt es aber mittlerweile im Internet. Heute werden von den Nutzern vor allem Romane und Kinderbücher ausgeliehen", sagt Petra Schilling, die in ihrer Freizeit gern einen Blick in Kriminalromane wirft - unter anderem von Autoren wie Sabine Thiesler oder Sandra Brown.

Bereits im Frühjahr 2018 gab es einen Wechsel auf dem Chefsessel in der Stadtbibliothek an der Holzstraße in Werdau. Dort ging Sabine Petermann, die 26 Jahre als Leiterin verantwortlich war, in den Ruhestand. Ihr Nachfolger ist Philipp Maaß. (hof)

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