Katholiken gründen neue Großpfarrei

Aus zehn mach eins: Mit der Vereinigung reagiert die Kirche auf den Demografiewandel. Für Dekan Böhme ist das bedeutend und spannend zugleich.

Werdau/Zwickau.

Eines weiß Dekan Markus Böhme jetzt schon: "Wir sind die letzte Gemeinde im Bistum Dresden-Meißen, die neu gegründet worden ist. Das wird von außen genau beobachtet, das ist ein historischer Schritt", so der 46-Jährige, der ungern von einer Fusion spricht. Wie auch immer - Böhme hat sich darauf jedenfalls zwei Jahre gut vorbereitet. Am Sonntag ist es soweit. Dann schließen sich die Katholiken der Stadt Zwickau, der drei Pfarreien angegliedert sind, mit den sieben Pfarreien des Umlandes zusammen.

Der Bistumssprecherin Elisabeth Meuser zufolge gehören der neuen Großpfarrei "Heilige Familie" etwa 7600 Mitglieder an, 300 weniger als 2018. Sie leben auf einer Fläche von rund 900 Quadratkilometern. Die Großpfarrei besteht künftig aus den Gemeinden St. Franziskus von Assisi (Crimmitschau), Mariä Himmelfahrt (Glauchau), St. Pius X. (Hohenstein-Ernstthal), Maria, Königin des Friedens (Kirchberg), Mutterschaft Mariens (Meerane), St. Martin (Waldenburg) und St. Bonifatius (Werdau) sowie den drei Zwickauer Gemeinden Heilige Familie, St. Johann Nepomuk und St. Franziskus.

Böhme, der offiziell im Auftrag von Bischof Heinrich Timmerevers die Neugründung der Großpfarrei vorbereitete und ebenso vorantrieb, steht nun auch an deren Spitze. "Ursprünglich sollten aus den zehn Gemeinden drei Pfarreien entstehen. Doch die Entwicklung der Mitgliederzahlen, vor allem auf dem Lande, verlange, größer zu denken. "Das ist ein enorme Herausforderung, aber auch spannend", so der Dekan, der auch Social Media nutzt. Es gehe darum, zehn Gemeinden mit unterschiedlichen Prägungen unter einen Hut zu bringen. Dabei wird Böhme von Pfarrer Waldemar Styra sowie den Oblatenpatres Piotr Pasko, Wladyslaw Poddebniak und Tadeusz Wdowczyk unterstützt. Zum Beispiel bei Gottesdiensten, Beerdigungen, Trauungen und vielen anderen seelsorgerischen Aufgaben.

So sei ein Vorteil des Zusammenschlusses die bessere Erreichbarkeit, da das Pfarrbüro länger geöffnet ist. Die andere Seite der Medaille: Einige Angebote werden wegfallen oder sich zeitlich verschieben, wie der Gottesdienst in der einen oder anderen Gemeinde. Letzteres sei bereits im Vorfeld der Neugründung verändert worden, so Böhme, der vor dem Studium in Erfurt und Dublin eine Tischlerlehre absolvierte. "Wenn eine Gemeinde etwas plant, muss sie künftig für die anderen neun Gemeinden mitdenken", sagt Böhme, der hierbei gern auf den österreichischen Theologen Paul Zulehner verweist. Der einstige Universitätsprofessor hat den Sachverhalt im Buch "Priestermangel praktisch: Von der versorgten zur sorgenden Pfarrgemeinde" gut beschrieben. Denn: Der Demografiewandel mache um die Kirche keinen Bogen, sorge weiter für weniger Gläubige und Priester.

Das sieht der Glauchauer Pfarrer Styra nicht anders: "Die Wege werden länger, das erfordert mehr Absprachen. Wir brauchen jetzt viel Geduld, Hoffnung und Zuversicht", sagt der 50-Jährige. Derzeit zählt das Bistum Dresden-Meißen 140.363 Katholiken. Das sind 2100 Gläubige weniger als vor zwei Jahren.

11 Kommentare
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    0
    harmoniummueller
    26.09.2020

    "7600 Mitglieder ... leben auf einer Fläche von rund 900 Quadratmetern" ??? - da wird es ganz schön eng :-)