Koksproduktion sollte Geld einbringen

Steinkohlenbergbau in Zwickau - einst Basis für wirtschaftliche Entwicklung in der Region. Heute: Das Steinkohlenwerk Florentin Kästner (25)

Reinsdorf.

Im Jahr 1867 wurde durch das Steinkohlenwerk Kunze & Genossen ein annähernd 40 Meter tiefer Versuchsschacht geteuft. Nach Erwerb dieses Grubenfeldes durch Florentin Kästner (Kohlenwerkbesitzer und Gemeindevorsteher in Oberhohndorf), Carl Friedrich Ebert (Kohlenwerkbesitzer und Markscheider) und Julius Urban (Advokat aus Zwickau) wurde auf Reinsdorfer Grund das Steinkohlenwerk Florentin Kästner & Co. gegründet. Carl Friedrich Ebert wurde als Geschäftsführer eingesetzt. Nach seinem Tod am 19. März 1889 führte sein ältester Sohn, der Bergingenieur Friedrich Ebert, sein Werk fort.

Am 1. April 1868 begannen mit 30 Bergleuten die Teufarbeiten für einen Förderschacht, der später den Namen Florentin-Kästner-Schacht I bekam. Die rechteckigen Schachtmaße betrugen 4,2 mal 2,35 Meter. Die Teufe endete zunächst bei 410Metern und schnitt Flöze mit einer Gesamtmächtigkeit von nur 4,20 Meter an. Die Kohleförderung begann 1870 mit dem Abbau des Rußkohlenflözes. Drei Jahre später wurde ein Fluchtweg zum Morgensternschacht I aufgefahren. 1896 erreichte der Schacht nach mehrmaligem Weiterteufen die 546-Meter-Marke. Das Grubenfeld hätte ärmliche Flözverhältnisse und blieb weit unter den Erwartungen zurück, so urteilten Zeitgenossen.

Die Grubenleitung versuchte deshalb, das Betriebsergebnis mit der Verarbeitung von Kohle zu verbessern. Im Jahr 1877 entstand eine Kohleaufbereitungsanlage. Drei Jahre später wurden sechs Koksöfen aufgestellt, die bis 1893 insgesamt 18.083 Tonnen Koks herstellten. Eine dampfbetriebene Ausdrückmaschine erleichterte die Arbeit in der Kokerei. Der Stahlförderturm des Schachtes I wurde im Jahr 1908 montiert. Etwa 500 Meter südlich des Schachtes I begann im Oktober 1872 das Teufen des Florentin-Kästner-Schachtes II. Er war als Förder- und Wetterschacht ausgelegt. 1874 wurden die Teufarbeiten zunächst bei etwa 300 Metern im Horizont der Rußkohlenflöze beendet. Ein markantes Merkmal des Schachtes II war der hölzerne Seilscheibenstuhl. Ein Ventilator mit einem Durchmesser von sechs Metern und einer Schaufelbreite von 1,75 Meter wurde in Betrieb genommen. Ab 1875 war der Schacht Förderschacht und ausziehender Schacht. In den Jahren 1904 und 1905 wurde der Schacht II bis auf seine Endteufe von 567 Metern gebracht.

Der Florentin-Kästner-Schacht I erhielt 1873, der Schacht II im Jahr 1874 Gleisanschluss zur Oberhohndorf-Reinsdorfer Kohlenbahn. Der Florentin-Kästner-Schacht I nannte etwa 2000 Meter Gleise, drei Weichen, zwei Gleisendprellböcke, eine Gleiswaage und eine Seilverschiebeanlage sein Eigen. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass das "private Zweiggleis" zum Florentin-Kästner-Schacht II, das ab 1874 vorhanden war, in der "Uebersichtskarte der Kohlenbahnen bei Zwickau 1887" zwar eingezeichnet ist, aber den Hinweis "Nicht mehr in Betrieb" an seiner Seite stehen hat. Die Ursache für diesen Eintrag war folgende: Ab 1882 wurde die Rohkohle über eine hölzerne Bockbrücke, die 1890 durch eine Stahlkonstruktion ersetzt wurde, zur Aufbereitung des Schachtes I gefördert. Damit war das Anschlussgleis überflüssig und es wurde demontiert. Den Bahndamm konnte man noch jahrzehntelang in der Landschaft erkennen.

Am 16. Juni 1921 ereignete sich im Schacht I ein schweres Unglück. Die Zeitung "Dresdner Neueste Nachrichten" meldete: "Aus noch nicht einwandfrei festgestellter Ursache stürzte das Fördergestell bei Beginn der Einfahrt der Mittagschicht mit Seil und Seilrolle etwa 500 m in die Tiefe des Schachtes. Von den zwölf Bergleuten, die sich im Fördergestell befanden, waren die meisten sofort tot, die anderen sind im Laufe des Nachmittags ihren schweren Verletzungen erlegen. Um 4 Uhr nachmittags wurden die Leichen geborgen. Zehn von ihnen waren verheiratet." Im Jahr 1926 umfasste die Belegschaft dieses Steinkohlenwerkes 290 Mann, von denen 226 unter Tage arbeiteten.

Das Grubenfeld des Steinkohlenwerkes Florentin Kästner & Co. lag östlich des Reinsdorfer Morgensternfeldes. Am 28. Juni 1930 wurde deshalb von der Gewerkschaft Morgenstern zur Abrundung seines Gebietes das Kästnersche Grubenfeld übernommen. Das Steinkohlenwerk wurde dort als Betriebsabteilung Florentin Kästner der Gewerkschaft Morgenstern eingegliedert. Die Florentin-Kästner-Schächte I und II hießen nun Morgensternschächte VII und VIII. Im Zweiten Weltkrieg wurden Kriegsgefangene zur Arbeit eingesetzt. Zum Schutz vor Luftangriffen wurden im Jahr 1944 Maschinen und Material unter Tage gelagert. Von 1868 bis zu diesem Zeitpunkt (1930) hatte dieses Steinkohlenwerk etwa 2,79 Millionen Tonnen Steinkohle gefördert.

Ab 1949 erhielten die beiden Morgensternschächte die Namen Martin-Hoop-Schacht VII und VIII. Seit 1951 bis zur Einstellung der Förderung im Jahr 1956 war auf dem Schacht VII das Lehrrevier des VEB Steinkohlenwerk "Martin Hoop" untergebracht. Der Schacht VIII wurde 1957 und der Schacht VII 1958 verfüllt. Neben einigen sanierten Gebäuden erinnern die Halde Nr. 13 am Schacht I (Auflagefläche 7,07 Hektar) und Halde Nr. 14 am Schacht II (1,23 Hektar) an den Steinkohlenbergbau.


Die beiden Schächte

Florentin-Kästner-Schacht I: Teufe 546 Meter; geteuft in den Jahren 1867 bis 1871; stillgelegt/verfüllt in den Jahren 1957/1958

(ab 1930 Morgensternschacht VII)

(ab 1949 Martin-Hoop-Schacht VII)

Florentin-Kästner-Schacht II: 567Meter; geteuft in den Jahren 1872 bis 1874; stillgelegt/verfüllt 1956/1957

(ab 1930 Morgensternschacht VIII)

(ab 1949 Martin-Hoop-Schacht VIII)

Die Teufe ist die bergmännische Bezeichnung für die Tiefe. (nope)

30 Tage für 20,99€ 0€ testen
Testen Sie die digitale Freie Presse unverbindlich.
Erhalten Sie Zugriff auf alle Inhalte auf freiepresse.de
(inkl. FP+ und E-Paper). (endet automatisch)
 
30 Tage für 20,99€ 0€ testen
Zugriff auf alle Inhalte auf freiepresse.de und E-Paper. (endet automatisch)
Jetzt 0€ statt 20,99 €
00 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.