Kranzberggrund wird aus Winterschlaf geholt

Ausgetrocknete Teiche, defekte Ablässe, kaputte Dämme - so präsentiert sich das Gelände im Nord-Osten von Werdau. Spaziergänger sind verärgert. Die Stadt will das ändern.

Werdau.

Der Kranzberggrund ist besonders bei den Bewohnern in Werdau-Ost ein beliebtes Ausflugsziel und Naherholungsgebiet. Gleich mehrere Kleingartenanlagen wie die "Harmonie", "Abendfrieden" oder "Kranzberggrund" befinden sich in unmittelbarer Nachbarschaft. Zu denen, die gern zu Fuß oder mit den Fahrrad im Kranzberggrund unterwegs sind, gehört Walter Luckner. Doch was den Senior stört, ist der momentane Anblick der vier Teiche, die durch den Kranzbergbach miteinander verbunden sind. "Die Teiche verwildern immer mehr. Einen Großteil der Flächen hat sich längst die Natur zurückgeholt. Hier besteht dringend Handlungsbedarf", sagt der Senior. Er befürchtet zugleich Schäden an der Tierwelt. "In dem Teich lebten in der Vergangenheit zahlreiche Frösche. Durch das Austrocknen wird deren natürlicher Lebensraum zerstört."

Nicht nur Walter Luckner ärgert der Anblick, sondern auch Norbert Mundry. Der Werdauer geht oft im Kranzberggrund spazieren. "Das war mal ein richtig schönes Fleckchen Erde, wie man es in der Art in anderen Städten nur selten findet. Schade, dass das Gebiet in den zurückliegenden Jahren so vernachlässigt wurde", sagt er.

Ein Grund für den schlechten Zustand: Die Technik zur Regulierung des Wasserstandes der Teiche ist defekt. "Durch das Hochwasser im Juni 2013 sind auch an den Teichen erhebliche Schäden entstanden", sagt der Fachbereichsleiter Stadtentwicklung und Bau im Werdauer Rathaus, Karsten Piehler. Doch die Stadt will das Areal wieder auf Vordermann bringen. Die Beseitigung der Schäden werde durch die Sächsische Aufbaubank gefördert, so Piehler. Diese Möglichkeit wolle die Stadtverwaltung nutzen.

Angelegt wurden die Teiche in den 1930er-Jahren. Sie dienten einst als Wasserreservoir für das Werdauer Freibad an der Ziegelstraße. Das hatte seinen Standort an der Stelle, an der sich heute das "Webalu" befindet. Unmittelbar hinter dem ehemaligen Freibad befand sich zu DDR-Zeiten die Gärtnerische Produktionsgenossenschaft (GPG), durch deren Gelände der Kranzbergbach floss. Das Bachwasser wurde von der GPG genutzt. Heute befindet sich an der Stelle der Gartenbaubetrieb Rainer Wegenast, dessen Wasserbedarf längst nicht so groß ist wie der der GPG.

Dennoch haben die Teiche im Kranzberggrund, die sich im Besitz der Stadt Werdau befinden, bis heute nichts an Bedeutung verloren. Genutzt werden sie für die Fischzucht. Dazu besteht zwischen der Stadt und dem Fischereibetrieb Lokotsch aus Mannichswalde ein Pachtvertrag. "Die Teiche werden im Herbst zum Abfischen abgelassen und füllen sich danach durch Niederschlagswasser", sagt Rathaussprecher André Kleber. Zum Schutz der Tierwelt würden die Teiche nie komplett entleert. "Im Verlauf des Jahres wird der Wasserstand nur etwas abgesenkt, um Rückstau für möglichen Starkregen zu schaffen", sagt Kleber.

Wann genau Walter Luckner und Norbert Mundry wieder den Kranzberggrund genießen können, steht noch nicht fest. Fachbereichsleiter Piehler: "Momentan läuft die Ausführungsplanung für die Arbeiten." Die Anlagen und die Wasserstandsregulierung sollen instand gesetzt werden. Außerdem werde der Damm zwischen den kleinen Teichen saniert. Der Pachtvertrag mit dem Fischereibetrieb ruht aufgrund der geplanten Arbeiten in diesem Jahr.

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