Kulturelles Zentrum hat über die Jahre ganz verschiedene Namen

Wie sich Crimmitschau und seine Ortsteile verändert haben. Heute: Stadttheater (Folge 34)

Crimmitschau.

Diese Ansichtskarte vom Jahr 1952 ist ein echtes Foto, das vom Verlag im Handabzug vervielfältigt wurde. Über den drei Eingangstüren hängt ein Transparent, auf dem zu lesen ist: "Das deutsche Volk will Einheit und Frieden". Diese Forderung basierte auf der Stalin-Note vom 10. März 1952. Die Bürger hatten den Wunsch, das eine Wiedervereinigung und ein Friedensvertrag Wirklichkeit würden.

Die herrliche Neurenaissance-Schauseite mit dem Fries über den Fenstern des Theatersaales trat da in den Hintergrund. Es war auch egal, dass das 1950 angebaute Bühnenhaus nicht so recht zur Gesamtarchitektur passte. Die bereits an der Jahnstraße entfernte Mauer gab den Blick auf den Platz der Aktivisten frei, den früheren Vereinsgarten. Heute ist die Adresse fürs Theater: Theaterplatz 1.

Theateraufführungen gab es in der Vergangenheit in einige Gebäuden, wie dem Konzerthaus "Odeum" ab 1848 (Badergasse 17, gesprengt am 6. März 1971) und dem Apollo-Theater mit 622 Sitzplätzen bis 1935 (ehemals Am Schützenplatz 5). 1948 regte Oberbürgermeister Karl Falkenberg den Bau eines Mehrspartentheaters an. Im Auge hatte er den baupolizeilich gesperrten großen Ballsaal im nördlichen Teil vom 1879/80 erbauten "Vereinshof". Hier gab es bereits einen kleinen Gartensaal ohne Bühne und den Ballsaal mit einer bescheidenen Bühne für die Feierlichkeiten des Vereins.

Nach Umbauarbeiten hob sich am 13. April 1950 um 15 Uhr der Vorhang zum Festakt. Die Musik zur Weihe dirigierte Musikdirektor Werner Krumbein (1917-1996, Ernennung zum Ehrenbürger am 28.Februar 1964). Um 20 Uhr gab das Ensemble die erste Aufführung. In einem Brief kurze Zeit später schrieb Falkenberg: "Wenn ich nicht allen Schwierigkeiten, allen Sorgen, vielerlei Böswilligkeiten gegenüber zäh und fest geblieben wäre, hätte unsere Stadt kein Theater..."

Das Theater wurde öfter umbenannt, hieß "Vereinigte Kreistheater Glauchau/Crimmitschau, Sitz Crimmitschau", in der nächsten Spielzeit "Kreistheater Werdau, Sitz Crimmitschau". Bei den Programmheften blitzte Satire durch, als "Kreistheater Werdau, Sitz" kleiner gedruckt wurde als "Crimmitschau". Egal wie der Name war, für das Ensemble des Drei-Sparten-Theaters kam das Aus 1959/60 und für die Tournee-Truppe am 12. Mai 1961. Darauf reagierten die Stadtverordneten schnell, und es erfolgte die Umstrukturierung in das "Kulturzentrum Crimmitschau". 1966 besuchten schon 36.000 Gäste die Einrichtung mit ihren 550 Sitzplätzen.

In den Räumen des Hauses hatten und haben viele künstlerische Vereine ihre Heimstatt. Seit 1970 gab es jedes Jahr die Aufführung eines Märchens vom Pionier-Theater. Am 11. Januar 1993 formierte sich das Ensemble neu zum Kinder- und Jugendtheater "Harlekine". Nach der letzten Aufführung der "Schneekönigin" 2016 folgt zum zweiten Mal eine schöpferische Pause der "Harlekine".

Weiter erwähnenswert sind die Konzerte der Young People Big Band sowie die ehemaligen Weihnachtskonzerte des Heimatvereins Crimmitschau und die Frühlingskonzerte des Bäckergesangsverein 1904 Crimmitschau. Eine langjährige Institution ist die "Kleine Galerie" im Unteren Foyer. Die Nebenstelle der Kreismusikschule im Theater ist die Anlaufstelle der jungen Musiker.

Ab 1. Januar 1996 bekam das Kulturzentrum den Namen "Theater Crimmitschau". In den Jahren bis 2001 gab es viele Investitionen. Fassadensanierung, Erneuerung der Bühnentechnik, Elektro- und Sanitärinstallation sowie Sanierung des Dach- und Deckenbereiches erforderten 3.343.601 Euro. Ebenfalls mussten Malerarbeiten an Decke und Wänden unter denkmalpflegerischen Aspekten durchgeführt werden. Unter diesen Aspekten erfolgten 2017 und 2018 auch der Einbau von Brandschutztüren, Brandmeldeanlagen und Entrauchungsanlagen.

Seit der Freigabe des zum "Vereinshof" gehörenden Aufzuges am 25. September 1999 kommen Rollstuhlfahrer barrierefrei zu den 20für sie vorgesehenen Plätzen. So auch zum Festkonzert "Berühmte Opernchöre" anlässlich des 50-jährigen Bestehens des Theaters am 19.April 2000. Eine Ausstellung dokumentierte im Oberen Foyer die Theatergeschichte des halben Jahrhunderts.

In den nunmehr 68 Jahren des Theaters sahen und hörten die Besucher viele unvergessliche Vorstellungen von Künstlern aus der Region und Weltstars.

Quelle: Chronik 2014 "Crimmitschau - Geschichte einer Stadt", Band 2

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