Landespreis für Denkmalretter

Seit 22 Jahren legen Gymnasiasten bei Grimma eine Burgruine frei. Für ihre Ausdauer wurden sie jetzt mit einer besonderen Ehrung bedacht.

Glauchau/Mülsen.

Einmal vor Jahrhunderten stand die Burg Döben an der Mulde im Mittelpunkt der Landesgeschichte. Es war ein Drama wie bei "Game of Thrones": Markgraf Otto von Meißen, später "der Reiche" genannt, dessen Standbild heute auf dem Freiberger Obermarkt steht, hatte die Erbfolge unter seinen Söhnen geändert und sich damit seinen Ältesten zum Feind gemacht. Albrecht der Stolze buchtete den Vater auf Burg Döben ein. Erst ein Machtwort Friedrichs I. Barbarossa brachte Otto die Freiheit zurück, derer er sich nicht mehr lange erfreuen konnte. Er starb zwei Jahre später, 1190, mit knapp 65 Jahren.

Heute beräumen Schüler des Glauchauer Agricolagymnasiums diesen historischen Schauplatz von Schutt, machen ihn wieder begehbar und womöglich für spätere Forschungen zugänglich. Das sei schon ein "besonderes Gefühl", sagt Lukas Günsch aus Mülsen, einer aus einem knappen Dutzend an Elft- und Zwölftklässlern, das beim jüngsten Einsatz in Döben dabei war. Angeleitet wurde die Gruppe von Hubertus Schrapps, der das Projekt vor 22 Jahren aus der Taufe gehoben hatte.

"Ich war damals auf der Suche nach einem Mitmachprojekt", erklärt der Lehrer für Deutsch und Geschichte. "Das war gar nicht so einfach. Archäologie ist für Schüler tabu, ein Spatenstich kann eine Fundstelle zerstören. In Grimma war ein Bekannter von mir Denkmalpfleger, der brachte uns auf die Idee." Das Burggelände in Döben ist Privatbesitz, die Eigentümer waren aufgeschlossen.

Der Arbeitseinsatz - immer Ende August oder Anfang September von Freitag bis Dienstag - hat eine gesellige Komponente. Die Schüler schlafen in Zelten und backen zur Grillwurst ihr eigenes Brot. Übers Jahr engagieren sich die Jugendlichen in der Arbeitsgemeinschaft Geschichte, die Schautafeln und Kalender erstellt und das Schulmuseum betreibt. "Es ist schon etwas anderes, als wenn man zuhause den Garten umgräbt", überlegt Lukas Günsch. "Irgendwie ein toller Anblick, wenn man sieht, was man selbst geschafft hat." Das historische Burggelände lag seit 1971 wüst. Errichtet vor gut 1000 Jahren, war die Burg der Sitz verschiedener Adelsfamilien, deren letzte sie 1945 verlassen musste. Die zum Schloss umgebaute Burg wurde durch Artilleriebeschuss zerstört und vor knapp 50 Jahren gesprengt, aus Sicherheitsgründen, wie es damals hieß.

Die Glauchauer Schüler, in manchen Jahren bis zu 35, haben sich um die Beseitigung des Bauschutts und den Erhalt der noch vorhandenen Mauern verdient gemacht. Dafür hat ihnen der sächsische Innenminister Roland Wöller (CDU) den Sächsischen Kinder- und Jugenddenkmalpreis verliehen. "Aus einem ,verlorenen Ort' wurde ein für alle wieder erlebbarer Ort", sagte die Laudatorin, Landesarchäologin Regina Smolnik. In 22 Jahren sind nach Schätzung von Hubertus Schrapps rund 550 Schüler in Döben gewesen.

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