Landwirtschaftsmuseum: Schloss schließt für Umbau

2 Millionen Euro stehen für Investitionen in Brandschutz, Elektrotechnik und Fenster zur Verfügung, ab Herbst wird gebaut. Die Frage ist: Reicht das Geld trotz steigender Preise in der Baubranche aus?

Blankenhain.

Die Türen des Schlossgebäudes im Deutschen Landwirtschaftsmuseum im Crimmitschauer Ortsteil Blankenhain bleiben wahrscheinlich anderthalb Jahre für Besucher geschlossen. Hier machen sich Investitionen in Brandschutz, Elektrotechnik und Fenster erforderlich. Die Arbeiten sollen im Herbst beginnen. Sie ziehen sich wohl bis ins Frühjahr 2021 hin. "Ich habe mehrfach zu hören bekommen, dass wir keine Firmen finden werden, die bei laufendem Museumsbetrieb ein Bauvorhaben umsetzen", sagte Museumschef Jürgen Knauss, der trotz der zeitweisen Schließung des im 17. Jahrhundert errichteten Schlosses nicht mit Besucherrückgang rechnet. Zum Deutschen Landwirtschaftsmuseum gehören schließlich 80 Gebäude und bauliche Anlagen - mit insgesamt circa 100 thematischen Ausstellungen.

2 Millionen Euro stehen für die XXL-Baumaßnahme zur Verfügung. Davon kommen 1,5 Millionen Euro aus dem Programm "Brücken in die Zukunft". Den Fördermittelbescheid hat Landwirtschaftsminister Thomas Schmidt (CDU) am Montagvormittag persönlich im Herrensalon an Landrat Christoph Scheurer (CDU) und Jürgen Knauss übergeben. Offen bleibt, ob damit alle Wünsche bei der Sanierung des Gebäudes umgesetzt werden können. Schon im Juni 2016, als der Kreistag die Prioritätenliste für das Förderprogramm beschlossen hatte, wurde der Finanzbedarf auf 2 Millionen Euro beziffert. Seitdem gab es - aufgrund der guten Konjunktur und der vollen Auftragsbücher bei Handwerkern - einen Anstieg der Baupreise. Das sieht die Landkreis-Beigeordnete Angelika Hölzel (CDU), die auch Vorsitzende des Fördervereins des Museums ist, (noch) nicht als Problem. Sie macht deutlich, dass es erst nach den Ausschreibungen und Auftragsvergaben endgültig Klarheit geben wird. "Notfalls müssen wir auf einige Dinge, die wir eingeplant hatten, verzichten oder mehrere Bauabschnitte bilden", sagte Hölzel. Ziel ist künftig, im Durchschnitt im Schloss eine Raumtemperatur von 15 bis 18 Grad Celsius zu erzielen und die im Mauerwerk vorhandene Feuchte zu minimieren. In einem Teil der Räume soll nach der Sanierung das Mobiliar des letzten Rittergutsbesitzers von Blankenhain, Hanns Reber, präsentiert werden. Die Familie, die 1925 das zum Museumskomplex gehörige Schloss bezog, wurde nach Ende des Zweiten Weltkrieges von den sowjetischen Besatzern enteignet und ausquartiert. Ihr gesamtes persönliches Hab und Gut packte die Familie zusammen und zog damit nach Baden-Württemberg. In Schwetzingen bei Heidelberg verstarb Hanns Reber 2013. In seinem Testament hatte er verfügt, dass das Mobiliar an das Landwirtschaftsmuseum geht.

In der Vergangenheit schaute Thomas Schmidt schon mehrfach in privater Mission im Deutschen Landwirtschaftsmuseum vorbei. Der 58-Jährige kommt schließlich aus der Branche. Er hat ein Studium der Pflanzenproduktion als Diplom-Agraringenieur abgeschlossen, arbeitete später als technischer Leiter einer LPG und als Betriebsleiter eines Agrarunternehmens. "Wenn ich mich im Museum umschaue, entdecke ich einen Teil der Technik, die ich noch bewusst selbst erlebt habe", sagte Thomas Schmidt, der zur Übergabe des Fördermittelbescheides erstmals in seiner Funktion als Landwirtschaftsminister im Museum vorbeischaute. Der Besuch am Montagvormittag dauerte 40 Minuten. Jürgen Knauss und Thomas Schmidt waren sich nach der kurzen Fachsimpelei einig: Beim nächsten Termin müssen sie mehr Zeit einplanen. Das trifft wohl auch auf den Landtagsabgeordneten Jan Löffler (CDU) zu. Er traf mit zehnminütiger Verspätung im Museum ein. Das war gerade noch rechtzeitig, um bei der Übergabe des Fördermittelbescheides in die Kameras lächeln zu können. (mit umü)


Bauantrag liegt im Rathaus

Die Elektroanlage im gesamten Schlossgebäude stammt noch aus DDR-Zeiten. Sie wurde um 1970 installiert. Die vorhandenen Nachtspeicheröfen werden bei der Sanierung abgebrochen. Damit wurden bisher die oberen Geschosse im Schloss beheizt. Als Ersatz sind neue Elektrowandheizkörper geplant, die Teile des Schlossgebäudes frostfrei halten sollen. Den Bauantrag hat der Landkreis Zwickau als Träger der Einrichtung am 6. Dezember 2018 bei der unteren Bauaufsichtsbehörde der Stadtverwaltung in Crimmitschau eingereicht. Im vergangenen Jahr wurden im Deutschen Landwirtschaftsmuseum in Blankenhain 41.430 Besucher gezählt. (hof)

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