Lausitzer Kraftpaket steht nun in Werdau

In der ehemaligen Tuchfabrik Ullrich wird ein Stück Industriegeschichte anschaulich dargestellt. Jetzt wächst die Sammlung um weitere kostbare Exponate, die aus Ostsachsen stammen.

Werdau.

Uwe Reinhold ist seit ein paar Tagen stolzer Besitzer eines altes Quersieder-Dampfkessels, Baujahr 1929, und eines historischen Spilling-Dampfmotors. "Mit einer Leistung von 160 PS ist der Motor ein richtiges Kraftpaket", sagt Uwe Reinhold. Beide Anlagen zur Energiegewinnung standen bisher im Hirschfelder Kraftwerksmuseum in der Oberlausitz und werden dort nicht mehr benötigt.

Mit der Übernahme ist der Ingenieur seinem Vorhaben wieder einen Schritt näher gekommen. Der Werdauer will ein Stück Industriegeschichte Sachsens anschaulich nacherzählen und dabei das Rad der Geschichte um rund 100 Jahre zurückdrehen. Geschehen soll das in der ehemaligen Tuchfabrik am Rande des Stadtzentrums. Uwe Reinhold hat die alte Fabrik vor ein paar Jahren gekauft und etabliert seitdem in einem der drei auf dem Areal erhalten gebliebenen Gebäude Schritt für Schritt eine Sammlung historischer Technik. Bisher stammten die Exponate hauptsächlich aus ehemaligen Werdauer Betrieben, die um 1900 das Bild der Stadt prägten. Zu den erworbenen Schätzen gehört beispielsweise ein Portalkran, der einst im Maschinenhaus der Spinnerei Gabriel Schön stand. Ein besonderes Stück ist eine Dampfmaschine, Baujahr 1896, die jahrzehntelang in der Feldschlösschen-Brauerei ihre Dienste verrichtete. Heute bildet die restaurierte und 2012 in der Tuch- fabrik Ullrich wieder aufgebaute Dampfmaschine das Herzstück der musealen Sammlung. Nun teilt sich der Koloss aus Stahl seinen Platz im ehemaligen Speisesaal der Tuchfabrik mit den beiden Neuerwerbungen. "Mehr kommt da auch nicht mehr an großer Technik rein, damit die vorhandenen Stücke richtig zur Wirkung kommen. Jedes von ihnen ist eine Rarität."

Dass der Werdauer in den Besitz des Dampfmotors und der Dampfturbine gelangte, ist einem Zufall zu verdanken. Das Braunkohlekraftwerk in Hirschfelde gehörte zu den großen Stromversorgern in der DDR. 1992 erfolgte die Stilllegung. Noch im gleichen Jahr wurde das Maschinenhaus im Werk II unter Denkmalschutz gestellt und blieb als museale Einrichtung erhalten. Nun steht das Projekt vor dem Aus. Die vorhandene Sammlung wird aufgelöst. Die Stiftung des Hauses sucht Interessenten und sprach dabei auch das Werdauer Museum an. Dessen Chef, Hans-Jürgen Beier, fuhr nach Hirschfelde und war begeistert. Allerdings passten die Exponate nicht in den Bestand des Hauses, dafür aber in die Sammlung von Uwe Reinhold. Beide kooperieren seit einigen Jahren.

Der Besitzer der alten Tuchfabrik konnte die Managerin der Kraftwerksstiftung, Anja Nixdorf-Munkwitz, von seinem Konzept überzeugen. Das Urteil der Fachfrau: "Die Profile passen gut zusammen." Inzwischen hat Anja Nixdorf-Munkwitz auch die ehemalige Tuchfabrik in Werdau besucht und sich vor Ort ein Bild gemacht. "Eine sehr interessante Einrichtung, mit der ich mir eine weitere Kooperation sehr gut vorstellen kann", erklärte die Expertin gegenüber "Freie Presse". Die ersten Gespräche zur Schenkung eines weiteren Exponates aus dem Bestand des Kraftwerksmuseum wurden bereits geführt. Läuft alles nach Plan, erhält Uwe Reinhold 2017 eine Dampfturbine aus Hirschfelde. "Ein wahres Prachtstück", versicherte Anja Nixdorf-Munkwitz.

Service Die Tuchfabrik Ullrich an der August-Bebel-Straße in Werdau beteiligt sich an den "Werdauer Dampftagen", die am Wochenende im Museum stattfinden, und kann am Sonntag von 10 bis 17 Uhr besichtigt werden. Während der Öffnungszeit wird auch die wiederaufgebaute Dampfmaschine in Aktion vorgeführt.

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