Lesung zeigt erschütternde Schicksale auf

Mit einer Buchvorstellung und der Eröffnung einer Ausstellung zu Musikern in der DDR begannen am Dienstagabend die Veranstaltungen anlässlich 30 Jahre Friedliche Revolution in Werdau.

Werdau.

Lediglich ein Dutzend Zuhörer hatte sich am Dienstagabend zur Buchlesung in der Werdauer Stadtbibliothek eingefunden. Dabei hätte das Thema sicherlich ein größeres Publikum verdient gehabt. Immerhin ging es in der von Bernd Gerber und Claudia Möckel vorgestellten Publikation des Martin-Luther-King-Zentrums um tragische Schicksale von Menschen aus der hiesigen Region. Die Broschüre mit dem Titel "Aktivisten der Freiheit" arbeitet schonungslos Ereignisse aus der Zeit kurz nach der Gründung der DDR auf. Der Hintergrund: Im August 1950 gründete sich im Raum Zwickau/Werdau eine Widerstandsgruppe, der mindestens 20 Personen angehörten. Sie traten mit friedlichen Mitteln für ein nichtkommunistisches und wiedervereintes Deutschland ein und stellten zugleich den Herrschaftsanspruch der SED in Frage.

Die wohl spektakulärste Aktion der Gruppe fand 1951 während eines Fußballspiels zwischen Motor Zwickau und dem FC Schweinfurt 05 statt. Mittels zweier heimlich beschaffter Raketen verteilten die Aktivisten im Zwickauer Stadion Flugblätter. Kurze Zeit später wurden einige Mitglieder der Widerstandsgruppe verhaftet. Im November 1951 wurden 17 Personen der Gruppe verurteilt, darunter fünf zum Tode: der Schuhmachermeister Johannes Vitzthum, der Schreiner Walter-Karl Reinhold, der Lokomotivführer Alfred Pansa, der Textilfacharbeiter Heinz Herrmann und der Bergarbeiter Ernst Schreiter. Die anderen wurden zu Zwangsarbeit in russischen Gulags verurteilt.

Bernd Gerber ging am Dienstag aber nicht nur auf den Inhalt des Buches ein, sondern auch auf dessen Entstehung. "Die Recherchen waren sehr schwierig, weil sämtliche Unterlagen dazu in russischen Archiven lagern. Erst als ich mit der 'Freien Presse' Kontakt aufgenommen hatte und in der Zeitung ein Beitrag dazu erschien, meldeten sich plötzlich Zeitzeugen. Das war für meine Arbeit ungeheuer hilfreich", sagte er. Im Nachhinein bedauerte Gerber, sich nicht schon ein paar Jahre eher dem Thema gewidmet zu haben. "Hätte ich früher angefangen, wären womöglich noch einige Zeitzeugenberichte mehr vorhanden, von Leuten die zwischenzeitlich verstorben sind."

Zeitgleich mit der Lesung wurde in der Stadtbibliothek Werdau eine Ausstellung eröffnet. "Auf insgesamt 20 Roll-up-Tafeln, aber auch anhand von Hörbeispielen, wird über kritische Liedermacher in der DDR berichtet", sagte King-Zentrum-Mitarbeiterin Claudia Möckel. Besonders reizvoll sei für die Hörer auch heute noch das viele zwischen den Textzeilen Versteckte, Halbversteckte und Angedeutete.

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