Liveübertragung aus Ratssaal wird teuer

Mitarbeiter aus dem Rathaus in Crimmitschau haben auf Antrag der Bürgergemeinschaft den Finanzbedarf ermittel. Das sorgt bei einigen Fraktionen allerdings für Skepsis.

Crimmitschau.

Rund 50.000 Euro müssen in neue Technik investiert werden, um Sitzungen des Crimmitschauer Stadtrates live per Internet übertragen zu können - vom Ratssaal in die Wohnzimmer. Die Zahl hat Dirk Vogel, Fachbereichsleiter für Innere Verwaltung und EDV, nach einem Prüfauftrag der Bürgergemeinschaft "Für Crimmitschau" ermittelt und den Stadträten mitgeteilt. "Wir müssten viel Geld in die Hand nehmen, damit die Informationen vernünftig bei der Zielgruppe ankommen", sagte Dirk Vogel. Er berichtete, dass die aktuell genutzte Tonanlage vor 27 Jahren installiert wurde und nicht erweiterbar wäre. Deshalb sei es erforderlich, Lautsprecher-, Verstärker- und Steuerungssysteme anzuschaffen. Zudem verwies Vogel in dem Zusammenhang auf die Installation von digitalen Displays oder von Tafeln - einerseits für die Stadträte und andererseits für die Gäste im Zuschauerbereich.

Für die Übertragung ist aus Sicht von Dirk Vogel die Unterstützung durch eine Fachfirma erforderlich. Sie benötigt dafür zwei bis drei Mitarbeiter. "Unter anderem für die Kamera und die Regie", sagte der Fachbereichsleiter. Der personelle Aufwand sei mit Blick auf die Auflagen erforderlich, die in Zusammenhang mit dem Datenschutz stehen. Vogel sprach auch über die Produktionskosten, die auf 2500 Euro pro Sitzung und damit auf 25.000 Euro pro Jahr beziffert wurden. Jährlich treffen sich die Stadträte im Durchschnitt zu zehn Beratungen.

Oberbürgermeister André Raphael (CDU) sprach von Kosten, "die ich uns momentan nicht zumuten will" und erinnerte an das Pro und Contra: Mit einer Internet-Übertragung könnten sicherlich mehr Interessierte erreicht werden. Allerdings sei zu bedenken, dass es sich bei den Stadträten um ehrenamtliche Kommunalpolitiker handelt. Raphael: "Da redet der eine sicher etwas besser als der andere. Das ist nicht mit den Berufspolitikern in Bundestag und Landtag zu vergleichen."

Zwei Stadträte, die sich zum Thema äußerten, erteilten einer Live-Übertragung mit Blick auf die von der Stadtverwaltung vorgelegten Zahlen eine Absage. "Bei jährlichen Kosten von 25.000 Euro kann nicht allen Ernstes an eine Umsetzung gedacht werden", sagte Ulrich Wolf (CDU). Er machte deutlich, dass andere Varianten geprüft werden sollten, um über die Arbeit des Stadtrates zu informieren. Als Beispiel nannte der CDU-Mann die Veröffentlichung von Protokollen auf der Stadt-Homepage. Wolf: "Es kommt nicht darauf an, wer sich am besten vor der Kamera darstellen kann." Heiko Gumprecht (AfD) verwies auf die Mitwirkungspflicht der Bürger, die zu den Sitzungen kommen können. "Die Leute haben auch eine Holpflicht."

Offen ist bisher, ob die Bürgergemeinschaft ihren Antrag zur Live-Übertragung der Stadtratssitzung weiter aufrechterhält. Dazu soll es eine interne Beratung bei "Für Crimmitschau" geben. Der Prüfauftrag, die Kosten zu ermitteln und die rechtlichen Auflagen abzustimmen, wurde im August 2019 eingereicht. Nun legte die Stadtverwaltung die Ergebnisse vor.


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1Kommentare
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  • 3
    0
    Ingoline2
    26.03.2020

    Die Stadt Crimmitschau sollte sich wichtigeren Themen zu wenden und
    nicht 50 T € für die Repräsentation im Internet ausgeben. z.B. für eine
    noch bessere Sanierung des Zentrum`s als Vorzeigeschild des Ortes .
    Und auch die Straßen die etwas abseit `s des Marktes liegen , sollten grüner ,
    heller und einlandender gestaltet werden , damit sich die eigenen Bürger
    hier wohl und zu Hause fühlen .....

    26.03.2020