Manchmal sind Worte zu wenig

Da ist Musik drin - Westsachsen, wie es singt und klingt. Heute: Songwriter und Bandmusiker Thomas Karl.

Zwickau.

Bam! Bam! Bam! Schon im Treppenhaus tönt es aus der Musikwerkstatt. Jeden Donnerstagnachmittag dürfen sich Schüler in der Eckersbacher Lernwerkstatt an Schlagzeug, Keyboard und Gitarre versuchen. Wer Spiel und Noten erlernen möchte, erhält Einzelunterricht. Den gibt unter anderem Thomas Karl - er ist Songwriter, Bandmusiker und Lehrkraft zugleich.

"Prima. Du hast ein tolles Rhythmusgefühl", lobt Thomas Karl den zehnjährigen Dominik, der das Schlagzeug im Viervierteltakt bearbeitet. "Achtung, Körperspannung halten! Nicht die Hände kreuzen, nur die Sticks." Dann zeigt der Musiker, wie Schlagstöcke über Snare, Tom und Becken tanzen, dass die Wände wackeln. Bam! Bam! Bam!

Seit 25 Jahren geht der Zwickauer Musiker auf Tour. Mit der Cover-Rockband Whetstone steht er erstmals auf großen Bühnen. Eigene Musik-CDs entstehen bei Mothers Pride. Blues Foundation gastiert in Kneipen, Galerien, Museen. Die Formation De Klippelbrieder gibt "grazy" Erzgebirgs-Blues-Rock zum Besten; so nennen die Musiker das, was sie als ein bisschen verrückt empfinden. Der Austausch über Alltag und Weltgeschehen, verpackt in hintersinnige Liedtexte, gibt dem 53-jährigen eine geistige Heimat.

Musik schafft ein schönes Miteinander. In der Lernwerkstatt erlangen Mädchen und Jungen ganz neue Fähigkeiten. Sie lernen, aufeinander Rücksicht zu nehmen und gemeinsam Aufgaben zu lösen - wie zum Beispiel die Arbeit am gemeinsamen Weihnachtsprogramm. Die größten Raubeine werden in der Musikwerkstatt lammfromm. "Jedes Kind sollte ein Instrument lernen", davon ist der Künstler überzeugt.

Schon als Jugendlicher fasziniert ihn die Musik. Wenn andere das Fußballtrikot überstreifen, hört er Klassik, Beat, Rock. Als Dreizehnjähriger träumt er davon, vor Publikum zu spielen: malträtiert eine alte Wandergitarre des Vaters und nächtelang die Nerven der Nachbarn. Bis sich eine Konservatoriumslehrerin in der Nachbarschaft endlich erbarmt, ihm seine ersten eigenen Noten schenkt und ihm erste Lektionen erteilt. Später nimmt Thomas Karl dann auch Gesangsunterricht. Musik wird für ihn zum Ventil: "Ich mach' das zuerst für mich selbst. Wenn das auch anderen gefällt, umso besser." Kaum ein Wochenende verbringt der Wismut-Angestellte zu dieser Zeit zu Hause. Er kommt viel herum, erlebt Anekdoten, von denen er bis heute erzählen kann. Unvergessen bleibt für ihn zum Beispiel das Zusammentreffen mit J. C. Black, dem ehemaligen Drummer bei Frank Zappa. Das passiert kurz nach der Wende im Ebersbrunner "Löwen". Der prominente Musiker hat es eilig, will - entgegen der eigentlichen Programmfolge - mit seiner Truppe als Vorband von Whetstone auftreten. "Das war grandios! Schließlich haben wir eine Stunde lang Witze erzählt", erinnert sich Thomas Karl. Manchmal sind Worte zu wenig, um das auszudrücken, was Menschen umtreibt. Da braucht es Melodie und Rhythmus, Sound und Tempo, Strophe und Refrain.

"Ehrensache! Engagiert in Westsachsen" wird der Titel unserer Montagserie 2019 sein. Und wir bitten Sie, liebe Leserinnen und Leser, um Ihre Mithilfe: Welche Ehrenamtler gehören in die "Freie Presse" und warum? Ihre Vorschläge können Sie uns ab sofort per E-Mail an red.zwickau@freiepresse.de, Betreff: Ehrensache, schicken. Vielen Dank!


Fünf Fragen an Thomas Karl

Welches ist Ihr Lieblingslied?

Es ist eigentlich immer das aktuell kreierte, also "Rainy Days".

Können Sie Noten lesen?

Ja. Es gibt allerdings genügend Beispiele für Genies, die ohne Notenkenntnis großartige Musik machen.

Welche Musik können Sie überhaupt nicht ab?

Den "Einheitsbrei" gängiger Radiosender. Auch da gibt es schöne Songs, doch die werden schnell totgespielt.

Welche Musiker würden Sie gern wiederbeleben?

Frank Zappa. Eine starke Persönlichkeit auf der Bühne. Unter den Klassikern: Bach, Rachmaninov, Chopin, Händel.

Singen Sie in der Dusche/Badewanne?

Ja. Auch im Auto. Oder in einem Treppenhaus mit schöner Akustik. (kabu)

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