Mauritius will nach Übersee liefern

Der Sommer hat den Bierabsatz im Inland gefördert. Künftig will die Brauerei aber noch stärker ins Ausland verkaufen.

Zwickau.

Mitte Januar ist eine besondere Zeit für Jörg Dierig. Der geschäftsführende Gesellschafter der Zwickauer Mauritius-Brauerei hat die ersten 100 Tage im neuen Job absolviert. Sein erster Eindruck vom Sommer 2018 hat sich dabei verfestigt. "Ich bin begeistert, wie die Mitarbeiter ihre Arbeit leben", sagt Dierig. "Es läuft so gut, weil jeder seine Rolle kennt." Die vielen langjährigen Mitarbeiter besäßen unglaubliche Erfahrung und Bindung. Erst kürzlich wurde eine Mitarbeiterin für 45 Arbeitsjahre geehrt.

Dierig hatte im September das Management und zum Januar 2018 gemeinsam mit der Dinkelacker-Schwaben Bräu GmbH & Co. KG Stuttgart die von Rainer Otto und Werner Weinschenk altersbedingt abgegebenen Gesellschafteranteile übernommen. Mauritius produziert traditionell klassisches Bier. Im Programm fehlen neben Mischgetränken auch Radler, Hefeweizen und alkoholfreies Bier. "Für gutes Alkoholfreies fehlen uns die technischen Voraussetzungen", sagt Dierig. Weizen hingegen wird im Osten nur wenig nachgefragt. Der Marktanteil liegt bei unter zwei Prozent, im Westen hingegen sind es zehn Prozent.

Dierig will neue Produkte anbieten, die Brauerei als regionales Unternehmen "behutsam weiterentwickeln und keine Hirngespinste umsetzen". Denn nach wie vor ist der deutsche Biermarkt rückläufig. 2017 war er bundesweit um 2,5 Prozent auf 93,5 Millionen Hektoliter gesunken. Damit wurde in Deutschland 2017 insgesamt ein Viertel weniger Bier getrunken als kurz nach der Wiedervereinigung. Neben der Demografie wirken sich auch neue Lebensgewohnheiten aus. So greift die jüngere Generation lieber zu Lifestylegetränken - mit und ohne Alkohol. In diesem Umfeld will die Mauritius-Brauerei Ausstoß und Umsatz stabil halten. Im Vorjahr ist das durch den langen und sehr heißen Sommer auch gelungen. Mit rund 350.000 Litern war der Ausstoß im Vergleich zu 2017 nahezu stabil.

Künftig soll aber noch mehr Bier als bisher ins Ausland verkauft werden. Bisher beträgt der Exportanteil rund 40 Prozent. Geliefert wird vor allem an osteuropäische Kunden. Künftig soll es auch nach Übersee, Asien und Afrika gehen. "Die Verbraucher in diesen Ländern mögen klassische Biere und stehen auf deutsche Qualität." Mauritius wiederum kann die auf Exportmärkten gefragten unterschiedlichen Flaschen und Packungsgrößen liefern.

Mit der neuerlichen Auszeichnung für das dunkle Bockbier gibt es zudem ein attraktives Verkaufs- argument. Das Bier wurde zum fünften Mal in Folge von der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft mit einer Goldmedaille prämiert. In einem Langzeittest, in dem Sortengeschmack, Vollmundigkeit, Reinheit und Schaumstabilität geprüft wurden, hatte es sich gegen Konkurrenz aus acht Nationen durchgesetzt.

Der langjährige Chef und Anteilseigner Werner Weinschenk hat zum Jahresende die unternehmerische Verantwortung voll an seinen Nachfolger übergeben. Er wird Dierig aber noch bis Ende März beratend zur Seite stehen. Danach will er mehr Zeit mit der Familie verbringen und mit seiner Frau gemeinsam wieder Hobbys wie Rad fahren oder Golfen pflegen. "Langweilig wird mir bestimmt nicht", meint er. Mit insgesamt 19 Jahren war Weinschenk der Mauritius-Geschäftsführer mit der längsten Dienstzeit.

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