Meister sitzt auf gepackten Koffern

Ein Crimmitschauer fliegt am Dienstag erneut nach Israel. In einer orthopädischen Werkstatt gibt er sein Können weiter.

Crimmitschau.

Wolfgang Haubold macht sich reisefertig. Am Dienstag fliegt der 74-Jährige für drei Wochen nach Palästina. Der Orthopädieschuhmacher-Meister im Unruhestand hat sich entschlossen, noch einmal im Haus "Lifegate" (Tor zum Leben) in Bait-Jala, einem Ort südlich von Jerusalem, Entwicklungshilfe zu leisten. Hier werden rund 200 behinderte Menschen in verschiedenen Werkstätten beschäftigt und im Rahmen ihrer Möglichkeiten gefördert und ausgebildet. Das Projekt finanziert sich durch Spenden. Bereits im Spätsommer 2015 war Wolfgang Haubold dorthin gereist, um zu helfen und in der dortigen orthopädischen Werkstatt seine handwerklichen Kenntnisse weiterzugegeben. "Eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Und schon damals habe ich gesagt, wenn es meine Gesundheit erlaubt, fahre ich noch einmal nach Palästina."

Nun macht der Crimmitschauer, unterstützt von seiner Frau und der großen Familie, diesen Plan wahr. Und freut sich auf ein Wiedersehen mit guten Bekannten, die ihm bei seinem letzten Aufenthalt zu Freunden geworden sind. "In der Werkstatt suchen viele Rat, Mütter zum Beispiel wegen der Fehlstellung der Füße ihrer Kinder. Dem Sohn einer Mitarbeiterin im ,Lifegate' habe ich Einlagen für die Schuhe angefertigt. Da musste ich dann in der Essensschlange manchmal nicht so lange warten, weil sie dort Köchin war", erinnert sich Wolfgang Haubold schmunzelnd an viele schöne Begegnungen. Im Haus "Lifegate" suchen die Ärmsten der Armen Unterstützung. Dem Crimmitschauer ist es ein Herzensbedürfnis, zu helfen. Er zahlt den Flug von Leipzig nach Israel und retour selbst. Der Aufenthalt dort ist für ihn frei. Ein Entgelt für seine Arbeit in den Werkstätten bekommt er nicht. "Und das würde ich auch nicht annehmen."

In den zurückliegenden Monaten hat der agile Senior, der regelmäßig Sport treibt, um sich fit zu halten, sein Englisch weiter verbessert. Denn ohne Kenntnisse dieser Sprache ist man in Nahost aufgeschmissen. Wohnen wird Wolfgang Haubold wieder in Jerusalem, aber diesmal in einer WG.

Sein Quartier liegt nahe der bekannten Haas-Promenade. "Die werde ich nach meiner Arbeit in der Werkstatt ausgiebig erkunden. Um diese Jahreszeit sind die Temperaturen mit um die 30 Grad noch recht angenehm." Auch Bücher hat sich der 74-Jährige reichlich eingepackt. "Damit ich an den Wochenenden etwas zu lesen habe." Und wenn der neunfache Großvater wieder nach Hause kommt, wird gleich der 75. gefeiert - im Kreise der ganzen Familie.

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