Mit Lotta und Pepe in die kreative Selbstständigkeit

Die Kreativwirtschaft ist ein noch junger Wirtschaftsbereich. Im Landkreis Zwickau bietet sie einige Überraschungen.

Zwickau.

Lotta und Pepe sind noch klein und doch schon bekannt. Ihre Namen stehen auf den Schaufensterscheiben des kleinen Geschäfts für Kinderaccessoires in der Bosestraße in Zwickau. Dessen Chefin ist Janett Fischer - und Mutter der Knirpse. Mit dem Laden hat sich die studierte Textildesignerin im Oktober vergangenen Jahres einen Traum erfüllt.

Angefangen hat alles mit einem Geburtskissen. Damit nicht nur der Tag der Geburt, sondern auch Größe und Gewicht des neuen Erdenbürgers vor allem ihm oder ihr selbst am besten für immer im Gedächtnis bleiben, werden sie auf einem Geburtskissen verewigt. Und auch Sohn Pepe hat Mama auf Ideen gebracht: Wenn man mit kleinen Kindern unterwegs ist, braucht es Spielsachen. Aber wohin damit? "Im Internet habe ich nichts gefunden und deshalb selbst Spielebeutel genäht", sagt Janett Fischer.

Was anfangs nur für den Hausgebrauch gedacht war, sprach sich schnell bei Bekannten und in der Babygruppe herum und wurde schließlich zur Geschäftsidee. Als über die Kleinanzeigen einer Internetplattform das kleine Ladengeschäft zur Miete angeboten wurde, war der Weg klar. Seitdem ist die Marke "Lotta und Pepe" nicht mehr nur im Internet zu haben.

Nach noch nicht einmal einem Jahr ist Janett Fischer sehr zufrieden: "Es spricht sich herum." Anders als beim Onlinehandel hat sie hier direkten Kontakt mit den Kunden, und das gibt ihr wichtige Impulse - und Zuspruch. Etwa im Herbst soll eine Mama-Kind-Kollektion folgen. Im Moment läuft das Geschäft als Nebenerwerb und ist nur freitags geöffnet. Wenn die Kinder aber etwas größer sind, soll daraus ein Haupt- erwerb werden. Dann könnte sich die Kollektion durchaus noch entwickeln. "Das Unternehmen soll langsam und gesund wachsen", ist der Wunsch der jungen Mutter.

So wie Janett Fischer machen viele Kreative ihr Hobby zum Beruf. Es sind Künstler, Filmproduzenten, Designer, Handschuhmacher, Musiker oder PR-Spezialisten, die sich zumeist als Ein-Mann-Firma verwirk-lichen. Es ist ein noch recht junger Bereich bei den Dienstleistungen, der lange unbeachtet blieb. In Westsachsen, dem Vogtland und dem Erzgebirge ist er vor allem durch das Manufakturwesen der Textil-, Musikinstrumenten- und Spielzeug- macherindustrie geprägt. "Erst vor etwa drei bis vier Jahren sind Politik und Verwaltung aufgewacht", sagt Michael Uhlig, Chef des Architektenbüros Aboa. Lange Zeit seien in Sachsen vor allem große und mittlere Firmen im verarbeitenden Gewerbe finanziell unterstützt worden.

Jenseits der großen Städte gibt es zudem gute Voraussetzungen - leer stehende Läden und Gewerbeflächen mit deutlich geringeren Mieten und Nebenkosten. So mancher Kreative, der zunächst Kunden und Verwirklichung in Dresden oder Leipzig suchte, ist zurückgekehrt und bringt sein Wissen nun in der ländlichen Region ein.

Doch solche kleinen und speziellen Wirtschaftseinheiten haben es deutlich schwerer als größere Produktions- oder Dienstleistungsfirmen. Vielen Kreativen fehlt betriebswirtschaftliches Wissen, es wird in den künstlerischen Studiengängen nicht gelehrt. "Zudem sind die meisten Förderprogramme auf kleine und mittelständische Unternehmen ausgerichtet. Ein-Mann-Betriebe können zumeist den geforderten Eigenbeitrag zu der Förderung gar nicht aufbringen", sagte Chris- tian Rost, Chef des Landesverbandes der Kultur- und Kreativwirtschaft Sachsen, den es seit 2017 als zentrale Anlaufstelle für die Akteure gibt. Trotzdem hat sich in Westsachsen, dem Erzgebirge und im Vogtland eine kleine Kreativwirtschaft etabliert. Es gibt im Vergleich zu Dresden, Leipzig und Chemnitz zwar von der Anzahl als auch gemessen an der Einwohnerstärke weniger Kreativfirmen. In der Region Zwickau sind es zumeist Softwareentwickler, Werbe- und Designagenturen. "Es entwickelt sich gerade eine sehr starke Szene", meint Rost. Bei regelmäßigen Stammtischen tauschen sich die Kreativen aus. Man kennt und unterstützt sich, zum Beispiel beim Hauptproblem im ländlichen Raum, dem fehlenden Hochleistungsdatennetz.

Die sächsische Kultur- und Kreativwirtschaft erwirtschaftete 2015 einen Umsatz von 3,35 Milliarden Euro. Sie trägt 2,6 Prozent des gesamtwirtschaftlichen Umsatzes bei. Mit mehr als 39.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten entspricht diese Anzahl annähernd den Beschäftigungszahlen im Maschinenbau.

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