Mitarbeiter packen trotz Handicaps mit an

Zwei junge Männer mit einer Behinderung sind in einem Unternehmen in Crimmitschau integriert. Dafür gibt es einen Preis.

Crimmitschau.

Die Zusammenarbeit mit Menschen mit einem Handicap erfordert oft einen Spagat. "Sie wollen nicht, dass wir uns überschwänglich um sie kümmern. Man darf aber auch keine Berührungsängste haben, wenn die Kollegen eine Hilfestellung brauchen", sagt Björn Gollenbeck, Personalleiter in der Firma Schär Werkzeug-Maschinenhandel und Industriebedarf. Das Unternehmen mit Sitz an der Leipziger Straße in Crimmitschau beschäftigt zwei Mitarbeiter mit einer Behinderung: Daniel Palm, dem ein Organ fehlt, hat im März 2017 als Lagerist angefangen und kümmert sich mittlerweile um den Webshop. Lucas Schumann, der nach einer Tumoroperation gehandicapt ist, absolviert seit September 2017 eine Ausbildung zum Industriekaufmann. "Sie sind voll integriert, wollen als normale Kollegen behandelt werden", sagt Björn Gollenbeck.

Das Engagement des Familienbetriebes bei der Inklusion von behinderten Menschen wurde mit dem Annedore-Leber-Preis gewürdigt. Geschäftsführerin Andrea Gollenbeck und Personalleiter Björn Gollenbeck haben die Auszeichnung vor wenigen Tagen in Berlin in Empfang genommen. Neun Unternehmen, Organisationen und Projektträger wurden für den Preis vorgeschlagen. "Die Firma Schär beweist: Inklusion ist keine Frage der Firmengröße, sondern der Einstellung. Augenhöhe gilt hier als bestimmendes Prinzip", sagt Laudatorin Sabine Bangert, die für Bündnis 90/Grüne im Berliner Abgeordnetenhaus sitzt. Sie gehört mit Vertretern aus Politik und Handwerk zur Preisjury.

Das Unternehmen, das sich auf den Werkzeug-Maschinenhandel und Industriebedarf spezialisiert hat, wurde von der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Chemnitz für die Auszeichnung vorgeschlagen. "In der Firma Schär werden die Aufgaben im Team gestemmt. Hier geht es um die Stärken und nicht um die Schwächen der Mitarbeiter", sagt IHK-Inklusionsberaterin Ines Petzold, die im Herbst 2017 - gemeinsam mit Andrea und Björn Gollenbeck - einige Hürden überspringen musste. Der Grund: Lucas Schumann hatte Angst vor dem Mobbing an der Berufsschule. Deshalb wechselte er in eine kleinere Klasse an der Euroschule in Chemnitz. Dafür war die Zustimmung von Arbeitsamt und IHK erforderlich. "Die Auszeichnung entschädigt auch für den Stress, den wir damals hatten", sagt Björn Gollenbeck. Das Preisgeld in Höhe von 1000 Euro soll in die Aus- und Weiterbildung investiert werden. Die Firma Schär beschäftigt zehn Mitarbeiter. Sie kümmern sich um Ladengeschäft an der Leipziger Straße, Direktvertrieb an Unternehmen aus Industrie und Handwerk und Webshop.


Preis erinnert an Politikerin

Zum vierten Mal wurde der Annedore-Leber-Preis vergeben. Die Auszeichnung ging erstmals an eine Firma aus Sachsen. Annedore Leber (1904-1968) war Publizistin, Verlegerin und Politikerin. Sie war mit dem Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus, Julius Leber, verheiratet. 1927 trat sie in die SPD ein. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm sie verschiedene Funktionen in der SPD. Neben ihrer publizistischen und politischen Arbeit setzte sich Annedore Leber für junge Menschen ein, die unter der Arbeitslosigkeit nach dem Krieg litten. Seit 1979 trägt ein Berufsbildungswerk ihren Namen.

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