"Motto passt zum Fasching auf dem Dorf"

Vereinschef Gerd Klotzek aus Blankenhain spricht über Probleme durch den Golfkrieg, musikalische Pannen und eine feuchte Rutsche

Blankenhain.

Die Narren aus dem Crimmitschauer Ortsteil Blankenhain machen das halbe Jahrhundert voll. Sie präsentieren ihr aktuelles Programm unter dem Motto "50-Jähriges in Blankenhain, der FCB lädt zum Scheunenfeste ein". Holger Frenzel sprach mit dem Vorsitzenden Gerd Klotzek, der genauso alt wie der Verein ist, über Jubiläum, Pannen und Geburtstagswünsche.

Freie Presse: Wie wird das Jubiläum gefeiert, Herr Klotzek?


Gerd Klotzek: Mit drei Abend- und zwei Nachmittagsveranstaltungen. Wir haben ein Motto gewählt, das zum Fasching auf dem Dorf passt. Unser Programm ist mit vielen Dingen, die vor, beim und nach dem Tanz auf der Tenne passieren können, gefüllt. Zu unserer Jubiläumsveranstaltung, die am Rosenmontag stattfindet, erwarten wir auch Gäste von etlichen Vereinen aus der Nachbarschaft.

Mit welchen Getränken wird zum runden Geburtstag angestoßen?

Die Frauen bestellen Sekt, die Männer bevorzugen Bier. Wir haben eine Tradition, die in Blankenhain schon seit 1969 besteht, fortgesetzt und auch in der Vergangenheit einige schwierige Zeiten gemeistert.

Wie ist der Faschingsclub Blankenhain aktuell aufgestellt?

Wir haben eine gute Truppe mit zuverlässigen Leuten. Zuletzt sind auch immer wieder einige jüngere Akteure nachgerückt. Jeder leistet seinen Beitrag - zum Vereinsleben und zu den Veranstaltungen. Egal, ob auf der Bühne, beim Catering oder bei der Dekoration. Zum Faschingsclub gehören 34 Mitglieder und vier Ehrenmitglieder.

Die Narren präsentieren seit fünf Jahrzehnten ein Programm. Welche Traditionen werden bewahrt? Was hat sich geändert?

Ein fester Bestandteil sind bei uns spezielle Aktionen für Senioren und Kinder. Die meisten Besucher kommen mit Kostümen, die zum Motto unserer Saison passen. Der Verein nutzt nun wieder den Saal im Gasthaus Lindenhof. Dort fanden vor 50 Jahren auch die ersten Veranstaltungen, die Mitglieder des Dorfclubs organisiert haben, statt. Eine gravierende Änderung stellen wir bei den Büttenreden fest. Sie hatten lange einen Kultstatus - durch etliche Pointen zum Alltag in Blankenhain. Darauf wird nun verzichtet, da ein großer Teil der Gäste auch aus umliegenden Orten kommt.

Sie haben zum Start in die fünfte Jahreszeit insgesamt elf Thesen vor dem Rathaus in Crimmitschau verkündet. Hat Oberbürgermeister André Raphael (CDU) schon alle Aufgaben erfüllt?

Wir drücken es mal so aus: Es ist wahrscheinlich in Arbeit. Für den Kinderfasching haben wir eine Spende erhalten. Zu unserer Veranstaltung soll sich André Raphael - passend zum Motto - als Vogelscheuche verkleiden. Da werden wir nachfragen, wie der Stand bei der Sanierung des Spielplatzes in Blankenhain ist und wann wir die Blitzer-Einnahmen überwiesen bekommen.

Können die FCB-Mitglieder zum Jubiläum auch in einer Chronik blättern?

Wir haben alte Fotos und Zeitungsartikel aufgehoben. Es gibt auch eine Übersicht zu den Mottos. Das ist allerdings keine komplette Chronik. Zumindest noch nicht. Die Veranstaltungen, die nach der Wende stattfanden, haben wir auf Video beziehungsweise DVD festgehalten. Wenn die Filmaufnahmen gezeigt werden, kommen wir oft ins Schmunzeln.

Auch über die eine oder andere Panne?

Das gehört dazu. Wir sind keine Profis, können auch über uns lachen. Eine Herausforderung war manchmal die Technik. Die Musikpassagen mussten - beispielsweise 1997 unter dem Motto "Eine Reise um die Welt" - noch auf Kassetten zusammengeschnitten werden. Da haben sich die Leute auf der Bühne und am Mischpult manchmal in die Haare bekommen, weil der Übergang nicht perfekt war.

Was waren die schwierigsten Phasen in der Geschichte des Vereins?

Zwei Epochen fallen mir ein: Anfang 1991 stand der Verein vor einer Zerreißprobe. Aufgrund des Golfkrieges war ein Teil der Mitglieder damals der Auffassung, dass wir auf Faschingsveranstaltungen verzichten sollen. Das sorgte für Streit, einige Leute verabschiedeten sich damals aus dem Verein. Schwierig war zudem die Zeit zwischen 2009 und 2016, als wir durch die Sperrung unseres Saales in die Turnhalle der Grundschule ausweichen mussten. Das war mit einem riesigen logistischen Aufwand verbunden, die Requisiten mussten aus vielen verschiedenen Depots zusammengetragen werden.

Für die Schwierigkeiten werden Sie nach der Sanierung des Gasthofes aber mit Top-Bedingungen entschädigt.

Das ist richtig. Und: Darüber sind wir froh. Wir haben einen eigenen Vereinsraum als Treffpunkt und einen wunderschönen Saal. Nur die Holzrutsche, über die Besucher früher in den Saal gekommen und meistens mit einem Schnaps begrüßt empfangen worden sind, fehlt.

Ist der Wiederaufbau der Rutsche vielleicht ein Geburtstagswunsch?

Ja und nein. An die Rutsche, die bis 2008 in Betrieb war, können sich viele ältere Gäste erinnern. Sie hatte Kultstatus und ist sogar noch vorhanden. Allerdings haben sich die Zeiten geändert. So etwas lässt sich heute versicherungstechnisch nur schwer absichern.

Fünf Veranstaltungen organisiert der Faschingsclub Blankenhain. Die Abendveranstaltungen am 2. und 9. März sind ausverkauft. Tickets gibt es noch für die Fete am Rosenmontag. Sie beginnt am 4. März um 19.33 Uhr. Der Kinderfasching findet am 3. März statt, der Seniorenfasching am 10. März. Beginn ist jeweils 14 Uhr im Vereinshaus Lindenhof in Blankenhain.


Vom Dorfclub zum Faschingsclub: Gerd Dorf hat die Entwicklung der Narren in Blankenhain in den letzten 50 Jahren mitgestaltet

Eine reine Männersache waren in der Anfangszeit die Faschingsveranstaltungen in Blankenhain. "Wir waren knapp 15 Leute aus dem Dorfclub, die alles vorbereitet haben", erinnert sich FCB-Ehrenmitglied Gerd Dorf (71). Er und seine Mitstreiter haben 1969 die ersten Gags einstudiert. Sie wurden dann im Februar 1970 bei Veranstaltungen im Saal des Gasthofes präsentiert - mit ganz bescheidenen Kostümen. "Das waren weiße Unterhemden. Später haben wir uns die Requisiten beim Verein in Mannichswalde ausgeliehen", erzählt Gerd Dorf. Das Niveau von Kostümen und Programm konnte in der Folgezeit stetig erhöht werden. Gerd Dorf erinnert sich auch an die Büttenreden: "Die waren gewürzt. Trotzdem haben wir in Blankenhain keinen Ärger mit den staatlichen Stellen bekommen." Seit 2011 gehört Gerd Dorf zu den Ehrenmitgliedern des Vereins. Damals zog sich der Mann, der unter anderem mit dem Männerballett aufgetreten war, von der Bühne zurück. "Irgendwann muss man altersmäßig etwas kürzer treten." Trotzdem schaut er noch regelmäßig im Vereinszimmer vorbei und wird als Zuschauer auch die Veranstaltungen in der Jubiläumssaison des Faschingsclubs verfolgen. Einen Teil des Programms gestalten mittlerweile auch die Frauen mit.

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