Museumsnacht lockt Gäste in Scharen

Die Kultureinrichtungen inZwickau freuten sich Samstagabend über besonders großen Zuspruch.

Zwickau.

Rund 50 Besucher hatten sich Samstag gegen 19 Uhr in einem rollenden Museum niedergelassen. "Abenteuer Schienenstrang" hieß das neue Angebot zur diesjährigen Museumsnacht, zu dem Kulturamtsleiter Michael Löffler höchstselbst eingeladen hatte. In der historischen Straßenbahn erzählte er auf dem Weg nach Schedewitz und Pölbitz auf amüsante Weise Zwickauer Geschichte und Geschichten. Mitfahren durfte nur, wer vorbestellt, das Interesse war wesentlich größer. "Wir hätten noch zwei Wagen ranhängen können, wenn wir sie nur hätten", sagte Peter Pauker von den Freunden des Nahverkehrs, die den Schaffner und den Fahrer stellten.

Ruckelnd ging es vorbei am Theater, der für Löffler wichtigsten Baustelle der Stadt, "die hoffentlich in einem Jahr beendet sein wird." Weiter rollte die Bahn über das gemeinsame Gleis mit der Vogtlandbahn in der Äußeren Schneeberger Straße. Das 1999 feierlich eingeweihte Zwickauer Modell, das den Zug in die Innenstadt holte, hat allerdings eine Kehrseite: Wenn die Bahn rollt, darf kein Auto fahren. "Die Geschäfte haben einen schweren Stand, die meisten haben aufgegeben", bedauerte Löffler. Er pries die Straßenbahn, die zur "Stadt der Elektromobilität", als die sich Zwickau gern bezeichnet, perfekt passe. Denn zu einer solchen Stadt gehören für ihn nicht nur E-Autos, sondern auch die Tram, die zudem ganz ohne Lithium-Ionen-Akku auskomme. Ganz ohne Mikrofon musste Löffler selbst auskommen. Die Technik streikte. Löffler versuchte das durch ständige Wechsel zwischen den beiden Bahnen wettzumachen.

Probleme ganz anderer Art überspielte Zwickaus Buchrestaurator Basher Ab del Kader. Er hatte sich eine frischen Schnittwunde am linken Ringfinger zugezogen. Dennoch demonstrierte er in einem Hinterhaus der Ratsschulbibliothek, wie er die wertvollen Schriften in einer der ältesten Bibliotheken Deutschlands in Schuss hält. Das Haus an der Lessingstraße beherbergt unter anderem 200 mittelalterliche Handschriften, 1200 Druckerzeugnisse aus der Frühzeit des Buchdruckes sowie rund 2500 alte Musikschriften. Die Besucher erfuhren, dass Papier nicht gleich Papier ist. Es gibt mehr als 3000 Sorten, darunter normales Druckpapier mit üblicherweise 80Gramm pro Quadratmeter, aber auch hauchdünnes Japanpapier mit zwei Gramm pro Quadratmeter. Das nutzt der 41-Jährige gern, um Tintenfraß zu behandeln.

Reger Andrang herrschte Samstagabend auch in einer Bodenkammer der Priesterhäuser. Historiker Matteo Rebeggiani erzählte dort ineinem Schlafgemach Bettgeschichten. Aus einem Hebammenbuch von 1554 zeigte er gruselige Zeichnungen von Wesen mit Schweinspfoten, Elefantenrüsseln und Krallenfüßen, die Teufelsbälgerdarstellen sollten - Ergebnisse dessen, wenn ein böser Geist nachtsmit Frauen eins geworden war. Dagegen versuchten sich die Menschen im Mittelalter zu schützen - mit Knüppel und geöffneter Schere (Kreuz) neben dem Kissen, zudem Weihrauch und "Teufelsdreck", woran Rebeggiani seine Gäste schnuppern ließ: Es war ein Pulver mit beißendem Knoblauchgeruch.

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