Nach Sperrung und Hausabriss: Eigentümerin klagt gegen Stadt

Wissen Sie noch? Als ein Gebäude in Werdaus Innenstadt einzustürzen drohte.

Werdau.

Mehrfach hatte die Stadt Werdau die Eigentümerin des Hauses Ecke August-Bebel-Straße/Pestalozzistraße auf die prekäre Situation hingewiesen. Auch der Kauf der Immobilie durch die Stadt war der in Süddeutschland Wohnenden angeboten worden. Geschehen war nichts. Doch vor einem Jahr hieß es: Gefahr in Verzug. Das Dach und diverse Decken des leer stehenden Gebäudes drohten einzustürzen. Die Eigentümerin meldete sich nicht. Kurzerhand wurde ein Teil der Straße gesperrt.

Zwei Monate dauerte der Zustand. Die Eigentümerin ließ die an sie gestellte Frist ohne Reaktion verstreichen. Dann rückten die Spezialbagger an und griffen sich das Haus. Nach wochenlanger Sperrung eines Teilstückes der August-Bebel-Straße war sie nach den Osterferien des vergangenen Jahres wieder ungehindert befahrbar.

Inzwischen ist die Abrissaktion Geschichte. "Im Frühjahr des vergangenen Jahres wurde das Gelände zunächst so gesichert beziehungsweise befestigt, dass es als vorübergehende Stellfläche genutzt werden kann", sagt André Kleber, Pressesprecher der Werdauer Stadtverwaltung.

Damit ist zwar dieses Problem gelöst, es gibt allerdings weitere: Der Zustand diverser Ruinen in Werdau verschärfe sich zusehens. Hinzu komme, dass Eigentümer ihren Sicherungspflichten und erst recht ihrer moralischen Verantwortung nicht nachkommen. Dieser Zustand sei untragbar, sagte Oberbürgermeister Stefan Czarnecki (CDU), der weiß, wie groß das finanzielle Loch aufgrund solcher Maßnahmen im städtischen Haushalt ist. "Durch die Vielzahl an vergleichbaren Herausforderungen verlieren wir viel Zeit und Geld." Bereits 2015 musste die Stadt einen sechsstelligen Betrag für den Rückbau des ehemaligen "Stadtkruges" einsetzen. In Werdau stehen rund 40 Gebäude unter bauaufsichtlicher Beobachtung, etwa die Hälfte davon gilt als stark gefährdet.

Und auch, wenn das Haus August-Bebel-Straße/Pestalozzistraße inzwischen aus dem Stadtbild verschwunden ist, ist es dennoch Thema im Rathaus. "Die Fläche ist unverändert im Besitz der Eigentümerin. Pläne zur weiteren Nutzung des Grundstücks sind uns nicht bekannt", sagt André Kleber. Grundsätzlich sei eine Bebauung mit einem Wohnhaus, angepasst an die Umgebung, bauplanungsrechtlich möglich. Die Stadt selbst benötige die Fläche nicht.

Auf den Kosten des Abrisses indes ist die Stadt Werdau derzeit noch sitzen geblieben. Die Eigentümerin bekam eine Rechnung, weil die Kommune an ihrer Stelle für den nötigen Abriss gesorgt hatte. Dagegen legte die Eignerin nicht nur Widerspruch ein, sondern inzwischen ist eine Klage beim Oberverwaltungsgericht anhängig. "Wann dort entschieden wird, ist noch nicht abzusehen", sagt André Kleber.

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