Neubau löst 170 Jahre alten Tunnel in Langenhessen ab

Die Bahnüberführung ist marode und viel zu eng. Seit Jahren wird nach einer Lösung gesucht. Die ist nun gefunden. Umgesetzt wird das Vorhaben erst später.

Langenhessen.

Autofahrer, die täglich die Engstelle zwischen Langenhessen und der Koberbachtalsperre beziehungsweise die Auffahrt zur Westtrasse nutzen, können aufatmen. Die Monate der maroden und viel zu engen Eisenbahnüberführung, im Volksmund Tunnel genannt, sind gezählt. Ein Ersatzneubau soll das Problem lösen. Errichtet wird der Tunnel in etwa an der Stelle des bisherigen Bauwerkes. "Zwischen dem Landratsamt Zwickau als Straßenbaulastträger der Kreisstraße und der Deutschen Bahn als Baulastträgerin des Tunnels gibt es inzwischen eine Vereinbarung zur Planung und auch zum Bau der Überführung. Durch die Bahn wird das Bauwerk als Ingenieurbaumaßnahme geplant und gebaut und durch den Landkreis Zwickau der dazugehörige Ausbau der Kreisstraße umgesetzt", sagt der Amtsleiter für Straßenbau in der Kreisverwaltung, Thomas Lobe. Die Stadt Werdau, zu der der Ortsteil gehört, ist nicht mit im Boot. Für die Umsetzung des Vorhabens macht sich laut Lobe zeitweise eine Vollsperrung der Bahnstrecke zwischen Zwickau und Leipzig, auf der unter anderem auch die S 5 und S 5 X verkehren, notwendig. Nach derzeitigem Stand soll das 2023 geschehen. Das Bauwerk soll so errichtet werden, dass es die Fahrzeuge, die Radfahrer und auch die Fußgänger gefahrlos nutzen können. Das ist bisher nicht der Fall. Der Tunnel, mit dem Bau der Bahnstrecke von Leipzig nach Werdau vor mehr als 170 Jahren errichtet, ist so eng, dass ihn derzeit maximal zwei Pkw zeitgleich passieren können. Will ein Laster oder ein Bus durch das Nadelöhr, wird es eng. Ein Fußweg ist nicht vorhanden.

An einer Lösung des Problems wird bereits seit Jahren gearbeitet. Bis 2015 war der Freistaat für die Seelingstädter Straße, die durch den Tunnel führt, zuständig. Mit der Fertigstellung der Westtrasse auf Langenhessener Flur und einer Herabstufung der Seelingstädter Straße wurde das Problem quasi dem Landkreis aufs Auge gedrückt. Seitdem bemüht sich das Amt für Straßenbau um eine Lösung. Diese zu finden, damit wurde einBüro in Dresden beauftragt. Das erarbeitete mehrere Varianten. Drei kamen letztendlich in die nähere Auswahl, von denen im Vorjahr eine Verlegung der Straße durch das Viadukt favorisiert wurde. Den Plänen machte kurz nach Bekanntwerden der Naturschutz einen Strich durch die Rechnung. Im favorisierten Bereich wurden seltene Pflanzen und geschützte Tierarten entdeckt. Dazu gehören neben diversen Schmetterlingen vor allem Fledermäuse, die Schleiereule, die Dohle sowie der Eisvogel und die Wasseramsel. "Dieser wertvolle Lebensraum ist nicht auswechselbar. Damit muss das Vorhaben neu überdacht werden", sagte im November des Vorjahres die Pressesprecherin des Landratsamtes, Ilona Schilk. Das Ergebnis ist der nun geplante Ersatzneubau.


Doch auch die Pläne gab es in ähnlicher Form schon einmal vor acht Jahren. Erarbeitet wurden diese 2010 vom Straßenbauamt Chemnitz, der Vorgängerbehörde des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr. Die neue Unterführung - zwölf Meter breit, knapp fünf Meter hoch sowie auf beiden Seiten ein kombinierter Rad- und Gehweg - sollte bei Aufrechterhaltung des Bahnverkehrs errichtet werden. An Kosten waren 2,5 Millionen Euro veranschlagt. 75 Prozent davon hätte die Europäische Union bereitgestellt, für den Rest wäre der Freistaat aufgekommen. 2012 sollte das Bauwerk fertig sein. Das wäre ein Jahr vor dem Baubeginn der Westtrasse in Langenhessen gewesen.

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