"Nicht alles mitmachen"

Bürgermeister-Alterspräsident Frank Taubert über Digitalisierung und Faschingsfete

Dennheritz.

Frank Taubert (Freie Wähler) aus Dennheritz ist mit seinen 73 Jahren der "Alterspräsident" unter den Bürgermeistern im Landkreis Zwickau. Er tritt damit die Nachfolge von Bernd Geringswald (CDU) aus Oberwiera an, der kürzlich in den Ruhestand gegangen ist. Holger Frenzel sprach mit Taubert über seine Motivation für die ehrenamtliche Tätigkeit und seine Zurückhaltung bei der Digitalisierung.

Freie Presse: Die meisten Leute aus ihrem Jahrgang genießen das Rentnerdasein. Sie tragen die Verantwortung für einen Ort mit 1300 Einwohnern und einem Haushaltsvolumen von rund 2,5 Millionen Euro. Wo tanken Sie dafür die Kraft?

Frank Taubert: Bei der Arbeit als Bürgermeister. Das hält Geist und Körper fit. Es hilft, wenn man auch im Alter gefordert ist. Mein Wecker klingelt jeden Tag kurz vor 6 Uhr. Da denkt man nicht an die kleinen Wehwehchen, über die manche Leute klagen.

Wie sieht Ihr Tagesablauf als Bürgermeister aus?

Dienstag und Donnerstag sind die langen Arbeitstage. Sie gehen oft von 9.30 bis 18 Uhr. Dann bin ich in der Gemeindeverwaltung in Dennheritz und in der Stadtverwaltung in Crimmitschau, mit der wir eine Verwaltungsgemeinschaft bilden. An den anderen Tagen stehen ebenfalls etliche Termine im Kalender. Dabei handelt es sich um Sitzungen bei den Versorgungsunternehmen, dem Städte- und Gemeindetag oder Vereinen. Dazu kommen immer wieder ungeplante Dinge. Ich bin normalerweise an vier Tagen in der Woche für unsere Gemeinde unterwegs.

Welche Motivation treibt Sie an?

Die Liebe zu meinem Heimatort. Die Entwicklung von Dennheritz, Oberschindmaas und Niederschindmaas kann sich aus meiner Sicht sehen lassen. Wir haben in den vergangenen Jahren etliche Infrastruktur-Projekte umgesetzt. Und auch in den nächsten Jahren wird keine Langeweile aufkommen.

Worüber ärgern Sie sich?

Über Dinge, die nicht (sofort) klappen, und unnötige Streitereien. Es gibt Rückschläge zu verkraften. Das beschäftigt mich sogar in der Nacht. Man braucht manchmal einen Tag, um sich davon zu erholen und wieder nach vorn zu schauen.

Sehen Sie in Ihrem Alter einige Dinge gelassener als die jüngeren Bürgermeister-Kollegen?

Ja. Das liegt einfach an der Lebenserfahrung.

Treten Sie deshalb auch bei der Einführung eines Ratsinformationssystems, das Unterlagen für Gemeinderäte im Internet abrufbar macht, etwas auf die Bremse?

Das Ratsinformationssystem steht für Crimmitschau und Dennheritz zur Verfügung. Mit der nötigen Lebenserfahrung wird klar: Man muss nicht sofort bei allen Dingen mitmachen. Das trifft auch auf die Digitalisierung zu. Wir stellen die Vorlagen und Protokolle den Gemeinderäten weiter in Papierform zur Verfügung. Damit haben alle die gleichen Voraussetzungen.

Ihre Amtszeit läuft bis 2023. Halten Sie so lange als Bürgermeister durch?

Wenn die Gesundheit mitspielt, mache ich bis 2023 weiter. Das ist mein Ziel. Aber: So etwas lässt sich nicht planen.

Ihr Bürgermeister-Kollege Lothar Ungerer aus Meerane hat zum Straßenfasching den Glauchauer Oberbürgermeister Peter Dresler und den Crimmitschauer Oberbürgermeister André Raphael auf seinen Umzugswagen geholt. Warten Sie als "Alterspräsident" auf eine Einladung?

Nein. Wie schon einmal gesagt: Man muss nicht alles mitmachen. Ich habe Karten für eine Faschingsgala im Stadttheater in Glauchau. Damit sind die Pflichten in der fünften Jahreszeit doch erfüllt. hof


Elf Bürgermeister im Kreis sind zwischen 60 und 65 Jahre alt

Ein Drittel der Stadt- und Gemeindechefs im Landkreis Zwickau ist zwischen 60 und 65 Jahre alt. In diese Altersgruppe fallen elf von 33 Bürgermeistern und Oberbürgermeistern. Zu den ältesten "Oberhäuptern" gehören neben Frank Taubert aus Dennheritz noch Klaus Kertzscher aus Niederfrohna mit 72 Jahren und Bernd Pohlers aus Waldenburg mit 66Jahren. Zehn Bürgermeister sind zwischen 50und 59 Jahre alt, teilt die Kommunalaufsicht des Landkreises Zwickau mit. Dazu kommen sieben Frauen und Männer, die zwischen 40und 49 Jahre alt sind. Zwei Bürgermeister sind jünger als 40 Jahre., und zwar Holger Quellmalz aus Oberwiera und Thomas Hetzel aus Oberlungwitz. (hof)

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