Nur das Logo erinnert noch an Firma und Branche mit Weltruf

Auf dem Gelände der Tuchfabrik Gebr. Pfau erhielt gestern ein steinerner Zeitzeuge seinen Standort. Das Relikt wurde bereits das zweite Mal vor der Vernichtung gerettet.

Crimmitschau.

Für Heinrich Otto vom Crimmitschauer Heimatvereins ist gestern ein besonderer Tag gewesen. Auf dem Gelände der Tuchfabrik Gebr. Pfau an der Leipziger Straße erhielt das ehemalige Firmenlogo von Kettling & Braun seinen neuen Standort. Das zirka 2,5 Tonnen schwere Relief aus Rochlitzer Porphyr wurde auf einem Sockel stehend am Giebel des ehemaligen Maschinenhauses der Tuchfabrik befestigt. "Der Platz ist in Ordnung. Hier passt es gut her", sagte Heinrich Otto.

Der 80-Jährige war derjenige, der das Logo vor der Vernichtung rettete. Seinen Platz hatte es zuvor am Treppenhaus der Textima an der Unteren Mühlgasse. Als 2014 bekannt wurde, dass das seit Jahren leer stehende Gebäude abgerissen werden sollte, machte sich Heinrich Otto für die Rettung des alten Firmenlogos stark. Das hatte schon einmal sein Vater, Johannes Otto, in den 1950er-Jahren getan. "Damals wurde der Betrieb verstaatlicht. Da passte das Relikt aus kapitalistischer Zeit nicht mehr ins Bild und sollte verschwinden. Doch mein Vater hat sich durchgesetzt."


Die Textilmaschinen, die die Firma Kettling & Braun einst herstellte, waren weltweit gefragt. Zu finden sind sie noch heute in der Tuchfabrik Gebr. Pfau, die als technisches Denkmal der Nachwelt erhalten bleibt. Einen Verbündeten fand Heinrich Otto vor drei Jahren in Ronny Bauer aus Crimmitschau, dessen Firma den Zuschlag für den Abriss der Brache erhielt. "Damit das in zirka sechs Meter Höhe in der Fassade verankerte Teil beim Abbruch auch nicht beschädigt wurde, haben wir es mit einem Stück Mauerwerk ausgebaut und ein rund drei Meter hohes Fallbett aus Sand errichtet. Es hat funktioniert", blickt Ronny Bauer zurück. Er stellte das Teil nach dem Abbruch auf seinem Firmengelände sicher, bis der neue Standort geklärt war. "Auf das Gelände der Tuch- fabrik passt es", sagte der Geschäftsmann gestern Nachmittag.

Bevor das über zwei Meter große Relief aufgestellt wurde, erhielt es noch eine Frischzellenkur durch die Baufirma Torsten Vogel und den Steinrestaurator Uwe Speck. "Wir haben das Relief nur gekärchert und gesäubert, damit es sein ursprüng- liches Aussehen behält und auch weiterhin der Rochlitzer Porphyr richtig zur Geltung kommt", sagt Torsten Vogel.


Firma Kettling und Braun existierte mehr als 100 Jahre

Eigentlich gilt Chemnitz als "Hauptstadt des deutschen Maschinen- und Textilmaschinenbaus", doch auch in Crimmitschau bringt es die Firma Kettling & Braun zu Weltruf. Um 1860 gründeten die zwei Unternehmer die Firma und spezialisierten sich auf den Bau von Textilveredlungsmaschinen für die Nass- und Trockenappretur von Stoffen. Das Firmenlogo demonstriert "erprobt und bewährt", welches jede Maschine von Kettling & Braun auszeichnete.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Firma enteignet und in Volkseigentum überführt. In den 1970er-Jahren erfolgte die Zuteilung zum Kom- binat Textima Gera. In Crimmitschau wurden weiterhin Textilveredlungsmaschinen gebaut. Nach 1990 fand die Umwandlung in eine GmbH statt. Im Jahr 1993 meldete die Firma Insolvenz an. (umü)

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