Ort der Stille ist ein Besuchermagnet

Zum Tag des offenen Denkmals haben interessante Plätze ihre Pforten geöffnet. Zum 25. Mal war das gestern in Sachsen der Fall, zum ersten Mal in größerer Form auch auf einem besonderen Gelände in Werdau.

Werdau/Crimmitschau.

Die 65-jährige Irene Schindler sah es pragmatisch: "Irgendwann enden wir doch alle einmal hier." Sie war mit ihrem Mann Frieder per Fahrrad aus Zwickau gekommen, um die umfangreichen Angebote auf dem Waldfriedhof in Werdau wahrzunehmen. "Alle Führungen schafft man ja gar nicht. Wir waren auf dem ,Pfad der Erinnerungen' und haben uns historische Grabmale angeschaut", staunten die beiden über die Fülle von Informationen, die ihnen und den anderen Teilnehmern am Sonntag zum Tag des offenen Denkmals von Friedhofsverwalterin Rita Grieshammer vermittelt wurden.

"Extra für diesen Tag haben wir auch unsere Flyer über den ,Pfad der Erinnerungen' und die besonderen Bäume auf dem Gelände erneuert", sagte die Verwalterin, die mit der Resonanz auf das umfangreiche Führungs- und Vortragsprogramm zufrieden war. "Um die 20 Besucher waren es immer", ergänzte Rathaussprecher André Kleber. Besonderer Hingucker auf der mehr als 100 Jahre alten Anlage ist die Friedhofskapelle mit ihrer sanierten Rotunde, über die Besucher unter anderem Wissenswertes von Restaurator Wolfram Voigt erfuhren.

Im Zisterzienser-Nonnenkloster Frankenhausen hatten die Mitglieder des Vereins "Sächsischer Heimatschutz" auf ein paar Besucher mehr gehofft. "Die stündlichen Führungen waren aber recht gut besucht", sagte Vereinsmitglied Jürgen Lippmann, der die Gäste dabei auch auf das neueste Projekt verwies. Im leer stehenden Witwenhaus soll ein Bürgerhaus entstehen. "Hier können dann verschiedene Veranstaltungen gefeiert werden", sagte Ortsvorsteher Stefan Rudert. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Eine Umleitung mussten auch die Besucher des Klosters in Kauf nehmen. Die Zufahrtsstraße ist seit Längerem wegen Bauarbeiten gesperrt. "Ich hätte mir eine bessere Ausschilderung gewünscht. Auch ein Hinweis auf das Kloster fehlt. Man traut sich gar nicht ins Gelände rein", sagte Michael Seltmann, der aus Schmölln auf eine Stippvisite gekommen war.

Auf dem Werdauer Bahnhof hatten sich Mitglieder des Bürgervereins "Wir in Werdau Süd" mit Kaffee und Kuchen auf die Gäste eingestellt. Die bekamen unter anderem die Pläne erläutert, die der Verein trotz des schon durch die Kommune geplanten Abrisses mit dem Komplex weiterhin verfolgt. Ein Kulturbahnhof schwebt den Mitgliedern vor. "Es war ein Kommen und Gehen", sagte Vorstandschef Jens Dietze.

Rund 20 Leute schlossen sich dann einer Führung durch das Gründerzeitviertel Werdau-Süd an. Geführt von Vereinsgründer Mike Rink, machte der Tross auch an der Tuchfabrik Otto Ullrich an der August-Bebel-Straße Station. Dort konnten Besucher unter anderem die Dampfmaschine in Aktion erleben. Keine Langeweile kam auch bei Familie Lämmle auf Schloss Lauterbach auf. Das Ehepaar aus Stuttgart hatte das Schloss, für das der belgische Designer Henry van de Velde die Inneneinrichtung gestaltet hat, für Gäste geöffnet. Und die kamen zahlreich.

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