Paketzustellung in den Autokofferraum? Der "Supermaster" hält's für machbar

Logistikexperte Florian Molder hat mit seiner Abschlussarbeit einen bundesweiten Wettbewerb gewonnen. Der 29-Jährige weiß, welche Revolution auf Paketdienste und ihre Kunden zukommt.

Crimmitschau.

Ein ganz besonderes Jahr neigt sich für Florian Molder aus dem Crimmitschauer Ortsteil Gablenz dem Ende zu. Der 29-Jährige gewann mit seiner Masterarbeit den bundesweiten Wettbewerb "Supermaster". Dafür gab es ein Preisgeld von 25.000 Euro und eine dreiwöchige China-Reise. Holger Frenzel sprach mit Florian Molder, der mittlerweile bei einem Unternehmen aus der Automobilbranche arbeitet.

Freie Presse: Welche Wünsche haben Sie sich mit dem Preisgeld in Höhe von 25.000 Euro erfüllt, Herr Molder?

Florian Molder: Nicht so viele. Ich war mit meiner Freundin im Kurz-Urlaub in der Schweiz, wir haben uns einige kleine Dinge gegönnt. Der Großteil des Preisgeldes ist aber auf dem Sparbuch gelandet und - so kurz nach dem Studium - sicherlich ein schönes Startkapital für den nächsten Lebensabschnitt.

Haben Sie in den letzten Wochen mehr Fragen zum Inhalt der Masterarbeit oder zur Verwendung des Preisgeldes beantwortet?

In den meisten Fällen ging es um die beiden Themen. Das hängt zusammen. Über den Wettbewerb wurde auf verschiedenen Kanälen berichtet. Dadurch ist es auch legitim, mich anzusprechen.

Die Masterarbeit beschäftigt sich mit der "letzten Meile" bei der Paketzustellung. Warum wurde das Thema ausgewählt?

Weil immer mehr Leute im Onlinehandel bestellen. Und wann kommen die Pakete meistens an? Dann, wenn keiner zuhause ist. Damit landen sie bei Nachbarn oder im Paketshop. Deshalb habe ich mich mit möglichen Alternativen beschäftigt.

Welche Alternativen gibt es?

Das Hauptaugenmerk gilt Konzepten für die "letzte Meile", wo viele Ressourcen eingesetzt werden müssen. Hier ist - auch mit Blick auf Fahrverbote in den Innenstädten - eine Unterstützung durch Drohnen und selbstfahrende Paketboxen denkbar. Dazu habe ich mich mit autonom fahrenden Paketrobotern beschäftigt. Sie finden dank GPS-Steuerung selbstständig zum Fahrzeug zurück. Um das Zusammenspiel von Paketboten und Robotern zu optimieren, wurde ein Algorithmus entwickelt. Dabei handelt es sich um ein aus 2000 Zeilen bestehendes mathematisches Modell. Es teilt den Robotern mit, wann sich der Einsatz lohnt.

Gibt es nach der Auszeichnung mit dem Titel "Supermaster" schon Anfragen von Firmen aus der Logistikbranche?

Ja. Ich darf meine Masterarbeit zu Beginn des nächsten Jahres bei einem großen deutschen Logistikdienstleister vorstellen.

Hand aufs Herz: Wie wird in fünf Jahren in Deutschland die Paketzustellung in der Praxis funktionieren?

Je nach Region sicherlich ganz unterschiedlich. Im ländlichen Bereich gibt es andere Herausforderungen als in Ballungsräumen. Zum Teil kommen Drohnen und selbstfahrende Paketboxen schon zum Einsatz. Tests laufen unter anderem in Düsseldorf und Hamburg. Ein weiteres Thema wird sicherlich die Zustellung in den Kofferraum von Autos, die auf großen Parkplätzen abgestellt sind. Paketbote oder Roboter haben einen Code, um den Kofferraum zu öffnen.

Gibt es ein persönliches Erlebnis, welches Sie mit der Paketzustellung verbinden?

Allerdings - im Studentenwohnheim in Jena. Der Paketbote war froh, dass er jemanden angetroffen hat. Das war ich. Damals nahm ich acht Pakete für Kommilitonen entgegen.

Florian Molder (29) hat sich nach einer Ausbildung zum Bankkaufmann für ein Studium an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena entschieden. Er begann ein Bachelor-Studium der Wirtschaftswissenschaften. Zu Beginn verfolgte er das Ziel, im Finanzbereich zu bleiben. Dann entdeckte er das Thema Logistik. Weil er sich an der Universität darauf spezialisieren konnte, führte er sein Studium mit dem Betriebswirtschaftslehre-Master fort. Molder gehört zum Vorstand des CDU-Stadtverbandes in Crimmitschau. Er engagiert sich in der Ortsfeuerwehr in Gablenz. Zwischen August 2015 und Januar 2016 absolvierte Molder ein Auslandssemester in den USA. Dabei durfte er bei den Brandschützern in Mansfield im US-Bundesstaat Pennsylvania mitarbeiten.

Den Wettbewerb "Supermaster" richten der Bundesverband Deutscher Volks- und Betriebswirte und die Zeitschrift "Wirtschaftswoche" gemeinsam aus. 180 Teilnehmer reichten ihre Arbeiten ein. Davon durften zehn Teilnehmer ihre Projekte einer Jury vorstellen. hof

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