Pfingstpredigt übers Autoradio

Knapp 130 Fahrzeuge rollten am Montagvormittag auf das Areal des Autokinos an der Koberbachtalsperre. Dort feierten neun Kirchgemeinden erstmals einen gemeinsamen Pfingstgottesdienst.

Langenhessen.

Autokinochef Andreas Osse kam aus dem Staunen nicht heraus. "Zur Eröffnung des Kinos vor 30 Jahren hätte ich nie gedacht, dass es hier einmal einen Autogottesdienst geben wird", sagte der Crimmitschauer, der bei der Anfrage der Organisatoren der Veranstaltung nicht lange überlegen musste.

Das momentan im Kino geparkte rollende Baugerüst beispielsweise wurde fix umfunktioniert und von Gemeindegliedern in den Morgenstunden entsprechend dekoriert, sodass die Langenhessener Pfarrerin Claudia Knepper und ihr Werdauer Kollege Andreas Richter aus gut fünf Meter Höhe einen guten Blick auf das Geschehen auf dem Parkplatz hatten. "Im Vorfeld des Gottesdienstes waren wir schon etwas unsicher, ob sich der ganze Aufwand auch lohnt. Der erste Blick über den Platz hat die Skepsis schnell vertrieben", sagte die Pfarrerin, die sich relativ schnell an das wacklige Gerüst gewöhnt hatte und ihre Predigt wie in einer Kirche gewohnt sicher an die Zuhörer in ihren Autos "transportierte". Die Technik des Autokinos half hier sehr. Die entsprechende Radiofrequenz stand auf dem Liederzettel, den es - zusammen mit einer Taube - an der Einfahrt des Parkplatzes für die Teilnehmer gab.

In ihrer Predigt hatte Claudia Knepper einige sprichwörtliche Bilder eingearbeitet. "Die Autos mit den Sicherheitsabständen und das Baugerüst als Zeichen für die neuen Strukturen unserer Kirchgemeinden haben sich da einfach angeboten", sagte die Pfarrerin nach dem Gottesdienst, der durchaus auch als Beginn einer neuen Tradition angesehen werden kann. "Die Idee, dass wir künftig jedes Jahr am Pfingstmontag einen gemeinsamen Gottesdienst an einem besonderen Ort durchführen, ist schon längere Zeit für uns ein Thema", sagte Claudia Knepper, die mit Klaus Käufflein aus Niederalbertsdorf dahingehend auf jeden Fall schon einen Anhänger aus einer Gemeinde hätte. Der Mann hatte sich vor Beginn des Gottesdienstes mit anderen Leuten unterhalten und geäußert, dass der Pfingstgottesdienst "der Auftakt zur einer neuen Veranstaltungsreihe sein kann".

So weit wollte allerdings die große Mehrzahl der Gottesdienstbesucher - in den knapp 130 Autos rund 350 Personen - noch nicht gehen. "Diese gemeinsame Veranstaltung ist in diesen Zeiten eine schöne Idee", meinte mit Thomas Heimpold der Kirchenvorstand aus Ruppertsgrün, für den der Gottesdienst im Autokino eine Premiere war. "Normalerweise hätten wir eine gemeinsame Veranstaltung mit Beiersdorf im Kalender stehen gehabt", sagte Heimpold, der seine Gemeinde stattdessen ins Autokino einlud.

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