Problemhäuser: Crimmitschau beginnt mit Abriss-Offensive

Ein wachsames Auge auf 163 leer stehende Gebäude müssen Mitarbeiter im Rathaus werfen. Ein Teil davon soll gekauft werden und aus dem Stadtbild verschwinden.

Crimmitschau.

Vom Mehrfamilienhaus an der Leipziger Straße 37 in Crimmitschau ist nichts übrig geblieben. Nachdem am 12. Januar das Dach und ein Teil der Decken des leer stehenden Gebäudes eingestürzt waren, mussten Mitarbeiter der Stadtverwaltung etliche harte Nüsse knacken: Grundstück absperren, Umleitungen ausschildern, Eigentümer kontaktieren und Abrissunternehmen suchen. Die Kosten für den Rückbau, der fast abgeschlossen ist, belaufen sich auf rund 80.000 Euro. Die Stadt geht in Vorkasse und versucht, das Geld vom Eigentümer zurückzuholen. "Da brauchen wir Geduld", sagt Oberbürgermeister André Raphael (CDU).

Solche Überraschungen, wie es sie zuletzt an der Leipziger Straße gab, sollen künftig die Ausnahme bleiben - für Nachbarn, Eigentümer und Rathausmitarbeiter. "Wir wollen nicht reagieren, sondern agieren", beschreibt das Stadtoberhaupt die Strategie und verweist auf einige Rückbauprojekte, die in den letzten Monaten durchgeführt werden konnten: Die ehemalige "Broilerklause" an der Silberstraße, die Industriebrache an der Petersstraße und der Komplex an der Friedrich-Engels-Straße sind verschwunden. "Wir geben damit auch ein Signal an die Crimmitschauer: In der Stadt bewegt sich etwas", sagt Raphael.

Der eingeschlagene Weg soll fortgesetzt werden. "Wir müssen Schwerpunkte setzen. Dazu gehört der Bereich rund um den Mannichswalder Platz", sagt Raphael. Das leer stehende Gebäude an der Lindenstraße 1 konnte die Stadt bereits erwerben. Der Kaufpreis beträgt 20.000 Euro. Dazu kommen 7000 Euro für Makler und Grunderwerbssteuer. An der ehemaligen Handelsschule, die sich an der Lindenstraße 3 befindet, hat man ebenfalls Interesse. Das trifft auch auf den Schandfleck im Bereich der Kreuzung von Schulstraße und Mannichswalder Straße zu. Für den Rückbau sollen Fördermitteltöpfe angezapft werden. "Trotzdem wird sich das auf die Stadtkasse auswirken", sagt er.

Die Zahl der Problemhäuser ist in Crimmitschau nahezu unverändert. Im Januar 2018 standen 163 Immobilien auf der Liste der Stadt. Daran hat sich - trotz der realisierten Abrissvorhaben - nicht viel geändert. "Weil Häuser, die über einen längeren Zeitraum leer stehen, dazu kommen", sagt Raphael mit Blick auf die sofort sichtbaren Probleme. Dazu gehören lose Dachziegel, defekte Regenrinnen, bröckelnder Putz und zersplitterte Fenster. Neben der Optik gibt es weitere Schwierigkeiten, die bei Eigentümern und Bewohnern von angrenzenden Häusern für Sorgenfalten auf der Stirn sorgen: Die Feuchtigkeit setzt sich im Mauerwerk fest, Waschbären quartieren sich ein, Müll wird abgelagert. "Solche Grundstücke holt sich irgendwann die Natur zurück", sagt Raphael, der die Auflagen der Stadt unter anderem an Hausbesitzer aus Rumänien und Ungarn übermitteln muss. Die Korrespondenz erfolgt zum Teil mit Unterstützung der Botschaften.


Werdau gibt 50.000 Euro aus

Auf rund 90 Häuser und Grundstücke müssen Mitarbeiter der Stadtverwaltung in Werdau einen Blick werfen. "Wobei nur zehn Häuser tatsächlich als herrenlos einzustufen sind. Bei all den anderen gibt es Eigentümer in Deutschland, aber auch in England, in Rumänien oder im Kosovo. Die kümmern sich nicht", sagt der Fachbereichsleiter für Stadtentwicklung und Bau im Rathaus, Karsten Piehler. Rund 50.000 Euro hat die Kommune 2018 aufgewendet, um für die Beseitigung der Gefahrenquellen zu sorgen. Hinzu kommen Leistungen der Mitarbeiter des Bauhofes, die spezielle Arbeiten selbst erledigen oder Sicherheitszäune um Häuser und Gelände aufstellen müssen.

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