Rathaus holt nach 25 Jahren Heimatmuseum aus Winterschlaf

Die Stadt will zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen und ab 2020 die Landesausstellung und Exponate aus der Stadtgeschichte in einem Objekt präsentieren. Der Rat erteilte den Plänen seine Zustimmung.

Crimmitschau.

Holger Norden kann seine Freude noch gar nicht richtig fassen, auch wenn der Senior der Umsetzung eines in dieser Woche gefassten Stadtratsbeschlusses noch etwas skeptisch gegenüber steht. Zu oft wurde der Hüter der historischen Sammlung in den zurückliegenden Jahren enttäuscht. "Versprochen wurde immer viel, Realität ist davon wenig geworden", sagt der Senior. Jetzt will die Stadt Nägel mit Köpfen machen. Die Exponate des ehemaligen Heimatmuseums werden wieder aus der Versenkung geholt und künftig einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Das Museum schloss vor 25 Jahren seine Pforten. Seitdem wird der gesamte Fundus in Räumen der Tuchfabrik Gebr. Pfau an der Leipziger Straße aufbewahrt und von den Mitgliedern des Heimatvereins verwaltet. Nach dem Willen des Stadtrates soll das Heimatmuseum wieder öffnen und dessen Exponate, zumindest ein großer Teil davon, künftig im alten Spinnereigebäude gezeigt werden.

Möglich macht das Ganze die für 2020 geplante Landesausstellung zur sächsischen Industriekultur. Crimmitschau ist einer der Schauplätze. Das Objekt, in dem die Ausstellung mit dem Schwerpunkt Textilindustrie gezeigt werden soll, ist das ehemalige Spinnereigebäude der Tuchfabrik Gebr. Pfau. Das wird für die Schau fit gemacht. Rund 500.000 Euro sind dafür eingeplant. Das Geld reicht jedoch nicht aus, um alle ursprünglich geplanten Vorhaben auch umzusetzen und das Gebäude vom Erdgeschoss bis zum Dach ausschließlich für die Landesschau zu modernisieren. Damit können lediglich die dringend- sten Maßnahmen umgesetzt werden. So soll ein zweiter Fluchtweg in Form einer Treppe geschaffen werden, die an der Fassade angebaut wird, zudem sollen die Fenster sowie das Erdgeschoss mit Kasse, Empfang, Toilette sowie Garderobe umgestaltet werden. Selbst das wäre ohne die Unterstützung aus dem Kulturraum kaum zu stemmen. "Nach neusten Schätzungen, die der Stadt im Mai zugingen, waren die Kosten für die Malerarbeiten, die Fußbodensanierung, Innentüren und die Planungen zu niedrig angesetzt. Die Kosten für die Wasser-, Abwasser- und Heizungsinstallationen waren nicht berücksichtigt", sagte Oberbürgermeister André Raphael (CDU) zur Stadtratssitzung. Die Folge wären Abstriche bei der Realisierung des Vorhabens gewesen. Jetzt sei es dank des Fördervereins vom Textilmuseum gelungen, auch die Ostdeutsche Sparkassenstiftung mit ins Boot zu holen. Die wird sich an den Kosten zur Nutzung des 2. Obergeschosses als Ausstellungsräume beteiligen. Die Sanierung der ersten Etage für das Heimatmuseum erfolgt ausschließlich über das Fördergebiet "Stadtumbau Nordstadt. Auch der Freistaat habe seine weitere Hilfe zugesagt. "Damit können wir nun die Pläne, nur in anderer Form, umsetzen", sagte der Oberbürgermeister.


Andreas Osse (Für Crimmitschau) meldete dennoch seine Bedenken an. Er werde nur zustimmen, wenn ein konkretes Nutzungskonzept vorliegen würde. Ihm reichten die Aussagen, dass das Heimatmuseum mit einzieht, nicht aus. Er stellt Aufwand und Nutzen in Frage. Das sah Stephan Theuring (CDU) anders. "Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht. Wenn wir die Chance haben, dass sich der Freistaat an den Kosten beteiligt, sollten wir die auch nutzen." Ähnlich sah es Peter Horn (Die Linke). "Es wird unsere letzte Chance sein, dass wir ein Vorhaben in der Form auch gefördert bekommen. Deshalb wird unsere Fraktion auch zustimmen." Knut Kirsche (SPD) wurde noch deutlicher. "Der Heimatverein hat in den zurückliegenden Jahren alles mögliche getan, um unsere mehr als 600-jährige Stadtgeschichte für die Nachwelt zu bewahren. Was wären wir für ein Stadtrat, wenn nicht auch wir uns zu unserer Geschichte bekennen und die nun gegebene Chance nicht nutzen würden?" Am Ende stimmte der Rat mit zwei Enthaltungen den Plänen zu.

Offen ist dabei, ob die Landesausstellung und die Präsentation der Schätze aus der historischen Sammlung zeitgleich eröffnet werden. "Das ist unser Ziel. Öffnet das Heimatmuseum erst ein paar Wochen später, habe ich damit auch kein Problem", so das Stadtoberhaupt.


Mehr als 18.000 Gegenstände

Bis 1995 gab es in der Stadt schon einmal ein Museum. Die Einrichtung mit einer 100-jährigen Geschichte hatte ihren Sitz an der Friedrich-August-Straße 1 in einer alten Fabrik. Das Gebäude war marode und hätte für den Fortbestand des Museums saniert werden müssen. Die Stadt befasste sich zu jener Zeit bereits mit dem Gedanken, in der 1990 unter Denkmalschutz gestellten Tuchfabrik Gebr. Pfau ein Textilmuseum einzurichten. Für eine zweite Einrichtung, in der ein Sammelsurium aus der Geschichte der Stadt gezeigt wird, fehlte der Kommune das Geld. 1997 wurde der Bestand des Heimatmuseums, der aus 18.000 Gegenständen besteht, in der Tuchfabrik eingelagert und vom Heimatverein verwaltet. (umü)

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