Rotunde erstrahlt in alter Pracht

Der Werdauer Friedhof gehört zu den schönsten in Deutschland. Schmuckstück ist die Trauerhalle. Das 110 Jahre alte Gebäude wird in Etappen saniert. Dabei ist auch Spürsinn gefragt.

Werdau.

Wolfram Voigt, Restaurator aus Zwickau, hat derzeit seinen Arbeitsplatz in der Werdauer Friedhofskapelle und verhilft dort dem Gebäude zu altem Glanz. Dazu gehört unter anderem auch die Sanierung der Rotunde. Die große Rundkuppel ist der Mittelpunkt in der 1906 im neoromanischen Stil errichteten Kapelle. Das Gebäude wurde im Laufe der 110 Jahre mehrfach saniert, zumindest Teile davon.

Auf den Denkmalschutz wurde dabei in der Vergangenheit nicht viel Wert gelegt. Das betrifft unter anderem auch die farbliche Gestaltung. "In den zurückliegenden Jahren wurden die Wände bestimmt fünf-, sechsmal überpinselt. Das letzte Mal geschah das 1991", sagt Wolfram Voigt. Wie die ursprüngliche Farbe aussah, darauf stieß der Restaurator vor vier Jahren. In Vorbereitung einer geplanten Sanierung des Gebäudes untersuchte er auch die Wände und fand dabei noch Spuren aus den Anfängen. Die Decke in der Rotunde war in einem Blau gehalten, die Wände in zwei verschiedenen Grautönen. Jetzt erhielt die Kuppel ihre alte Farbgebung zurück. In einer weitereren Etappe sollen auch die Seitenwände im Mittelbau ihren alten Anstrich zurück erhalten. "Das geschieht jedoch erst, wenn die Finanzierung gesichert ist", sagt Wolfram Voigt.

Im ersten Abschnitt, mit dem im März begonnen wurde, erfolgte die Aufarbeitung der historischen Bleiglasfenster in der Kapelle. Die Arbeiten wurden von einem Ruppertsgrüner Unternehmen ausgeführt und sind inzwischen abgeschlossen. Was im ersten Abschnitt noch realisiert wird, ist die Aufarbeitung der Bänke in der großen Abschiedshalle sowie der Türen des Gebäudes. Geplant ist ebenfalls der Einbau einer modernen Bankheizung. Dieses Vorhaben wird durch das Institut für Diagnostik und Konservierung Dresden begleitet, das über ein Forschungsprojekt die Aktivierung des historischen Lüftungssystems untersucht.

Für die Realisierung der ersten Etappe sind rund 478.000 Euro eingeplant. Beteiligt an der Bereitstellung der Gelder sind der Bund, der Freistaat, der Denkmalschutz und die Stadt Werdau. Für Wolfram Voigt, der sich im Vorfeld mit für die Realisierung des Vorhabens stark gemacht hat, ist jeder Euro sinnvoll angelegt. "Der Werdauer Friedhof ist einer der schönsten in ganz Deutschland und das nicht nur wegen seiner historischen Kapelle. Schon allein der Baumbestand ist mit mehr als 2000 Gewächsen einmalig und verleiht dem Ganzen einen Parkcharakter. Noch heute, 116 Jahre nach der Einweihung, ist eine Vielzahl von Gräbern aus den Anfangsjahren zu finden. Hier wurde über Jahrzehnte die Friedhofs- kultur gepflegt, die vielerorts immer mehr in Vergessenheit gerät", sagt der Restaurator. Am Bau der Kapelle haben sich damals die Fabrikanten der Stadt finanziell beteiligt. "Die holten sich Anregungen beim Deutschen Gartenbauverein Berlin. Der dabei entstandene parkähnliche Charakter ist bis heute erhalten geblieben und sucht seinesgleichen in Deutschland." Einige der prunkvollen Grabstätten der Industriellen sind noch vorhanden.

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