Sahnpark bekommt eine mobile Eisfläche

Für das Vorhaben fließen 245.000 Euro aus der Crimmitschauer Stadtkasse. Das sorgt bei einigen Stadträten für Bauchschmerzen. Warum?

Crimmitschau.

Der ETC Crimmitschau hat eine große Hürde für die Schaffung einer mobilen Eisfläche am Kunsteisstadion im Sahnpark übersprungen. Der Stadtrat stimmte am Donnerstagabend einem Zuschuss von 245.000 Euro, einem Pachtvertrag und einer Aktualisierung der Sportstättenleitplanung zu. All das sind Voraussetzungen, um Unterstützung aus den Fördertöpfen für die Sportförderung zu bekommen. "Wir können nun kurz durchatmen", sagte ETC-Vereinschef Matthias Gerth nach der Entscheidung des Stadtrates und ergänzte: "In den nächsten Wochen kommt viel Arbeit auf uns zu. Wir müssen mit Sponsoren und Planern sprechen, den Bauantrag vorbereiten." Das ehrgeizige Ziel der ETC-Verantwortlichen: Im Oktober 2020 sollen die Kinder und Jugendlichen auf der 600 Quadratmeter großen und überdachten Eisfläche trainieren können. Eine normale Eisfläche ist fast dreimal so groß.

Die Kosten für Erschließung und Aufbau werden auf 990.000 Euro beziffert. Der Verein plant mit einem Zuschuss von 495.000 Euro aus den Fördertöpfen des Freistaates für die Sportförderung. Ein entsprechender Antrag ist gestellt. Fehlende Unterlagen reicht der ETC laut Gerth nach der Entscheidung des Stadtrates nach. Der Verein stellt 250.000 Euro zur Verfügung. Das Geld kommt von Sponsoren und aus Eigenmitteln. Dazu fließen 245.000 Euro aus der Stadtkasse. Das entschied der Stadtrat am Donnerstagabend - mit 15 Ja-Stimmen und fünf Enthaltungen. Oberbürgermeister André Raphael (Für Crimmitschau) enthielt sich bei der Abstimmung. Stadtrat Torsten Heine (Für Crimmitschau), der sportlicher Leiter beim ETC ist, beteiligte sich wegen Befangenheit nicht an Diskussion und Abstimmung.

In der Debatte äußerten - trotz des klaren Ergebnisses - einige Stadträte ihre Bedenken. "Wir fördern damit auch viele Kinder, die nicht aus Crimmitschau kommen", sagte Stadtrat Martin Seidel (FDP) mit Blick auf die Wohnorte der Eishockey-Talente. 300 Mädchen und Jungen trainieren in den ETC-Nachwuchsteams. Davon wohnt etwas mehr als die Hälfte in Crimmitschau. Seidel erinnerte zudem an die Auflagen und die Zweckbindungsfrist des Fördermittelgebers. Wenn der Verein innerhalb der nächsten 15 Jahre die mobile Eisfläche nicht mehr betreiben kann, würden weitere Kosten und Verpflichtungen auf die Stadt zukommen. "Und damit auch auf den Steuerzahler. Das ist ein langer Zeitraum. Wir können nicht in die Glaskugel schauen", sagte Seidel. Lutz Gärtner (Linke) machte deutlich, dass seine Partei "mit Bauchschmerzen und nicht mit frohem Herzen" zustimmt. Gärtner: "Der ETC ist ein großer Sportverein, aber nicht der einzige Sportverein. Es gibt eine Neiddiskussion. Irgendwann müssen wir uns vielleicht die Frage stellen, was wir künftig aufgrund der Förderung für die zweite Eisfläche weglassen." Andreas Osse (Für Crimmitschau) ging auf die möglichen Auswirkungen des aktuellen Projektes und die Pläne für den Neubau einer Eis-Arena ein, wobei er das Wort in seinem Redebeitrag nicht in den Mund nahm. Osse: "Ich befürchte, dass wir eine Tür zu machen, die wir noch gar nicht geöffnet haben." Aus Sicht von Heiko Gumprecht (AfD) führt kein Weg an einer Trainingseisfläche vorbei. Er lobte das Engagement des ETC: "Der Verein könnte es sich auch einfach machen und ein Auswahlverfahren für Kinder und Jugendliche, die Eishockey spielen wollen, einführen."

In Crimmitschau wird seit August öffentlich über die Schaffung der mobilen Eisfläche diskutiert. Zunächst war geplant, dass die Stadt den Abriss eines Bürogebäudes und die Erschließungsarbeiten übernimmt. Die Verhandlungen zwischen den Verantwortlichen im Rathaus und im Verein gestalteten sich schwierig. Deshalb konnten die Beschlussvorlagen nicht zur September-Sitzung des Stadtrates behandelt werden. Mittlerweile verständigten sich beide Seiten darauf, dass sich der ETC um das gesamte Projekt kümmert und dafür den Zuschuss der Stadt erhält. "Es war traurig, dass zwischenzeitlich eine gewisse Disharmonie eingezogen ist", sagte Ulrich Wolf (CDU). Die aktuellen Unterlagen wurden unter Zeitdruck vorbereitet. Bis Donnerstagmittag verhandelten André Raphael und der stellvertretende ETC-Vereinschef Stefan Rudert über den Pachtvertrag, der am Donnerstagabend dem Stadtrat vorgelegt wurde.

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