Schiedelbad: Die Erinnerung lebt weiter

Von der einst beliebten Freizeiteinrichtung in Neukirchen hat der letzte Schwimmmeister viele Geschichten erzählt.

Lauterbach.

Wäre das Schiedelbad in Neukirchen noch geöffnet, könnte man dieses Jahr das 95-jährige Bestehen feiern. Doch am 12. September 2002 wurde das Bad geschlossen. Der letzte Schwimmmeister, der hier im wahrsten Sinne des Wortes den Strohhut auf hatte, war Manfred Arnold. In einem Vortrag erinnerte er am Montagabend im Neukirchener Ortsteil Lauterbach an die geschichtliche Entwicklung des Bades, an die Zeit, als er dort arbeitete und später das Tor für immer schloss. Zu der Veranstaltung hatte der Seniorenverein Lauterbach eingeladen. "Die große Resonanz freut uns", sagte Gudrun Christer vom Verein.

Zur Eröffnung des Bades, das in der ehemaligen Lehmgrube der Neukirchener Ziegelei errichtet wurde, zählte man am 1. Juni 1924 2000 Besucher. Die Einrichtung wurde zu damaliger Zeit auch das "Bad für die Arbeiter" genannt, wohingegen das großzügigere Sahnbad eher als "bürgerliches Bad" galt.


1962 wurde das Bad umgebaut und wurde damit mehr oder weniger zusätzlich zum Erholungsfaktor eine Sportstätte für Schwimmer und Wassersportler. Hier fanden über Jahre Kinder- und Jugendspartakiaden statt. Eine kurze Zeit existierte eine Mannschaft, die im Wasserball erfolgreich war. Viele könne er aufzählen, die im Schiedelbad als Schwimmmeister gearbeitet hätten, sagte der heute 77-jährige Arnold. Er begann dort 1973 und war mit Schließung der dienstälteste Schwimmmeister Westsachsens. In seinen Anfangsjahren, so erinnerte er sich, wurden einige Projekte, wie der Bau des Mehrzweckgebäudes (heute von den Fußballern von Traktor Neukirchen genutzt) und die Einrichtung eines Sanitätsraumes angeschoben. Wichtig erschien Arnold auch die Anschaffung einer großen Uhr, damit die Kinder rechtzeitig nach Hause kamen. Eine Attraktion im Schiedelbad war die sechs Meter lange Wasserrutsche. Die Besucherzahlen konnten sich über all die Jahre sehen lassen. So zählte man vom 7. bis 15. Juni 1982 8800 Badegäste, eine beachtliche Zahl, von der man nach der Wende nur träumen konnte. "Der 240 Räder fassende Fahrradständer war oftmals voll und auf dem Parkplatz ging es eng zu." Da musste der Schwimmmeister mit Argusaugen alles im Blick haben. Oftmals hatte er Unterstützung durch die Rettungsschwimmer, die er im Bad ausbildete. An die 130 Rettungsschwimmer waren es. 1300 Kindern brachte er das Schwimmen bei.

Bad- und Neptunfeste gehörten in den 1970er- und 1980er-Jahren zu den Höhepunkten. An ein Neptunfest kann sich Manfred Arnold besonders gut erinnern. 1982 taufte Neptun, der vom ehemaligen Crimmitschauer Oberbürgermeister Holm Günther verkörpert wurde und damals zur Gilde der Neukirchener Rettungsschwimmer gehörte, den Schwimmmeister auf den Namen "einäugiger Seelöwe".

Nach der Wende traten andere Richtlinien in puncto Wasserqualität in Kraft und auch der Tüv hatte Vorschriften. Nach langem Hin und Her beschloss der Gemeinderat die Schließung des Bades. Eine Entscheidung, die zu damaliger Zeit nicht alle nachvollziehen konnten.

An die Schiedelbadzeit denkt noch die Lauterbacherin Maritta Stemmler gern zurück. Im Sommer ging die heute 75-Jährige jede Woche mehrmals mit ihren Kindern Anett und Simone ins Bad, die dort das Schwimmen lernten. Auch als Hortnerin in der Neukirchener Schule hat die Seniorin schöne Erinnerungen an die Ferienspiele. "Da ging es ins Bad. Die Kinder konnten das Schwimmen lernen und das für wenig Geld."

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